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Zuckersteuer ab 2027: Auswirkungen auf Deutschlands Zuckerindustrie

Die geplante Einführung einer Zuckersteuer auf gesüßte Getränke in Deutschland ab 2027 hat eine breite Diskussion über die möglichen Auswirkungen auf die heimische Zuckerindustrie ausgelöst. Ein Blick nach Großbritannien, wo eine ähnliche Steuer bereits eingeführt wurde, könnte Aufschluss über mögliche Konsequenzen geben.

Herausforderungen für die deutsche Zuckerwirtschaft

Gesüßte Getränke sind ein bedeutender Faktor im täglichen Zuckerkonsum und tragen erheblich zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels bei, ohne dabei einen hohen Nährwert zu bieten. Weltweit haben über 100 Länder Steuermaßnahmen gegen diese Getränke ergriffen. In Deutschland jedoch herrscht Uneinigkeit über die Einführung einer solchen Steuer. Verbraucherschutzorganisationen erhoffen sich gesundheitliche Vorteile, während Vertreter der Zuckerwirtschaft wirtschaftliche Einbußen befürchten.

Laut der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker e.V. (WVZ) wurden in der Rübenkampagne 2025/26 auf deutschen Feldern rund 4,4 Millionen Tonnen Zucker produziert. Davon entfielen im Wirtschaftsjahr 2024/25 etwa 513.000 Tonnen auf den Bereich „Erfrischungsgetränke, Fruchtsäfte und Obstwein“. Sollte die Zuckersteuer eingeführt werden, könnte dies den Absatz von Rübenzucker reduzieren und somit den Anbau von Zuckerrüben gefährden.

Erfahrungen aus Großbritannien

In Großbritannien wurde die Soft Drinks Industry Levy (SDIL) bereits 2018 umgesetzt. Zwischen ihrer Ankündigung im Jahr 2016 und ihrer Einführung passten viele Hersteller ihre Rezepturen an, um unter den festgelegten Zuckerschwellenwert zu fallen. Eine Analyse ergab, dass der durchschnittliche Zuckergehalt in den betroffenen Getränken zwischen 2015 und 2024 um etwa 47 % sank.

Diese Entwicklung wird von deutschen Verbraucherschützern positiv aufgenommen, während Vertreter der Zuckerwirtschaft skeptisch bleiben. Sie argumentieren, dass weniger Zucker in Getränken nicht zwangsläufig zu einem verringerten Zuckerkonsum oder Gewichtsverlust führt und dass wissenschaftliche Belege hierfür fehlen.

Mögliche Einsparungen bei Gesundheitskosten

Foodwatch geht davon aus, dass durch eine Zuckersteuer ähnliche Effekte wie in Großbritannien auch in Deutschland möglich wären. Eine Studie der TU München prognostiziert bei einer dreißigprozentigen Reduktion des Zuckergehalts innerhalb von 20 Jahren eine deutliche Reduzierung der Krankheitsfälle von Typ-2-Diabetes sowie Einsparungen von rund 16 Milliarden Euro an gesellschaftlichen Kosten.

Die Steuer würde gezielt bei den Herstellern ansetzen und so Anreize für weniger zuckerreiche Rezepturen schaffen, ohne das Konsumverhalten direkt beeinflussen zu müssen.

Zuckersteuer: Ein zweischneidiges Schwert?

Kritiker wie Nordzucker sind der Meinung, dass eine Zuckersteuer nicht automatisch zur Gewichtsreduktion führt und stattdessen alternative Süßstoffe gefördert werden könnten. Tatsächlich ist die Adipositasrate in England seit Einführung der Steuer nur leicht gestiegen – langsamer als zuvor, aber ohne signifikante Abnahme.

Laut der World Health Organisation (WHO) können Steuern auf zuckerhaltige Getränke den Konsum verringern und damit gesundheitliche Schäden minimieren. Dies gelte insbesondere für Produkte mit verfügbaren gesünderen Alternativen.

Einfluss auf den deutschen Markt

Einer Untersuchung zufolge liegt der aktuelle Entwurf für die Steuergrenze bei 5 Gramm Zucker pro 100 ml Getränk. Von einer Stichprobe getesteter Getränke fielen zwölf unter eine Preiserhöhung von 26 Cent pro Liter und zehn unter eine Erhöhung von 32 Cent pro Liter aufgrund ihres Zuckergehalts.

Laut dem Statistischen Bundesamt wurden im Jahr 2024 insgesamt 7,7 Milliarden Liter zuckerhaltige Getränke produziert. Der britische Ansatz zeigt ein Potenzial zur Reduzierung des Zuckerkonsums durch solche Maßnahmen: Die verkaufte Zuckermenge sank dort um fast 40 % seit Einführung der Levy.

Auswirkungen auf die Zukunft der Zuckerwirtschaft

Trotz dieser Erfolge in Großbritannien ist unklar, wie sich diese Veränderungen langfristig auf die deutsche Zuckerindustrie auswirken würden. Die WVZ warnt vor zusätzlichen Belastungen für eine bereits angeschlagene Branche durch niedrige Preise und steigende Produktionskosten.

Prognosen deuten darauf hin, dass zukünftige klimatische Veränderungen und strukturelle Herausforderungen einen Rückgang des Rübenanbaus bewirken könnten. Laut WVZ könnte eine reduzierte Nachfrage nach Rübenzucker sogar zur Schließung einer gesamten Zuckerfabrik führen, was erhebliche wirtschaftliche Folgen hätte.

Insgesamt bleibt unsicher, welche langfristigen Auswirkungen die geplante Einführung einer Zuckersteuer tatsächlich haben wird – sowohl auf gesundheitlicher als auch wirtschaftlicher Ebene.