Eine aktuelle Untersuchung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) beleuchtet das Potenzial alternativer Proteinquellen in der Landwirtschaft. Dabei zeigt sich, dass 40 % der 689 befragten Betriebe den Anbau von Pflanzen, die als Rohstoff für Fleisch- und Milchersatzprodukte dienen, als grundsätzlich attraktiv einschätzen. Dennoch äußern lediglich 19 % dieser Betriebe, dass dieser Anbau auch ein rentables Einkommen sichern könne.
Anbau von Eiweißpflanzen: Vor- und Nachteile
Der Studie zufolge haben etwa ein Drittel der Betriebe bereits Erbsen und Ackerbohnen angebaut. Sojabohnen sind bei 17 %, Lupinen bei 14 % der Landwirte im Anbauportfolio vertreten. Kichererbsen und Linsen hingegen finden mit 2 % bzw. 3 % kaum Beachtung.
Trotz des steigenden Interesses an Fleisch- und Milchersatzprodukten befindet sich der Markt noch in einer Übergangsphase. Landwirte sehen zwar Chancen im Anbau von Eiweißpflanzen, dennoch bleibt eine wirtschaftliche Unsicherheit bestehen, die den Ausbau hemmt.
Ökologische Vorteile als Wachstumsfaktor
Ein wesentlicher Vorteil des Anbaus von Leguminosen ist deren Fähigkeit, die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern und den Bedarf an Stickstoffdüngern zu reduzieren. Diese agrarökologischen Vorteile tragen zur politischen Förderung bei und bieten ein langfristiges Marktpotenzial.
Trotz dieser Vorteile bleibt die Proteinquelle für Verbraucher oft zweitrangig; Geschmack, Preis und Qualität dominieren weiterhin die Kaufentscheidungen. Ersatzprodukte werden zwar mit Umwelt- und Tierwohlvorteilen assoziiert, schneiden jedoch geschmacklich schlechter ab als tierische Produkte.
Gesellschaftliche Akzeptanz und Herausforderungen
Zwar wächst die gesellschaftliche Akzeptanz für Ersatzprodukte, dennoch bleibt sie ambivalent. Etwa die Hälfte der Verbraucher bewertet diese Produkte positiv, während ein signifikanter Teil skeptisch bleibt oder kein Interesse zeigt.
Sowohl Fleisch- als auch Milchersatzprodukte stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Während sie aus nachhaltiger Sicht punkten können, gelten traditionelle tierische Produkte oft als geschmacklich überlegen. Der größte Engpass liegt in der Abstimmung entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Anbau über Verarbeitung bis hin zum Konsum.
Zukunftsperspektiven für den Anbau von Eiweißpflanzen
Laut DLG-Studie könnten neue Vermarktungsmodelle wie Vertragsanbau mit Unternehmen der Ernährungsindustrie den Anbau von Eiweißpflanzen stärken. Auch Kooperationen zwischen landwirtschaftlichen Betrieben könnten dazu beitragen, Produktion und Vermarktung effizienter zu organisieren. Eine Mehrheit der Befragten gibt an, dass mehr Vertragsanbau-Angebote dazu führen würden, dass vermehrt Pflanzen wie Soja, Lupinen oder Erbsen angebaut werden.
