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VEZG-Preisverfall bedroht Tierwohlstandards in der Fleischwirtschaft

Die jüngste Reduktion des VEZG-Preises für Schlachtschweine hat die Diskussion über die Wirtschaftlichkeit von höheren Tierwohlstandards in Deutschland neu entfacht. Aktuell steht der Preis bei 1,60 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht, was eine Senkung um 10 Cent bedeutet. Dieser Schritt könnte weitreichende Konsequenzen für die Fleischwirtschaft und den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) haben.

Tierwohlprogramme in Gefahr?

Hans-Benno Wichert vom Landesbauernverband Baden-Württemberg äußerte auf der Frühjahrstagung der Verbindungsstelle Landwirtschaft-Industrie (VLI) Unverständnis über die Preissenkung. Er betonte, dass der LEH kürzlich umfangreiche Programme ins Leben gerufen habe, um Schweinehaltern bei Investitionen in tierwohlgerechte Ställe Sicherheit zu geben. Doch nun sehe es so aus, als ob Verbraucher weniger Fleisch aus höheren Haltungsstufen kaufen würden, was zu einem Preisrückgang führte.

Wichert befürchtet, dass Fleischwirtschaft und LEH sich möglicherweise von langfristigen Tierwohlverträgen zurückziehen könnten. Diese Verträge sollten eigentlich finanzielle Sicherheit für Betriebe bieten, die in teurere Haltungsformen investiert haben. Besonders problematisch sei zudem das Ende des Bundesprogramms zum Umbau der Tierhaltung (BUT), wodurch staatliche Zuschüsse für solche Investitionen wegfallen könnten.

Anforderungen an den Export

Laut Dr. Gereon Schulze Althoff von der Premium Food Group ist eine nachfrageorientierte Herangehensweise entscheidend. Sein Unternehmen sieht das langfristige Potenzial für Fleisch aus verbesserten Haltungsbedingungen bei lediglich 5 bis 10 Prozent des Marktes. Die aktuelle Preisentwicklung sei zudem stark durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Spanien beeinflusst, wodurch spanisches Schweinefleisch vermehrt auf den EU-Markt drängt und dort preislich konkurrenzfähig ist.

Schulze Althoff betont die Bedeutung des Exports für eine wirtschaftlich tragfähige Nutztierhaltung in Deutschland. Der philippinische Markt sei nach einer ASP-bedingten Sperre wieder geöffnet worden, während China weiterhin gesperrt bleibt. Vor 2020 hatte China deutschen Schweinefleischabsatz im Wert von rund 1 Milliarde Euro jährlich ermöglicht.

Zukunftsperspektiven und Herausforderungen

Um den wirtschaftlichen Herausforderungen zu begegnen, müsste laut Schulze Althoff das Bundeslandwirtschaftsministerium alles daran setzen, bestehende Sperren aufzuheben. Minister Alois Rainer plane Reisen nach China und Japan, um diese wichtigen Märkte wieder zugänglich zu machen. Der Nachhaltigkeitsmanager unterstrich bei der VLI-Tagung, dass nur durch effektive Drittlandsexporte die Kosten für den tierwohlgerechten Umbau gedeckt werden können.

Insgesamt zeigt sich in der Debatte um Tierwohlstandards ein komplexes Bild: Die Balance zwischen internationalen Marktbedingungen und nationalen Anforderungen stellt sowohl Politik als auch Wirtschaft vor große Aufgaben.