Der europäische Fleischmarkt steht im Jahr 2026 vor einer ungleichen Entwicklung, wie aus dem aktuellen Kurzfrist-Ausblick der Europäischen Kommission hervorgeht. Während die Produktion von Geflügel und Schweinefleisch leicht wächst, sieht sich die Rindfleischbranche mit einem anhaltenden Rückgang konfrontiert. Besonders alarmierend ist der Importdruck, der fast alle Fleischarten betrifft, während die Exportchancen schwinden.
Geflügelproduktion als Wachstumsmotor
Die Geflügelindustrie ist der einzige Sektor, der ein eindeutiges Wachstum verzeichnet. Die Europäische Kommission prognostiziert einen Anstieg der Produktion um 1,4 %, was auf eine erhöhte Nachfrage von 2,1 % und günstige Gewinnmargen zurückzuführen ist. Bereits zu Beginn des Jahres 2026 stieg die Erzeugung um bemerkenswerte 3,5 %. Gleichzeitig könnten die Exporte aufgrund geopolitischer Spannungen im Nahen Osten um 2 % sinken, während die Importe aus Ländern wie Brasilien, Thailand und der Ukraine um 4 % zunehmen könnten.
Schweinemarkt: Stabilität trotz Herausforderungen
Im Bereich Schweinefleisch bleibt die Produktion mit einem leichten Plus von 0,3 % nahezu stabil, gestützt durch einen Anstieg des Zuchtsauenbestands um 0,6 % im Dezember 2025. Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Spanien Ende 2025 führte zwar zu einem Preisrückgang, beeinträchtigte jedoch zunächst nicht die Exporte, die von Januar bis April um 3 % zunahmen. Für das gesamte Jahr wird jedoch ein leichter Rückgang der Exporte um 0,5 % erwartet. Der Verbrauch soll um 0,4 % steigen.
Rindfleisch unter Druck durch strukturellen Rückgang
Im Gegensatz dazu sieht sich die Rindfleischproduktion vor erheblichen Herausforderungen. Ein rückläufiger Kuhbestand wird voraussichtlich zu einem Produktionsrückgang von 2,2 % führen. Dies folgt auf einen bereits starken Rückgang von 4,1 % im Vorjahr. Trotz hoher Preise aufgrund des knappen Angebots wird ein deutlicher Rückgang im Handel prognostiziert: Die Fleischexporte sollen um 12 %, die Lebendtierexporte sogar um 18 % sinken. Dagegen wird ein Anstieg der Importe um ebenfalls 12 % erwartet, was teilweise auf das Inkrafttreten des Mercosur-Abkommens zurückzuführen ist.
Unsicherheiten und wirtschaftliche Faktoren
Ungeachtet dieser Prognosen bleibt der Markt mit erheblichen Unsicherheiten konfrontiert. Hohe Energie- und Transportkosten sowie geopolitische Konflikte in Nahost gelten als wesentliche Risikofaktoren für alle Fleischsektoren. Zudem bleibt abzuwarten, ob die EU ab September brasilianische Importe aufgrund von Verstößen gegen Antibiotika-Vorschriften in der Tierhaltung einschränken wird – eine Maßnahme, die insbesondere den Rind- und Geflügelfleischimport beeinflussen könnte.
