Die Hitzewelle im Juni hat in Europa erhebliche Auswirkungen auf die Landwirtschaft gehabt. Besonders betroffen sind einige der wichtigsten Erzeugerländer, darunter Deutschland. Die Prognosen deuten darauf hin, dass die diesjährige Getreideernte geringer ausfallen wird als ursprünglich angenommen. Gleichzeitig verzeichnen die Getreidepreise jedoch einen Anstieg, was den Landwirten eine gewisse Entlastung bietet.
Weniger Ernteertrag in Europa
Der Branchenverband Coceral hat seine Erwartungen für die Getreideproduktion in der EU-27 nach unten korrigiert. Laut dem Juli-Bericht wird nun mit einer Erzeugung von 265,9 Millionen Tonnen gerechnet. Dies entspricht einem Rückgang von 8,3 % im Vergleich zum Vorjahr, als noch über 290 Millionen Tonnen eingefahren wurden. Besonders Frankreich ist stark betroffen, da dort die Rekordhitze zu den niedrigsten Erträgen seit mehr als drei Jahrzehnten führen könnte. Auch Ungarn kämpft mit den Folgen von Trockenheit und Hitze und musste seine Ernteerwartungen deutlich reduzieren.
In Deutschland prognostiziert der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) für 2026 eine Getreideernte von nur noch 42,7 Millionen Tonnen, was einem Rückgang von 5,6 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Insbesondere bei Winterweizen und Sommergerste werden erhebliche Einbußen erwartet. Die Winterweizenproduktion könnte um 11,7 % auf etwa 19,9 Millionen Tonnen sinken. Für Sommergerste wird sogar ein Rückgang von nahezu 20 % auf 1,46 Millionen Tonnen prognostiziert.
Versorgungslage bleibt stabil
Trotz dieser Herausforderungen bleiben die Ernteerwartungen in Deutschland im langjährigen Mittel. Die EU-Kommission hatte Ende Juni eine Gesamternte von rund 273,7 Millionen Tonnen prognostiziert, was zwar unter dem Vorjahresniveau liegt, aber dem Fünfjahresdurchschnitt von 274,8 Millionen Tonnen nahekommt. Marktbeobachter betonen daher eine stabile Versorgungslage in Europa trotz leicht rückläufiger globaler Endbestände.
Anstieg der Getreidepreise
Die schwierige Angebotslage hat jedoch auch positive Aspekte für Landwirte: Die Getreidepreise steigen wieder an. Im Juli legte der Weizenpreis an der Pariser Börse merklich zu und gibt Hoffnung auf bessere Erlöse für die Bauern. Diese Preisentwicklung könnte helfen, einige der durch die Hitze verursachten finanziellen Verluste auszugleichen.
