Die Landwirtschaft in Europa steht vor entscheidenden Weichenstellungen: Sowohl der Deutsche Bauernverband (DBV) als auch die Fédération nationale des syndicats d’exploitants agricoles (FNSEA) aus Frankreich haben ihre Visionen für die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2027 präsentiert. Die beiden führenden Verbände setzen sich für eine umfassende finanzielle Unterstützung ein und fordern, dass die EU mindestens 500 Milliarden Euro für den nächsten Förderzeitraum bereitstellt, deutlich mehr als die bisher vorgesehenen 294 Milliarden Euro.
Gemeinsame Interessen trotz früherer Differenzen
In der Vergangenheit gab es zwischen Deutschland und Frankreich oft Meinungsverschiedenheiten in agrarpolitischen Fragen. Doch angesichts der bevorstehenden Reformen haben beide Länder nun weitgehend übereinstimmende Interessen. In einer gemeinsamen Erklärung betonen DBV und FNSEA, dass sie Kürzungen im Budget der GAP entschieden ablehnen. Diese Allianz stellt einen strategischen Schritt dar, um bei Copa-Cogeca, dem Dachverband europäischer Bauern- und Genossenschaftsorganisationen, Einfluss zu nehmen.
Wichtige Elemente der GAP-Reform
Ein zentrales Anliegen beider Verbände ist die Stärkung der Einkommenswirkungen aller GAP-Instrumente. Dabei soll es keine Rolle spielen, wie groß ein landwirtschaftlicher Betrieb ist oder welche Produktionsmethoden angewendet werden. Besonders wichtig ist den Landwirten die Beibehaltung der Zweiten Säule der GAP, die unter anderem Mittel für Umweltmaßnahmen und Unterstützung ländlicher Entwicklung umfasst.
Ablehnung von Kappung und Degression
Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich besteht eine klare Ablehnung gegenüber Kappungs- und Degressionsregelungen bei Direktzahlungen. Diese Maßnahmen werden als unpraktisch angesehen, da sie nicht auf die unterschiedlichen Strukturen in den Mitgliedstaaten Rücksicht nehmen. Eine flächendeckende Einkommensstützung soll allen aktiven Betrieben zur Verfügung stehen.
Vereinfachung und Anreize
DBV und FNSEA plädieren außerdem für eine Vereinfachung der GAP-Vorgaben. Dabei sollen insbesondere soziale Anforderungen reduziert werden. Die Verbände streben praxistaugliche Förderkriterien an, die einfach umsetzbar sind und die wirtschaftliche Tragfähigkeit nicht beeinträchtigen. Anstelle starrer Vorschriften sollen freiwillige Maßnahmen gefördert werden, wobei Landwirte durch attraktive Anreize motiviert werden sollen.
Die kommenden Monate werden entscheidend sein: Norbert Lins (CDU), Chefverhandler des Europaparlaments für die GAP-Reform, hat kürzlich seine Vorschläge präsentiert, sodass nun intensiv über die künftige Ausrichtung verhandelt wird. Es bleibt abzuwarten, wie sich die politischen Entscheidungen entwickeln und welche Positionen letzten Endes in den neuen Richtlinien Berücksichtigung finden.
