Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) musste seine Ertragsschätzungen für die Maisernte 2026 nachträglich korrigieren. Ein Berechnungsfehler hatte die September-Prognosen für Kansas und Nebraska verfälscht. Auch die landesweiten Ertragserwartungen waren betroffen. US-Maiserzeuger kritisieren die fehlerhaften Zahlen und den Preisverfall am Getreidemarkt.
Am 23. Oktober 2026 veröffentlichte die US-Agrarstatistikbehörde NASS eine Korrektur ihres September-Berichts zur Maisproduktion. Vorausgegangen waren Zweifel an den Ertragsschätzungen, nachdem das USDA am 9. Oktober seine aktuelle Prognose veröffentlicht hatte.
Die anschließende Überprüfung ergab, dass bei der statistischen Verarbeitung von Ertragsdaten aus Kansas und Nebraska fehlerhafte Flächengewichtungen verwendet worden waren. Dadurch wurden Beobachtungen von bewässerten und unbewässerten Maisflächen nicht korrekt zusammengeführt.
Der Fehler beeinflusste sowohl die regionalen Ertragsschätzungen als auch die landesweite Prognose der US-Maisernte.
Maiserträge in Kansas und Nebraska nachträglich korrigiert
Besonders deutlich fiel die Korrektur in Nebraska aus. Dort erhöhte das USDA den für September geschätzten durchschnittlichen Maisertrag von 11,11 auf 11,42 Tonnen je Hektar. Das entspricht einer Anhebung um rund 310 Kilogramm je Hektar.
In Kansas musste die Behörde ihre bisherige Einschätzung dagegen nach unten korrigieren. Statt der ursprünglich prognostizierten 7,59 Tonnen je Hektar liegt der korrigierte Ertrag bei rund 7,47 Tonnen.
Auch die landesweite Ertragserwartung veränderte sich. Der durchschnittliche US-Maisertrag wurde für den September-Bericht von 11,20 auf 11,22 Tonnen je Hektar angehoben.
Nach Angaben von NASS betraf der Berechnungsfehler neben den Ertragsprognosen auch die statistischen Angaben zu Pflanzenbeständen und Kolbenzahlen. Zudem mussten Durchschnittswerte aus zehn wichtigen Maisanbaustaaten berichtigt werden.
USDA hält an hoher Ernteprognose für Oktober fest
Entdeckt wurde der Fehler erst nach der Veröffentlichung des Oktober-Berichts. Darin hatte das USDA seine Erwartungen für die Maisernte in Nebraska deutlich erhöht. Die ungewöhnlichen Veränderungen sorgten bei Landwirten und Marktbeobachtern für Zweifel an der Datenqualität.
Eine anschließende interne Prüfung bestätigte schließlich den Verarbeitungsfehler im September-Bericht.
Die Oktober-Prognose bleibt davon allerdings unberührt. Nach einer erneuten Überprüfung bestätigte NASS die veröffentlichten Ertrags- und Produktionszahlen.
Für die USA rechnet das Landwirtschaftsministerium weiterhin mit einem durchschnittlichen Maisertrag von rund 11,37 Tonnen je Hektar. Damit hält die Behörde an ihrer hohen Ertragserwartung für die laufende Ernte fest.
Maispreise in Chicago geraten unter Druck
Die Veröffentlichung der USDA-Ernteprognosen hatte bereits zuvor deutliche Bewegungen am Terminmarkt ausgelöst. Nach dem Oktober-Bericht gaben die Maiskontrakte an der Chicagoer Börse spürbar nach.
Besonders die hohen Ertragserwartungen belasteten die Kurse. Der Dezember-Kontrakt verlor unmittelbar nach Veröffentlichung der Oktober-Zahlen mehr als 20 US-Cent je Bushel.
Wie groß der zusätzliche Preiseffekt des später aufgedeckten Statistikfehlers tatsächlich war, lässt sich daraus allerdings nicht eindeutig ableiten. Die korrigierte September-Prognose erhöhte die nationale Ertragserwartung nur geringfügig. Zudem bestätigte das USDA sämtliche Oktober-Zahlen.
Für die amerikanischen Maiserzeuger trifft der Preisrückgang auf eine ohnehin angespannte wirtschaftliche Situation. Hohe Betriebsmittelkosten und niedrige Erlöse belasten die Rentabilität vieler Betriebe.
US-Maiserzeuger kritisieren USDA scharf
Der amerikanische Maiserzeugerverband National Corn Growers Association (NCGA) reagierte mit deutlicher Kritik auf die nachträgliche Korrektur.
Verbandspräsident Matt Frostic erklärte, die jüngsten USDA-Berichte hätten die amerikanischen Maiserzeuger Milliarden Dollar an Marktwert gekostet. Besonders problematisch sei dies angesichts geringer Gewinnspannen und hoher Kosten für Kraftstoff und andere Betriebsmittel.
Frostic kritisierte außerdem, dass der Fehler das Vertrauen der Landwirte in die statistischen Veröffentlichungen des USDA weiter beschädige. Die Behörde müsse ihre internen Prozesse überprüfen und Maßnahmen ergreifen, um vergleichbare Fehler künftig zu verhindern.
Der Verband erwartet nun Aufklärung darüber, wie es zu den falschen Ertragsschätzungen kommen konnte und welche Konsequenzen NASS daraus zieht.
USDA kündigt strengere Kontrollen bei Ernteprognosen an
Die Statistikbehörde hat bereits zusätzliche Kontrollmaßnahmen angekündigt. Künftig sollen die bei der Ertragsberechnung verwendeten Flächengewichtungen vor der Veröffentlichung genauer überprüft werden.
Auch die Plausibilitätskontrollen der statistischen Ertragsberechnungen sollen verbessert werden.
Für die internationalen Getreidemärkte sind die USDA-Berichte eine wichtige Orientierung bei der Einschätzung von Erntemengen und verfügbaren Getreidebeständen. Änderungen der Produktionsprognosen können deshalb erhebliche Auswirkungen auf die Terminmärkte haben.
Die nachträgliche Korrektur zeigt, wie wichtig eine verlässliche Datengrundlage für die Preisbildung im weltweiten Maishandel ist.
Quellen
- USDA/NASS – Korrektur der Maiserntedaten vom 23. Oktober 2026
- National Corn Growers Association – Stellungnahme zur USDA-Korrektur
