In Dänemark hat ein Bürgerrat Empfehlungen für eine Neuausrichtung der Schweinehaltung vorgelegt, die weitreichende Konsequenzen für konventionelle Betriebe haben könnten. Sollten die jetzigen Bedingungen unverändert bleiben, plädiert das Gremium sogar für das Ende herkömmlicher Produktionsmethoden.
Wendepunkt in der Schweinehaltung
Seit dem Schweinegipfel 2014 arbeitet Dänemark an umfassenden Reformen in der Schweinebranche. Das Landwirtschaftsministerium hat zusammen mit Handel und Tierschutzorganisationen ehrgeizige Ziele gesetzt, darunter die Verbesserung der Überlebensraten von Ferkeln und die Einführung alternativer Methoden zur Kastration. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der unfixierten Haltung von Sauen und der Produktion von Schweinen mit unkupierten Schwänzen.
Die aktuelle dänische Regierung hat kürzlich strengere Tierschutzauflagen eingeführt, die eine Herausforderung für viele Sauenbetriebe darstellen könnten. In diesem Kontext hat nun ein per Losverfahren ausgewählter Bürgerrat, bestehend aus 36 Bürgern, seine Vorschläge präsentiert.
Bürgerrat setzt auf Verbraucherperspektive
Der Bürgerrat wurde im Rahmen des ersten nationalen Tierschutzabkommens eingesetzt, das 2024 von neun Parteien beschlossen wurde. Ziel ist es, die Sichtweise der Verbraucher in die Debatte einzubringen. Die Empfehlungen umfassen unter anderem kleinere Tierbestände, einen Stopp des Exports lebender Schweine sowie mehr Platz pro Tier im Stall.
Besonders gravierend ist die Forderung des Gremiums nach einem Ende der konventionellen Schweineproduktion, sollte es keine Verbesserungen geben. Dies würde eine Reduzierung um 95 % der Bestände bedeuten.
Wirtschaftliche Folgen und Herausforderungen
Laut H.C. Gæmelke vom Fachverband L&F sind einige Empfehlungen des Bürgerrats begrüßenswert, doch sie müssen auch wirtschaftlich tragbar sein. Steigende Produktionskosten könnten zu höheren Fleischpreisen führen und somit dänisches Fleisch durch günstigere Importe ersetzen.
Trotz dieser Herausforderungen betont Gæmelke bereits erreichte Fortschritte: Die Überlebensrate der Ferkel sei so hoch wie seit 25 Jahren nicht mehr und mehr Schweine würden ohne kupierte Schwänze aufgezogen. Zudem würden alle neuen Abferkelbuchten den Sauen freie Bewegung ermöglichen.
Zukunftspläne und politische Abstimmung
Die nationale Veterinär- und Lebensmittelbehörde sowie der Tierethikrat prüfen derzeit die Vorschläge des Bürgerrats. Diese sollen in zukünftige Verhandlungen innerhalb einer Vierparteien-Runde integriert werden, gemeinsam mit Plänen der Regierung zur Umstrukturierung der Schweinehaltung.
Gæmelke weist jedoch darauf hin, dass bisher keine Einladung zur Teilnahme an diesen Gesprächen erfolgt ist und ein konkreter Zeitplan seitens der Politik noch aussteht.
