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Australiens Rindfleischexporte nach China stagnieren trotz voller Lager

Australische Rindfleischexporte nach China stehen vor einer erheblichen Herausforderung, da seit einem Monat ein hoher Zoll von 55 % auf diese Produkte erhoben wird. Trotz dieser Belastung blieben die Rindfleischpreise in China nahezu stabil, da das Land über umfangreiche Lagerbestände verfügt. Laut der Organisation Meat and Livestock Australia (MLA) hat China seine Vorräte an brasilianischem und australischem Rindfleisch erheblich aufgestockt.

Strategische Lagerhaltung Chinas

Murray Davis von MLA erläuterte, dass bereits etwa 500.000 Tonnen brasilianisches Rindfleisch in chinesischen Lagern seien, zusätzlich zu den 200.000 Tonnen aus Australien, die dieses Jahr exportiert wurden. Diese Mengen könnten nicht vollständig verbraucht worden sein und fließen vermutlich in Chinas strategische Reserven ein.

China ist bekannt für seine Fähigkeit, umfangreiche staatliche Lagerkapazitäten aufzubauen, um die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln und tierischen Produkten zu gewährleisten. Davis prognostiziert, dass gefrorenes Rindfleisch aus Australien und Brasilien im Laufe des Jahres schrittweise freigegeben wird, um eine kontinuierliche Marktversorgung sicherzustellen.

Neue Märkte für australisches Rindfleisch

Die aktuelle Situation zwingt australische Exporteure, alternative Absatzmärkte für etwa 100.000 Tonnen Rindfleisch zu finden. Davis geht davon aus, dass Länder wie die USA, Japan, Korea und die Philippinen Teile dieser Menge aufnehmen könnten. Jedoch droht auch hier Ungemach: In Südkorea könnte bald ein Zoll von 24 % fällig werden, da die Exportquote von 196.000 Tonnen bald erreicht sein dürfte.

Brasilien steht ebenfalls vor ähnlichen Herausforderungen: Die Quote von 1,1 Millionen Tonnen für den Export nach China scheint bald ausgeschöpft zu sein, was einen Zoll von 67 % nach sich ziehen würde.

Lagerbestände für das kommende Jahr

Simon Quilty von Global Agritrends berichtet über den aktuellen Stand der chinesischen Lagerbestände an importiertem Rindfleisch. Diese befinden sich auf einem Niveau ähnlich dem während der COVID-Pandemie. Die Vorräte sollen nach und nach freigegeben werden und somit den Markt nicht belasten.

Quilty hebt hervor, dass China weiterhin für das kommende Jahr einkauft und erwartet wird, dass im September Lieferungen aus Brasilien und Australien wieder aufgenommen werden könnten. Besonders gefragt sind Mastbullen ohne Hormonbehandlung (HGP-frei), die aktuell einen Preisaufschlag erzielen.

Zukunftsperspektiven für Exporteure

Davis bestätigt, dass bereits jetzt große Mengen Rindfleisch für das nächste Jahr vertraglich gebunden sind. Er erklärt zwei Strategien: Einige Händler lagern ihre Ware zollfrei in China ein und hoffen auf einen niedrigeren Zollsatz im nächsten Jahr; andere belassen ihre Bestände in Australien und planen eine Verschiffung gegen Jahresende.

Zudem besteht das Risiko, dass Australien seine Exportquote im nächsten Jahr früher als bislang ausgeschöpft haben könnte. Dies könnte schon im April oder Mai der Fall sein.

Nationale Produktion gewinnt an Bedeutung

Chinas Einführung von Quoten zum Schutz der heimischen Landwirtschaft zeigt Wirkung. Davis beobachtet eine verstärkte Präsenz heimischer Produkte in Supermärkten und erwartet langfristig eine Verschiebung zugunsten lokaler Erzeugnisse. Dennoch bleibt Platz für australisches Fleisch auf dem chinesischen Markt bestehen.

Laut Davis werden einige Unternehmen weiterhin gekühltes australisches Rindfleisch exportieren – trotz des hohen Zolls –, indem sie die Kosten zwischen verschiedenen Handelspartnern aufteilen. Die zukünftige Entwicklung dieser Handelsbeziehungen bleibt abzuwarten.