Kubota will Anfang 2027 einen autonom fahrenden Traktor der Baureihe M5L auf den nordamerikanischen Markt bringen. Die Maschine soll typische Arbeiten in Obst- und Nussplantagen selbstständig erledigen können. Für die Steuerung arbeitet der japanische Landmaschinenhersteller mit dem US-amerikanischen Softwareunternehmen Agtonomy zusammen. Die Entwicklung befindet sich derzeit in einer erweiterten Erprobungsphase.

Mit dem neuen Modell baut Kubota seine Aktivitäten im Bereich autonomer Landtechnik aus. Bereits zuvor hatten beide Unternehmen an selbstfahrenden Lösungen für den Schmalspurtraktor M5N gearbeitet. Nun soll die Technologie auch bei Maschinen mit niedriger Bauhöhe eingesetzt werden.
Autonomer Kubota übernimmt Pflanzenschutz und Mäharbeiten
Der M5L soll künftig mehrere Arbeitsgänge ohne ständige Bedienung durch einen Fahrer ausführen. Vorgesehen sind vor allem Pflanzenschutzmaßnahmen, das Mulchen und Mähen zwischen den Baumreihen sowie die Bodenbearbeitung unter den Bäumen.
Gerade im Obstbau fallen solche Arbeiten regelmäßig an. Die Maschinen müssen dabei zwischen Baumreihen navigieren, niedrige Äste berücksichtigen und mit wechselnden Bodenverhältnissen zurechtkommen. Für autonome Systeme ist das anspruchsvoller als die Fahrt auf großen, weitgehend hindernisfreien Ackerflächen.
Agtonomy liefert die Software für die automatisierte Steuerung. Sie soll in die vorhandene Traktorplattform integriert werden. Kubota setzt damit weiterhin auf einen dieselbetriebenen Traktor, dessen Einsatzmöglichkeiten durch zusätzliche Automatisierung erweitert werden.
Ein wichtiger Anwendungsbereich ist das sogenannte Sanitation Mowing. Dabei wird der Bewuchs unter und zwischen Obstbäumen gemäht oder gemulcht, um Pflanzenreste und potenzielle Rückzugsorte für Schädlinge zu reduzieren. Solche Pflegemaßnahmen lassen sich während der Vegetationsperiode mehrfach durchführen.
M5L mit 106 PS und niedriger Motorhaube
Technische Grundlage ist der Kubota M5L-111. Der Traktor verfügt über einen Vierzylinder-Dieselmotor mit 105,6 PS Bruttoleistung. An der Zapfwelle stehen nach Herstellerangaben 89 PS zur Verfügung. Die Maschine wird mit Allradantrieb angeboten.
Für Arbeiten unter niedrigen Baumkronen besitzt der M5L eine besonders flache Bauweise. Die Motorhaube liegt auf einer Höhe von etwa 1,68 Metern und ist nach vorne abgeschrägt. Dadurch sollen tief hängende Äste leichter über die Maschine gleiten, ohne sich an der Verkleidung zu verhaken.
Auch die übrige Konstruktion berücksichtigt den Einsatz in Plantagen. Auf der rechten Fahrzeugseite schützt eine spezielle Vorrichtung den Fahrer und wichtige Bedienelemente vor Ästen. Breite Kotflügel aus Stahl sollen Beschädigungen beim Durchfahren dichter Baumbestände vermeiden.
Trotz der niedrigen Bauhöhe bietet der M5L eine vergleichsweise hohe Hubleistung. Mit dem passenden Frontlader sind nach Herstellerangaben bis zu rund 1.810 Kilogramm Hubkraft möglich. Damit kann die Maschine neben den üblichen Pflegearbeiten auch Transport- und Verladeaufgaben übernehmen.
Kubota erweitert Zusammenarbeit mit Agtonomy
Die Kooperation zwischen Kubota und Agtonomy besteht bereits seit mehreren Jahren. Beide Unternehmen arbeiten daran, vorhandene Landmaschinen mit autonomer Steuerung auszustatten, statt vollständig neue Fahrzeugkonzepte zu entwickeln.
Bisher konzentrierte sich die Zusammenarbeit unter anderem auf den M5N, der für schmale Fahrgassen ausgelegt ist. Der M5L besitzt dagegen eine breitere, niedrigere Konstruktion und eignet sich besonders für Obst- und Nussplantagen mit ausladenden Baumkronen.
Nach Angaben von Kubota fließen Erfahrungen und Rückmeldungen landwirtschaftlicher Betriebe in die weitere Entwicklung ein. Auch das nordamerikanische Händlernetz soll bei der Einführung der autonomen Technik eine wichtige Rolle übernehmen.
Für Tim Bucher, Geschäftsführer und Mitgründer von Agtonomy, ist vor allem die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte ein Grund für die Entwicklung. Viele Pflegearbeiten müssten innerhalb enger Zeitfenster erledigt werden. Automatisierte Maschinen könnten das vorhandene Personal entlasten und wiederkehrende Tätigkeiten übernehmen.
Markteinführung für Anfang 2027 geplant
Die ersten autonomen M5L-Traktoren sollen nach derzeitiger Planung Anfang 2027 in Nordamerika verfügbar sein. Einen konkreten Verkaufspreis oder Angaben zu den zusätzlichen Kosten der Automatisierung haben die Unternehmen bislang nicht veröffentlicht.
Auch zur Flächenleistung, zur möglichen Einsatzdauer ohne Eingriff eines Bedieners und zu den konkreten Sicherheitsfunktionen liegen noch keine vollständigen Praxisdaten vor.
Für Obstbaubetriebe dürfte vor allem die Wirtschaftlichkeit ausschlaggebend sein. Regelmäßig wiederkehrende Arbeiten wie Mulchen und Pflanzenschutz bieten grundsätzlich gute Voraussetzungen für eine Automatisierung. Ob sich die Investition rechnet, hängt jedoch davon ab, wie zuverlässig der Traktor arbeitet und wie viel Arbeitszeit tatsächlich eingespart werden kann.
Zunächst konzentriert sich Kubota auf den nordamerikanischen Markt. Ob und wann der autonome M5L auch in Europa angeboten wird, ist bisher nicht bekannt.
