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Mercosur-Abkommen beschlossen: Was es Landwirte kostet

In Brüssel haben die Mitgliedstaaten der Europäische Union den Weg für die Unterzeichnung des EU-Mercosur-Abkommens freigemacht. Aus politischer Sicht gilt das als Erfolg, aus landwirtschaftlicher Perspektive bleibt vor allem eines: Skepsis. Denn was als Freihandel verkauft wird, droht für viele Betriebe zum handfesten Wettbewerbsproblem zu werden.

Mehrheit in Brüssel – Zweifel auf dem Acker

Dass sich unter den 27 EU-Staaten eine ausreichende Zustimmung organisiert hat, mag diplomatisch ein Meilenstein sein. Für uns Landwirte ist es vor allem ein Zeichen dafür, wie weit sich handelspolitische Entscheidungen von der betrieblichen Realität entfernt haben. Während in Sitzungssälen Mehrheiten gezählt werden, fragen sich viele Betriebe, wie sie künftig mit zusätzlichen Importmengen aus Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay konkurrieren sollen.

Die politische Botschaft ist eindeutig: Das Abkommen soll kommen. Die agrarische Antwort darauf ist es bislang nicht.

Freihandel auf dem Papier – Preisdruck in der Praxis

Das Mercosur-Freihandelsabkommen zielt auf den Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen. Was in Brüssel nach Marktöffnung klingt, bedeutet auf den Höfen vor allem eines: zusätzlichen Preisdruck. Besonders sensibel sind Sektoren wie Rindfleisch, Geflügel, Zucker und Ethanol – genau jene Bereiche, in denen europäische Betriebe ohnehin unter engen Margen arbeiten.

Der Kern des Problems liegt nicht im Handel selbst, sondern in den ungleichen Rahmenbedingungen. Während EU-Landwirte Umweltauflagen, Tierwohlvorgaben und Dokumentationspflichten erfüllen müssen, gelten in vielen Mercosur-Staaten deutlich niedrigere Standards. Wer hier von fairem Wettbewerb spricht, blendet die Realität aus.

Standards als Verkaufsargument – aber nur einseitig

Die EU betont gern ihre hohen Produktionsstandards. Im Abkommen sollen diese angeblich gewahrt bleiben. Doch solange unklar ist, wie Importkontrollen, Rückverfolgbarkeit und Sanktionen konkret umgesetzt werden, bleibt dieses Versprechen hohl. Aus landwirtschaftlicher Sicht zählt nicht, was im Vertrag steht, sondern was an der Grenze tatsächlich kontrolliert wird.

Viele Betriebe haben in den vergangenen Jahren investiert, um strengere Vorgaben zu erfüllen – finanziell und organisatorisch. Wenn gleichzeitig Produkte importiert werden, die unter anderen Bedingungen entstanden sind, untergräbt das nicht nur Preise, sondern auch die Glaubwürdigkeit der Agrarpolitik.

Exportchancen – für wen eigentlich?

Befürworter des Abkommens verweisen auf neue Absatzmärkte für europäische Agrarprodukte. In der Theorie profitieren davon Milchverarbeiter, Spezialprodukte oder große Exportstrukturen. Für den klassischen Familienbetrieb bleibt diese Aussicht jedoch weit entfernt.

Die meisten Höfe produzieren für regionale und europäische Märkte. Ihre Herausforderung ist nicht der Marktzugang nach Südamerika, sondern die Sicherung eines auskömmlichen Erzeugerpreises vor der eigenen Haustür.

Fehlende Absicherung für betroffene Betriebe

Besonders kritisch ist, dass bislang kaum konkrete Schutzmechanismen für besonders betroffene Sektoren benannt wurden. Notfallklauseln, Mengengrenzen oder wirksame Ausgleichszahlungen bleiben vage. Damit entsteht der Eindruck, dass mögliche Verlierer des Abkommens politisch einkalkuliert sind.

Für uns Landwirte ist das ein gefährliches Signal: Strukturwandel wird nicht gestaltet, sondern in Kauf genommen.

Fazit: Zustimmung ersetzt keine agrarpolitische Verantwortung

Die politische Zustimmung zum EU-Mercosur-Abkommen mag außenpolitisch sinnvoll erscheinen. Agrarpolitisch wirft sie jedoch mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Freihandel kann nur dann funktionieren, wenn er auf vergleichbaren Standards und fairen Wettbewerbsbedingungen basiert.

Solange diese Voraussetzungen nicht glaubwürdig erfüllt sind, bleibt das Abkommen aus Sicht vieler Betriebe kein Fortschritt – sondern ein weiteres Risiko in einem ohnehin angespannten Marktumfeld.

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