Das Europäische Parlament hat kürzlich einen entscheidenden Beschluss gefasst, der die Zukunft des Sojaanbaus in Europa maßgeblich beeinflusst. Mit 388 Stimmen wurde der Vorschlag der EU-Kommission abgelehnt, Soja als Rohstoff mit hohem Risiko für indirekte Landnutzungsänderungen (iLUC) einzustufen. Diese Entscheidung bringt Erleichterung für die europäische Sojaproduktion und die Ölmühlenindustrie, da der ursprüngliche Plan den Anbau von Sojabohnen wirtschaftlich erschwert hätte.
Widersprüchlichkeit in der EU-Strategie
Die Ablehnung des Vorschlags fällt in eine Zeit, in der die EU-Kommission ihre Eiweißstrategie vorgestellt hat, welche darauf abzielt, Europas Unabhängigkeit von Eiweißfuttermittelimporten zu erhöhen. Der Plan sieht vor, den Anbau von Eiweißpflanzen ab 2028 durch gekoppelte Prämien zu fördern. Dies führt zu Kritik seitens einiger Abgeordneter, die bemängeln, dass die Kommission einerseits den europäischen Proteinplan ankündigt und andererseits den heimischen Sojaanbau schwächen will.
Die EU-Kommission hatte argumentiert, dass wissenschaftliche Studien einen Zusammenhang zwischen dem Ausbau des Sojaanbaus und Entwaldung insbesondere in Südamerika aufzeigen. Daher sollte Soja im iLUC-Delegierten Rechtsakt ab 2030 als Risikorohstoff eingestuft werden. Doch das Parlament forderte eine Überprüfung dieser wissenschaftlichen Methodik.
Auswirkungen auf die Produktion
Der ursprüngliche Kommissionsvorschlag hätte nicht nur Auswirkungen auf Südamerika gehabt, sondern auch auf europäische Produzenten. Besonders Deutschland und Österreich wären betroffen gewesen, denn ein erheblicher Teil des europäischen Sojaöls fließt in die Biokraftstoffproduktion. Laut Donau-Soja könnten bis zu 80 % des europäischen Sojaöls betroffen sein. Ein Wegfall dieses Absatzmarktes hätte die gesamte Produktionskette unter Druck gesetzt.
Bedeutende Anbauflächen in Bayern und Österreich
In Deutschland betrug die Anbaufläche für Sojabohnen im Jahr 2025 rund 43.300 Hektar mit einem steigenden Trend. Bayern ist hier führend mit einem Anteil von über 56 % an der nationalen Produktion. Auch Österreich hat sich als bedeutender Erzeuger etabliert und rangiert hinter Italien und Frankreich an dritter Stelle innerhalb der EU. Im Jahr 2025 ernteten österreichische Bauern auf etwa 86.000 Hektar rund 272.000 Tonnen Sojabohnen.
Die Ablehnung durch das Parlament stellt somit eine wichtige Unterstützung für diese Regionen dar und sichert einen wesentlichen Produktionszweig innerhalb Europas ab.
