Die Kartoffelvorräte in Deutschland haben Anfang Mai 2026 ein Rekordniveau erreicht. Laut einer aktuellen Umfrage der Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) liegen die Bestände deutlich über denen des Vorjahres, wobei insbesondere Speisekartoffeln einen erheblichen Anstieg verzeichneten.
Steigende Lagerbestände belasten den Markt
Die Erhebungen der AMI zeigen, dass die Gesamtmenge an Kartoffeln um 59 % im Vergleich zum Vorjahr zugenommen hat. Besonders auffällig ist der Anstieg bei den Speisekartoffeln, deren Vorräte um 79 % gestiegen sind. Auch Pommes-frites-Kartoffeln verzeichnen mit einem Plus von 51 % einen deutlichen Zuwachs. Diese enormen Lagerbestände stellen die Marktakteure vor Herausforderungen, da sie zu einem anhaltenden Überangebot führen.
Regionale Unterschiede in der Lagerhaltung
In mehreren Regionen Deutschlands bleiben die Kartoffellager überdurchschnittlich gefüllt. Im Raum Hannover/Uelzen betrifft dies alle Verwertungsrichtungen, obwohl in etwa dieselbe Menge wie im Vorjahr verkauft wurde. Das größere Angebot erschwert jedoch den Absatz erheblich, insbesondere qualitativ minderwertige Chargen sind kaum marktfähig.
Ähnliche Probleme gibt es im Weser-Ems-Gebiet, wo zunehmend minderwertige Kartoffeln als Viehfutter oder für Biogasanlagen genutzt werden. Experten aus der Branche heben hervor, dass Vertragsanbau ein wichtiger Faktor ist, um das Risiko für Landwirte auf dem freien Markt zu minimieren.
Krankheitsbefall und Alternativen in der Verwertung
Baden-Württemberg meldet zwar nur einen leichten Anstieg der Bestände, doch Krankheiten wie die durch die Glasflügelzikade verursachten Schäden erhöhen den Anteil an Ausschussware. Trotz dieser optischen Mängel gibt es keine Versorgungsprobleme aufgrund einer insgesamt guten Erntequalität.
Rheinland-Pfalz sieht sich ebenfalls mit überdurchschnittlichen Lagerbeständen konfrontiert. Hier setzen vor allem Direktvermarkter auf alternative Verwertungen ihrer überschüssigen Produktion.
Spezielle Marktsituationen in Hessen und Bayern
In Hessen spielt der Anbau von Rohstoffen für Pommes frites keine Rolle. Die Speisekartoffelvorräte sind hier bereits zu mehr als 90 % abgebaut, doch reicht die verbliebene Ware voraussichtlich bis zur nächsten Ernte. Trotz zunehmender Absortierungen ist noch marktfähige Ware aus 2025 verfügbar.
Bayern berichtet von ausreichenden Mengen regionaler Speisekartoffeln trotz gestiegener Lagerbestände im Vergleich zum Vorjahr. Überschüssige Ware wird immer häufiger alternativen Verwendungszwecken zugeführt, was die genaue Einschätzung der Bestandsmengen erschwert.
Letztlich zeigt sich, dass die hohen Vorräte in vielen Regionen eine Herausforderung darstellen und alternative Verwertungslösungen notwendig machen. Die Marktbedingungen bleiben angespannt und erfordern Anpassungsstrategien seitens der Erzeuger und Händler.
