Die Herausforderungen, vor denen die europäische Landwirtschaft steht, sind vielfältig und komplex. Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), forderte bei seiner letzten Grundsatzrede auf dem Bauerntag 2026 in Freiburg ein starkes Signal für die Zukunft der Branche. Er betonte die Notwendigkeit eines Agrarbudgets von 500 Milliarden Euro für die nächste Periode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU.
Wirtschaftlicher Druck auf die Landwirtschaft
Laut Rukwied steht die Landwirtschaft unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Die Kosten für Energie, Dünger und Arbeitskräfte seien gestiegen, während die Preise für landwirtschaftliche Produkte nicht angemessen angepasst wurden. Dies führe dazu, dass viele Betriebe kaum noch wirtschaftlich arbeiten könnten. Die Bücher zeigten rote Zahlen, und der Markt könne diese Schieflage nicht allein ausgleichen.
Neben den ökonomischen Schwierigkeiten bereitet auch die geopolitische Lage Sorgen. Kriege, Krisen und instabile Lieferketten verstärkten die Unsicherheit in der Gesellschaft und spielten extremistischen Kräften in die Hände. Rukwied betonte die Wichtigkeit einer Stärkung der demokratischen Mitte.
Kritik an EU-Politik und Bürokratie
Rukwied sparte nicht mit Kritik an der aktuellen EU-Politik, insbesondere am Green Deal, den er als gescheitert ansieht. Die Landwirtschaft benötige weniger Einschränkungen und mehr Verlässlichkeit sowie Wettbewerbsfähigkeit. Er lehnte insbesondere das Soil Monitoring Law ab, das er als überzogene Bürokratie bezeichnete.
Auch bei der Bürokratie forderte er dringend Abbau: Der bisherige Fortschritt sei zu langsam und würde durch zusätzliche Vorschriften weiter behindert. Hierbei verwies er auf Regelungen zur Schadnagerbekämpfung oder Dokumentationspflichten als Beispiele für übermäßige Belastungen.
Probleme in der Tierhaltung und Arbeitsmarktpolitik
Rukwied hob hervor, dass innerhalb eines Jahrzehnts 50 Prozent aller schweinehaltenden Betriebe verloren gegangen seien. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, seien mindestens 200 Millionen Euro Unterstützung notwendig, um den verbleibenden Sauenhaltern eine Perspektive zu bieten.
Zudem kritisierte er geplante Änderungen im Bereich der Minijobs als wirtschaftlichen Unsinn. Diese Abschaffung würde vor allem den Mittelstand stärker belasten, was den Betrieben weiter zusetzen könnte. Eine Sonderregelung beim Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte sei erforderlich, um Obst-, Gemüse- und Sonderkulturbetriebe arbeitsfähig zu halten.
Zukunftssicherung durch gemeinschaftliches Handeln
Am Ende seiner Rede betonte Rukwied, dass nur durch geschlossenes Handeln von Landwirtschaft, Verbänden und Politik eine nachhaltige Zukunft gesichert werden könne. Europa stehe vor großen Herausforderungen, die nur gemeinsam bewältigt werden können.
