Die Diskussion um die zukünftige Ausgestaltung der EU-Nitratrichtlinie nimmt an Fahrt auf. Vor Kurzem fand in Brüssel eine Veranstaltung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) statt, bei der die Erhöhung der Grenzwerte für Stickstoffdüngung durch Gärreste kontrovers diskutiert wurde. Experten wie Prof. Friedhelm Taube und Vertreter der Wasserwirtschaft warnen eindringlich vor einer solchen Änderung.
EU-Kommission erwägt Änderungsvorschläge
Die Europäische Kommission plant, die Nitratrichtlinie zu überarbeiten, ein Vorhaben, das bereits von EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall angekündigt wurde. Ein zentraler Punkt dieser Überlegungen ist die mögliche Anhebung der zulässigen Stickstoffmenge von 170 Kilogramm pro Hektar und Jahr bei der Nutzung von Gärresten als Dünger. Die Einzelheiten zu einem konkreten Änderungsvorschlag stehen noch aus, könnten jedoch schon im Juli präsentiert werden.
Wasserschutz und Landwirte im Fokus
Ion Codescu von der Generaldirektion für Umwelt betonte den Wert der bestehenden Nitratrichtlinie für den Schutz des Wassers. Er sieht die Notwendigkeit, dass diese Richtlinie auch unter Landwirten Akzeptanz findet, insbesondere angesichts steigender Preise für mineralische Düngemittel. Die Verwendung von organischen Alternativen wie Gärresten könne hier einen sinnvollen Ersatz darstellen.
Kritik an möglichen Emissionsverlagerungen
Prof. Taube von der Universität Kiel äußerte Bedenken über die tatsächliche Umweltentlastung durch den Ersatz von Kunstdünger mit Gärresten oder Gülle. Er sieht darin vielmehr eine Verlagerung des Problems, da viele Futtermittel weiterhin auf Basis von importierten Kunstdüngern produziert würden, wie es etwa beim Soja aus Südamerika der Fall ist. Seiner Meinung nach sollte die Kommission stärker auf eine umfassende Hoftorbilanzierung drängen.
Finanzielle Förderung nachhaltiger Betriebe gefordert
Laut Prof. Taube haben gewässerschonend wirtschaftende Betriebe derzeit das Nachsehen. Er plädiert dafür, dass die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) verstärkt nachhaltige Wirtschaftsweisen finanziell unterstützt, anstatt pauschale Direktzahlungen zu leisten.
Kostenfrage: Verantwortung bei Verursachern?
Oliver Loebel, Generalsekretär des europäischen Dachverbands EurEau, kritisierte, dass mehrere Mitgliedsländer, darunter Deutschland und andere europäische Staaten wie Spanien und Italien, regelmäßig die Grenzwerte überschreiten würden. Anstatt die Richtlinie zu lockern, plädiert er für mehr politischen Druck aus Brüssel. Es sei zudem unfair, dass letztendlich die Allgemeinheit für erhöhte Kosten in der Wasseraufbereitung aufkommen müsse.
