Die Getreideernte in Deutschland nimmt Fahrt auf, während sich die Landwirte auf die Herausforderungen der Saison 2026 einstellen. Nach einem Frühling mit wenig Niederschlag und einem regenreichen Beginn des Junis, reifen die Bestände nun unter hohen Temperaturen heran. In Westfalen-Lippe vermeldet der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) bereits zufriedenstellende Erträge bei der Wintergerste.
Erfolgreicher Start in Westfalen-Lippe
Laut WLV sind die ersten Erträge bei der Wintergerste vielversprechend. Auf leichteren Böden liegen sie zwischen 6 und 7 Tonnen pro Hektar, während auf besseren Standorten 8 bis 9 Tonnen erzielt werden. Die warmen Bedingungen im Juni haben dazu beigetragen, dass die Kulturen gut gereift sind. Dennoch bleibt die Lage an den internationalen Märkten angespannt. Hubertus Beringmeier vom WLV äußerte Bedenken hinsichtlich der Erlöse, da diese trotz ordentlicher Erntemengen unter dem Druck gestiegener Betriebskosten stehen.
Europäische Prognosen und Herausforderungen
Die EU-Kommission prognostiziert für das Jahr 2026 Getreideerträge knapp über dem Fünfjahresdurchschnitt, jedoch unterhalb der Vorjahreswerte. Der trockene Frühling verbunden mit einer Hitzewelle im Mai hat insbesondere in West-, Mittel- und Osteuropa die Erwartungen gedämpft. Besonders betroffen sind Sommerungen wie Mais und Zuckerrüben in Regionen wie Südwestdeutschland und Ost-Frankreich, wo niedrige Bodenfeuchtigkeit Anlass zur Sorge gibt.
Deutsche Ernteprognosen und Einfluss des Wetters
In Deutschland steht der Beginn der Ernte bevor, während in einigen französischen Regionen bereits geerntet wird. Stabilere Wetterbedingungen könnten zu einer durchschnittlichen Getreideernte führen. Allerdings müssen Weizen- und Rapsbestände vor potenziellen Hitzeschäden geschützt werden, da für das Wochenende hohe Temperaturen vorhergesagt sind.
Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) schätzt die diesjährige Getreideernte als leicht überdurchschnittlich ein: Erwartet werden rund 44,1 Millionen Tonnen Getreide und 4,2 Millionen Tonnen Raps. Diese Einschätzung basiert auf ausreichenden Regenfällen in vielen Regionen.
Anbaufläche als Faktor für Ertragsprognosen
Der DRV prognostiziert für die Wintergerste einen durchschnittlichen Ertrag von 75,3 Dezitonnen pro Hektar, was etwa 4,3 % unter dem Vorjahr liegt. Da jedoch die Anbaufläche um dieselbe Rate gestiegen ist, wird nur mit einem minimalen Rückgang der Gesamtmenge gerechnet. Beim Winterweizen wird hingegen ein Rückgang von 8,8 % erwartet, da hier sowohl die Flächennutzung als auch der Ertrag gesunken sind.
