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Mutterkorn im Roggenanbau: Fortschritte und Herausforderungen

Mutterkorn, einst eine gefürchtete Bedrohung im Roggenanbau, wird zunehmend besser kontrolliert. Eine Analyse der Rohdaten des Max Rubner-Instituts (MRI) zeigt, dass die Züchter erhebliche Fortschritte gemacht haben. Dr. Andres Gordillo, Zuchtleiter für Roggen bei KWS, erläuterte die aktuellen Entwicklungen und Strategien zur Bekämpfung von Mutterkorn.

BfR-Empfehlungen und EU-Grenzwerte

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt die konsequente Anwendung guter landwirtschaftlicher und technologischer Praktiken, um den Gehalt an Mutterkornalkaloiden in Roggenerzeugnissen zu minimieren. Die EU-Kommission plant, die Grenzwerte für den Sklerotienbesatz in Brotroggen von 0,05 % auf 0,02 % und die Mutterkorn-Alkaloidgrenze von 500 auf 250 µg/kg zu senken. Auch für die Tierfütterung werden niedrigere Grenzwerte diskutiert.

Bedeutung mutterkorntoleranter Sorten

Dr. Andres Gordillo betont die Wichtigkeit mutterkorntoleranter Roggensorten. Die Effektivität der Sorten hängt stark von ihrer Pollenschüttung ab. Eine rechtzeitige Bestäubung der Ährchen reduziert das Risiko des Eindringens von Mutterkornsporen. KWS setzt hier auf die PollenPLUS-Technologie, die durch die Einkreuzung genetischer Ressourcen die Pollenschüttung verbessert und die Mutterkornabwehr erhöht.

Analyse der Mutterkorn-Daten

Die „Besondere Ernte- und Qualitätsermittlung“ (BEE) des Max Rubner-Instituts bietet eine unabhängige Bewertungsgrundlage für die Pollenschüttung und Mutterkornbefall. Zwischen 2017 und 2023 wurden 5.609 Volldrusch-Muster unter natürlichen Infektionsbedingungen geprüft. Die Daten zeigen, dass Populationssorten und PollenPLUS-Hybriden im Durchschnitt einen niedrigeren Mutterkornbefall aufweisen als Nicht-PollenPLUS-Hybriden.

Ergebnisse der Sortenanalysen

Die Analyse der BEE-Daten verdeutlicht, dass Populationssorten mit 0,040 % und PollenPLUS-Hybriden mit 0,048 % den geringsten Mutterkornbefall haben. Nicht-PollenPLUS-Hybriden weisen ein etwa 2,4-mal höheres Mutterkornniveau auf. Diese Ergebnisse unterstreichen den positiven Effekt einer erhöhten Pollenschüttung.

Einfluss der Ausprägungsstufen (APS)

Die Ausprägungsstufen (APS) des Bundessortenamtes spiegeln die Mutterkorntoleranz der Roggensorten wider. KWS-Daten zeigen, dass Sorten mit APS 3 den geringsten Mutterkornbefall aufweisen, während Sorten mit APS 4 höhere Befallswerte haben, jedoch immer noch besser abschneiden als Nicht-PollenPLUS-Hybriden.

Risiko der Grenzwertüberschreitung

Die Wahrscheinlichkeit, die neuen EU-Grenzwerte zu überschreiten, variiert je nach Sortentyp. Populationssorten haben eine Überschreitungswahrscheinlichkeit von ca. 14 %, PollenPLUS-Hybriden von 22 % und Nicht-PollenPLUS-Sorten von 33 %. Bei einer Grenzwertüberschreitung ist auch die Stärke der Überschreitung relevant. Für den neuen Brotroggengrenzwert von 0,02 % liegen die mittleren Mutterkornanteile bei Populationssorten und PollenPLUS-Hybriden zwischen 0,17 % und 0,2 %, während sie bei Nicht-PollenPLUS-Hybriden ca. 1,5-mal höher sind.

Die Daten des Max Rubner-Instituts und die Analysen von KWS zeigen, dass die Zucht auf erhöhte Pollenschüttung und mutterkorntolerante Sorten im Roggenanbau deutliche Fortschritte bringt. Die Einhaltung der neuen, strengeren Grenzwerte für Mutterkorn erfordert jedoch weiterhin gezielte Maßnahmen und die Wahl geeigneter Sorten.

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