Anzeige
 

Arla und DMK fusionieren: Europas größte Molkereigenossenschaft entsteht

Die Fusion von Arla und DMK zur größten Molkereigenossenschaft Europas hat die Aufmerksamkeit vieler Akteure im Agrarsektor geweckt. Mit über 11.000 Milcherzeugern in sieben Ländern unterstreicht der neue Zusammenschluss seine Bedeutung. Die beiden Unternehmensführer, Ingo Müller und Peder Tuborgh, versprechen sich durch die Fusion erhebliche Vorteile wie eine gestärkte Position in geopolitisch unsicheren Zeiten sowie Fortschritte in der Milchprotein-Produktion.

Unterschiedliche Reaktionen auf die Fusion

Verschiedene Interessenverbände und Landwirte haben unterschiedlich auf die Fusion reagiert. Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht den Zusammenschluss positiv und erwartet, dass er zu verbesserten Vermarktungsmöglichkeiten für verarbeitete Milch führen wird. Karsten Schmal vom DBV betont, dass Arla über ein breites Produktportfolio und eine etablierte Exportinfrastruktur verfügt, was den deutschen Milcherzeugern zugutekommen könnte.

Allerdings knüpft der Bauernverband seine Zustimmung an bestimmte Bedingungen. Eine nahtlose Integration der DMK Group in die bestehenden Brancheninitiativen ist essenziell. Auch sollten Arlas Mehrwertprogramme in ein einheitliches Klimabilanzsystem integriert werden, um unnötige Bürokratie und wirtschaftliche Belastungen für die Erzeuger zu vermeiden.

Kritik an der zunehmenden Marktmacht

Dagegen äußern Organisationen wie die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL) und das MEG Milch Board Bedenken hinsichtlich der entstandenen Marktmacht. Sie kritisieren das Fehlen von Auflagen durch die Behörden und befürchten, dass genossenschaftliche Strukturen zunehmend konzernähnlich agieren könnten, ohne Rücksicht auf Mitgliederinteressen.

Frank Lenz vom MEG Milch Board hebt hervor, dass Transparenz in der Preisbildung innerhalb solcher großen Strukturen oft fehlt, da auch Tochterunternehmen involviert sind. Diese Problematik sei von den EU-Behörden nicht ausreichend berücksichtigt worden. Ottmar Ilchmann von der AbL ergänzt, dass Lieferanten kaum Möglichkeiten hätten, ihre Molkerei zu wechseln, was ihre Position schwäche.

Forderung nach mehr Transparenz und Mitspracherecht

Auch das European Milk Board (EMB) äußert sich kritisch zur Genehmigung der Fusion ohne verbindliche Auflagen. EMB-Präsident Kjartan Poulsen unterstreicht die Gefahr wachsender Intransparenz innerhalb großer Genossenschaften, wodurch die Mitsprachemöglichkeiten der Milcherzeuger weiter schwinden könnten.

Besonders problematisch sieht das EMB die Auslagerung zentraler Geschäftsbereiche in externe Strukturen, was wesentliche Entscheidungen aus dem Einflussbereich der Mitglieder herausnimmt. Das EMB fordert daher nicht nur eine vollständige Transparenz der Preisbildung gegenüber den Mitgliedern, sondern auch Anpassungen im politischen und wettbewerbsrechtlichen Rahmen.