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Neue Mutterkorn-Grenzwerte: Was Landwirte jetzt wissen müssen

Die Landwirtschaft sieht sich immer wieder neuen Herausforderungen gegenüber. Eine davon ist der Pilz Claviceps purpurea, besser bekannt als Mutterkorn. Diese Pilzinfektion kann große wirtschaftliche Auswirkungen haben, denn sie gefährdet die Annahme der Ernte durch den Handel. Besonders betroffen sind Getreidearten wie Roggen und Triticale, während Weizen und Dinkel aufgrund ihrer Bestäubungsmechanismen seltener infiziert werden.

Die Bedrohung durch Mutterkorn

Mutterkorn hat eine historische Bedeutung, da es im Mittelalter für zahlreiche Erkrankungen verantwortlich war. Die sogenannte Vergiftung mit Antoniusfeuer führte zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen wie Halluzinationen und dem Absterben von Gliedmaßen. Trotz seiner Gefährlichkeit wurde das Mutterkorn über Jahrhunderte in der Geburtshilfe genutzt, um Wehen zu fördern. Zudem sind die Inhaltsstoffe des Pilzes Grundlage für die Droge LSD.

Der Pilz ersetzt das eigentliche Getreidekorn durch ein schwarzes Sklerotium, das mehr als 50 toxische Alkaloide enthält. Diese Gifte werden bei der Verarbeitung zu Lebensmitteln nicht abgebaut und können somit in die Nahrungskette gelangen, was zu Vergiftungen führen kann.

Effektive Präventionsmaßnahmen

Der Schutz vor Mutterkorn beginnt bereits bei der Sortenwahl vor der Aussaat. Entscheidend ist dabei die Pollenschüttung während der Blütezeit. Sorten, die ausreichend Pollen produzieren, sind weniger anfällig für Infektionen, da der Pilz offene Blüten zur Ausbreitung benötigt. Einige Züchtungsansätze setzen auf Hybridsorten oder Mischungen mit pollenstarken Sorten, um die Befruchtung zu verbessern und den Befall zu reduzieren.

Roggen ist besonders gefährdet, da seine Bestäubung stark von Wind und offenen Blüten abhängt. Die Wahl der richtigen Sorte kann daher helfen, das Infektionsrisiko zu minimieren.

Einfluss von Wetterbedingungen und Anbaupraktiken

Neben der Sorte beeinflussen auch Wetterbedingungen und Anbaupraktiken den Befall mit Mutterkorn. Feucht-kühle Witterungsverhältnisse sowie Beregnung können das Risiko erhöhen, indem sie die Pollen verklumpen lassen. Dagegen fördern windoffene Bestände die Austrocknung und unterstützen den Pollenflug.

Fungizide zeigen gegen Mutterkorn keine Wirkung; daher wird in betroffenen Fällen moderne Reinigungstechnik eingesetzt, um das Getreide von Sklerotien zu befreien.

Strengere EU-Grenzwerte zum Schutz von Verbrauchern

Um Verbraucher und Tiere vor den Gefahren des Mutterkorns zu schützen, hat die EU strenge Grenzwerte festgelegt. Bei Futtergetreide dürfen maximal 1 Gramm Sklerotien pro Kilogramm vorhanden sein. Für Getreide zur menschlichen Ernährung wurden diese Werte weiter verschärft: Seit Sommer 2025 liegt der Grenzwert für Roggen bei 0,2 Gramm Sklerotien pro Kilogramm, eine Reduzierung gegenüber vorherigen Standards.

Zukünftige Regelungen sehen weitere Verschärfungen vor: Ab Juli 2028 wird der zulässige Höchstgehalt im vermahlenen Roggenmehl auf 250 Mikrogramm pro Kilogramm gesenkt. Diese Maßnahmen spiegeln die Bedeutung wider, die dem Schutz der Lebensmittelqualität beigemessen wird.