Die steigenden Preise für Düngemittel stellen die Landwirtschaft in Europa vor große Herausforderungen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, plant die EU finanzielle Unterstützung in Höhe von insgesamt 540 Millionen Euro bereitzustellen. Davon sollen rund 60 Millionen Euro nach Deutschland fließen. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) betont jedoch, dass diese Gelder gezielt eingesetzt werden müssen, um tatsächlich eine Wirkung zu erzielen.
Gezielte Maßnahmen statt Pauschallösungen
Laut Dr. Philipp Spinne vom DRV ist es entscheidend, dass die Hilfen nicht wahllos verteilt werden, sondern einen konkreten Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Er weist darauf hin, dass die Mittel als Schutz gegen Versorgungsengpässe dienen sollten und nicht nach dem Gießkannenprinzip vergeben werden dürfen. Die nationalen Regierungen haben zudem die Möglichkeit, diese Unterstützungen durch eigene Mittel zu ergänzen.
Der DRV beobachtet derzeit eine Zurückhaltung bei den Landwirten beim Kauf von Stickstoffdüngern. Diese Kaufzurückhaltung ist auf die stark gestiegenen Preise infolge internationaler Krisen zurückzuführen. Viele Landwirte hoffen auf fallende Preise und verschieben daher ihre Kaufentscheidungen, was jedoch Risiken für die Frühjahrsdüngung 2027 birgt.
Frühzeitige Planung als Schlüssel zur Versorgungssicherheit
Im Normalfall starten landwirtschaftliche Betriebe bereits im Juni des Vorjahres mit der Einlagerung von Düngemitteln für die nächste Saison. Der Verband warnt davor, dass ohne frühzeitige Bestellungen keine ausreichenden Mengen verfügbar gemacht werden können. Dies könnte zu Engpässen in Transport und Logistik führen, wenn alle Landwirte gleichzeitig kurz vor der Ausbringung bestellen.
Um dem entgegenzuwirken, schlägt der DRV ein unbürokratisches Förderinstrument vor. Statt pauschaler Zahlungen je Hektar – die nur geringe Anreize schaffen – könnte ein Zuschuss pro Kilogramm Stickstoffdünger geboten werden. Dieser Zuschuss sollte im Laufe des Jahres abnehmen, um frühe Käufe zu fördern.
Vergleich mit Frankreichs Förderpolitik
Ein Blick nach Frankreich zeigt eine andere Herangehensweise: Dort hat man bereits angekündigt, Käufern von Stickstoffdünger 50 Euro pro Tonne zu gewähren. Diese produktbezogene Förderung könnte auch für Deutschland ein Modell sein, um sicherzustellen, dass Düngemittel rechtzeitig und ausreichend zur Verfügung stehen.
Insgesamt zeigt sich der Deutsche Raiffeisenverband offen gegenüber den geplanten EU-Hilfen, fordert jedoch eine zielgerichtete Umsetzung dieser Maßnahmen. Nur so lässt sich die Versorgungssicherheit langfristig gewährleisten und den Herausforderungen durch steigende Düngemittelpreise effektiv begegnen.
