Die Europäische Union und Kanada streben eine engere Handelsbeziehung an, die möglicherweise in der Aufnahme Kanadas als assoziiertes Mitglied der EU gipfelt. Diese Absichtserklärung wurde kürzlich von der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und dem kanadischen Premierminister Mark Carney deutlich gemacht. Die Auswirkungen auf den Agrarhandel sind dabei besonders interessant, da Kanada bereits ein bedeutender Handelspartner für die EU ist.
EU-Importe aus Kanada: Getreide im Fokus
Im Jahr 2025 importierte die EU Agrar- und Lebensmittelprodukte im Wert von fast 4,4 Milliarden Euro aus Kanada. Ein Großteil dieser Importe entfällt auf Getreide, Ölsaaten und Eiweißpflanzen. Konkret handelt es sich um 5 Millionen Tonnen Getreide und etwa 3,4 Millionen Tonnen Ölsaaten und Eiweißpflanzen, darunter rund 1,6 Millionen Tonnen Raps. Das seit 2017 vorläufig in Kraft befindliche CETA-Abkommen hat den Agrarhandel zwischen beiden Märkten liberalisiert, obwohl einige EU-Staaten wie Frankreich und Polen das Abkommen noch nicht vollständig ratifiziert haben.
EU-Exporte: Verarbeitete Produkte dominieren
Die EU exportiert vor allem verarbeitete Agrarprodukte wie Wein, Süßwaren, Schokolade sowie Getreide- und Milchprodukte nach Kanada. Der Gesamtwert dieser Exporte beträgt rund 5,1 Milliarden Euro, was der EU eine positive Handelsbilanz im Agrarsektor beschert. Laut Angaben der EU-Kommission stiegen die Exporte in den letzten Jahren um durchschnittlich 5,5 % jährlich, während die Importe aus Kanada um 8,4 % zunahmen.
Mögliche Chancen für europäische Hersteller
Trotz intensiver Handelsbeziehungen blieb das Thema Landwirtschaft in den jüngsten Gesprächen unerwähnt. Dies könnte darauf hindeuten, dass beide Seiten diesen Sektor aus Verhandlungen ausklammern wollen. Allerdings könnten hohe kanadische Gegenzölle auf amerikanische Produkte wie Wein und Bier europäischen Herstellern neue Marktchancen eröffnen. Der Import solcher Getränke aus den USA soll zeitweise um etwa 81 % zurückgegangen sein.
Zukunftsperspektiven ohne GAP-Beteiligung
Klar ist jedoch, dass eine Integration Kanadas in die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU derzeit nicht zur Debatte steht. Premierminister Carney hat einen Beitritt Kanadas zur EU ausdrücklich ausgeschlossen. Ob Themen wie phytosanitäre Standards oder Lebensmittelsicherheit in zukünftigen Gesprächen behandelt werden, bleibt abzuwarten.
Letztendlich zeigt die geplante Intensivierung der Handelsbeziehungen zwischen der EU und Kanada sowohl Potenziale als auch Herausforderungen für den Agrarsektor auf beiden Seiten des Atlantiks auf.
