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EU-Parlament lehnt nicht nachhaltige Einstufung für Sojaöl ab

Die jüngste Entscheidung des EU-Parlaments, gegen eine Einstufung von Sojaöl aus europäischem Anbau als nicht nachhaltig zu stimmen, fällt in eine Zeit intensiver Diskussionen um die Zukunft der Eiweißversorgung in Europa. Dies geschieht parallel zur Vorstellung des neuen europäischen Proteinplans durch die EU-Kommission. Kritiker sehen hier widersprüchliche Ansätze, die die Umsetzung der Klimaziele gefährden könnten.

Widerspruch innerhalb der EU-Politik

Ehemaliger EU-Landwirtschaftskommissar Franz Fischler kritisierte den scheinbaren Widerspruch zwischen der Förderung pflanzlicher Proteine und möglichen Regelungen, die Sojaöl als nicht nachhaltig einstufen könnten. Er sieht einen Mangel an interner Koordination innerhalb der Kommission und fordert eine kohärente Politik, die den ursprünglichen Zielen gerecht wird.

Aurélie Tournon von Donau Soja betont, dass eine pauschale Einstufung von Sojaöl ohne wissenschaftliche Grundlage kontraproduktiv sei. Eine solche Regelung könnte zertifiziertes, nachhaltiges Soja aus Europa mit importierten Produkten gleichsetzen und somit die Wertschöpfungsketten schwächen.

Potenzial und Herausforderungen des europäischen Sojaanbaus

Matthias Krön, Präsident von Donau Soja, hebt hervor, dass der europäische Sojaanbau für die Versorgungssicherheit entscheidend ist. Neben der Lebensmittelproduktion spiele auch die Reduzierung von Düngemittelimporten eine Rolle. Er sieht großes Potenzial insbesondere in Deutschland und Österreich, wo bereits jetzt erhebliche Anbauflächen für Sojabohnen existieren.

Gleichzeitig plädiert er für eine verbesserte Fruchtfolge als effektive Maßnahme zur Stärkung des Anbaus. Eine diversifizierte Fruchtfolge könne sowohl die Bodenqualität als auch die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft insgesamt verbessern.

Notwendigkeit einer umfassenden Strategie

Trotz bestehender Pläne fehlt es laut Fischler an einer echten Strategie mit klar definierten Zielen und Mitteln. Die bisherige Selbstversorgungsquote von 8 Prozent seit 2018 zeigt aus seiner Sicht den begrenzten Erfolg früherer Maßnahmen.

Krön und Tournon fordern daher eine ganzheitliche Strategie, die alle Aspekte der Landwirtschaft berücksichtigt und nicht nur einzelne Rohstoffe auf dem Weltmarkt im Blick hat. Nur so könne Europa seine Abhängigkeit reduzieren und gleichzeitig nachhaltige Praktiken fördern.

Forderungen an die EU-Kommission

Die Kommission steht unter Druck, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um interne Widersprüche zu beseitigen. Fischler drängt darauf, dass die Kommission ihre Koordination verbessert und als Einheit agiert. Krön fordert zudem ein regionales Denken bei der Umsetzung des Proteinplans.

Abschließend unterstreicht Tournon die Bedeutung einer kohärenten Politik mit einem klaren Budgetrahmen. Die EU müsse jetzt handeln, um sicherzustellen, dass ILUC-Regelungen und der neue Proteinplan sich nicht gegenseitig behindern.