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Russlands Weizenernte sinkt erneut: Logistischer Schock im Asowschen Meer

Die russische Weizenernte steht vor einer weiteren Herausforderung, da Analysten ihre Prognosen erneut gesenkt haben. Das Moskauer Forschungszentrum Sovecon revidierte seine Schätzung auf nunmehr 88,3 Millionen Tonnen, nachdem bereits im Juni eine Anpassung von 90,3 auf 88,9 Millionen Tonnen vorgenommen wurde. Der Rückgang wird auf eine kleinere als erwartete Sommerweizenfläche und schwächere Erträge zurückgeführt. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag die Ernte bei etwa 91 Millionen Tonnen.

Eingeschränkte Exporte und deren Folgen

Neben der geringeren Ernte wird auch ein Rückgang der Exporte erwartet. Für das Wirtschaftsjahr 2026/27 senkte Sovecon die Exportprognose um 1,9 auf 44,6 Millionen Tonnen. Ein weiterer Faktor ist die schwache Nachfrage aus Ländern wie Ägypten und der Türkei, die aufgrund eigener hoher Ernteerwartungen weniger importieren könnten. Die Gerstenausfuhr wird nun bei 3,2 Millionen Tonnen und die Maisexporte bei 3,6 Millionen Tonnen gesehen. Insgesamt wird ein Gesamtvolumen für Getreide- und Hülsenfruchtexporte von 53,8 Millionen Tonnen erwartet – zuvor waren es noch 56,1 Millionen Tonnen.

Logistische Probleme im Asowschen Meer

Ein zusätzlicher Engpass entsteht durch die eingeschränkte Schifffahrt im Asowschen Meer. Nach ukrainischen Drohnenangriffen auf russische Schiffe im Juli wurde der zivile Verkehr stark reduziert. Laut ukrainischen Quellen wurden über 100 Schiffe innerhalb weniger Tage angegriffen. Sovecon bezeichnet diese Situation als „logistischen Schock“. Auch Angriffe auf Routen durch das Kaspische Meer in Richtung Iran wurden gemeldet.

Eine rasche Normalisierung der Lage erscheint unwahrscheinlich. Sollte der Seeweg weiterhin blockiert bleiben, könnte dies zu einem Überangebot an Getreide im Inland führen und den Druck auf den heimischen Markt erhöhen. Gleichzeitig könnten sich die Weltmarktpreise stabilisieren oder sogar steigen. Eine Wiedereröffnung des Seewegs könnte hingegen eine Erholung des Exportgeschäfts bewirken, da niedrige Inlandspreise attraktive Margen für Händler bedeuten würden. Allerdings sind die Kosten für Fracht und Versicherung gestiegen.

Sinkende Inlandspreise

Laut der Plattform Agroinvestor sinken die Inlandspreise derzeit rapide. Zwar ist ein Preisverfall zu Beginn der Erntezeit nicht ungewöhnlich, jedoch trifft er aktuell auf eine schwache Nachfrage seitens der Exporteure. Es herrscht ein Überangebot an Getreide bei gleichzeitigem Mangel an Käufern. Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich von einer möglichen Entspannung in der Schifffahrt ab.