Am europäischen Getreidemarkt stehen aktuell drei wesentliche Themen im Fokus: die anhaltende Dürre in Europa, die geopolitische Lage im Schwarzen Meer sowie die Entwicklungen in der Straße von Hormus. Diese Faktoren beeinflussen maßgeblich den Handel und die Preisbildung.
Spannungen im Schwarzen Meer und deren Auswirkungen
Die fortdauernden Konflikte zwischen Russland und der Ukraine haben zu erheblichen logistischen Problemen geführt, die insbesondere den Transport von Getreide betreffen. Marktbeobachter berichten, dass neue Angriffe in der Region wenig Hoffnung auf eine baldige Entspannung bieten. Dies führt dazu, dass sich Händler und Regierungen verstärkt um alternative Handelswege bemühen. Laut Kreml sollen rund 122 Millionen US-Dollar für den Bahntransport landwirtschaftlicher Produkte bereitgestellt werden. Gleichzeitig hat die ukrainische Regierung Verhandlungen mit Moldawien aufgenommen, um Exportmöglichkeiten über dessen Territorium zu prüfen.
Der ukrainische Landwirtschaftsminister schätzt die diesjährigen Getreideexporte auf 38 bis 40 Millionen Tonnen, was unter den ursprünglich erwarteten 43 Millionen Tonnen liegt. Angesichts der täglichen Angriffe auf Infrastruktur bleibt jedoch ungewiss, ob diese Ziele erreicht werden können.
Dürre in Europa beeinträchtigt Anbau
Nicht nur geopolitische Spannungen belasten den Getreidemarkt; auch das Wetter spielt eine entscheidende Rolle. In Frankreich sind die Anbaubedingungen aufgrund der Dürre problematisch, was sich negativ auf die Qualität der Ernte auswirkt. Der Anteil an Maisbeständen, die als „gut bis ausgezeichnet“ bewertet werden, ist auf 31 % gesunken, was einen Rückgang der Maisproduktion um 35 % auf neun Millionen Tonnen zur Folge haben könnte.
Anpassungen bei Weizen- und Maispreisen
Trotz dieser Herausforderungen sind die Weizenpreise in Europa zu Beginn der Woche gefallen. Analysten führen dies unter anderem auf das Fehlen zahlreicher Marktteilnehmer sowie auf den Preisverfall des russischen Weizens zurück, dessen Notierungen bei etwa 222 USD/t (FOB Noworossijsk) liegen. Dies ist ein Versuch, die gestiegenen Kosten für Fracht und Versicherung auszugleichen.
An der Euronext sanken am Montag die Weizenpreise für Dezember 2026 um 1,25 €/t auf 230,25 €/t, während der Septemberkontrakt um 5,25 €/t auf 217,75 €/t fiel. Im Gegensatz dazu stieg der Maispreis für November 2026 um 1,0 €/t, was den Kurs über die Marke von 250 Euro je Tonne trieb.
Anhaltende Stärke bei Raps und Canola
Trotz geopolitischer Unsicherheiten zeigt sich europäischer Raps widerstandsfähig und stieg für den Novembertermin um 5,50 Euro, während auch Canola in Winnipeg nahe an die psychologisch wichtige Marke von 800 CAD/t heranrückt.
Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Der globale Getreidemarkt steht vor enormen Herausforderungen durch geopolitische Spannungen und widrige Wetterbedingungen. Wie sich diese Faktoren langfristig auf Angebot und Preise auswirken werden, bleibt abzuwarten.
