Anzeige
 

Getreidekrise im Schwarzen Meer: Engpässe treiben Weizenpreise hoch

Die aktuellen Entwicklungen im Schwarzen Meer stellen eine erhebliche Herausforderung für den globalen Getreidemarkt dar. Die russische Region Rostow hat aufgrund der angespannten Situation in der Getreidelagerung den regionalen Notstand ausgerufen. Gleichzeitig sind bedeutende Exportterminals am Schwarzen und Asowschen Meer nach wie vor in ihrer Funktion eingeschränkt, was zu einem spürbaren Anstieg der Weizenpreise führt.

Getreidestau in Rostow und sinkende Exporte

Im August kam es zu einem deutlichen Rückgang der russischen Getreideexporte über das Schwarze Meer, was zu einem erheblichen Stau von Getreidemengen in den Hafenterminals führte. Die Region Rostow stößt dabei zunehmend an die Grenzen ihrer Lagerkapazitäten. Wie viel Getreide genau nicht abtransportiert werden kann, bleibt unklar.

Wichtige Terminals in Noworossijsk, dem größten Getreideumsschlagplatz Russlands am Schwarzen Meer, sind derzeit ebenfalls außer Betrieb. Diese Anlagen haben zusammen eine Jahreskapazität von rund 15,6 Millionen Tonnen Getreide. Laut Betreiber NKHP könnte es bis zu vier Monate dauern, bis die vollständige Betriebsbereitschaft wiederhergestellt ist.

Baltische Häfen als mögliche Ausweichroute

Infolge dieser Einschränkungen erwägen russische Exporteure alternative Routen über die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Die Erwartungen hinsichtlich des möglichen Exportvolumens über diese Länder variieren jedoch stark. Während die Russische Getreideunion optimistisch auf 5 bis 6 Millionen Tonnen im laufenden Wirtschaftsjahr hofft, schätzt SovEcon das Potenzial lediglich auf etwa 200.000 bis 400.000 Tonnen ein. Zum Vergleich: Über das Schwarze und Asowsche Meer wurden in der vergangenen Saison etwa 46,3 Millionen Tonnen exportiert.

Anhaltende Preissteigerungen bei Weizen

Die fortdauernden Angriffe auf Schiffe und Hafenanlagen im Schwarzmeerraum sorgen weltweit für Bedenken hinsichtlich möglicher Versorgungsengpässe und treiben die Weizenpreise weiter in die Höhe. Zusätzlich beeinflussen geopolitische Spannungen im Nahen Osten die Rohölmärkte, was wiederum Auswirkungen auf die Agrarmärkte hat.

In Deutschland wird die aktuelle Getreideernte nur noch auf 21,9 Millionen Tonnen geschätzt – ein Rückgang gegenüber den vorherigen Erwartungen von 22,6 Millionen Tonnen und den letztjährigen 23 Millionen Tonnen. Parallel dazu wächst die Nachfrage am Kassamarkt sowohl nach Futtergetreide als auch nach Brotweizen.