Die anhaltende Dürre in Deutschland bringt Landwirte zunehmend in Bedrängnis. Besonders betroffen sind Rinderhalter, die angesichts der schlechten Futterlage ihre Bestände verkleinern müssen. In Rheinland-Pfalz beschreibt Jürgen Vogelsang vom Bauern- und Winzerverband die Situation als nahezu katastrophal. Die Weideflächen sind ausgedörrt, und beim Silomais drohen massive Ertragseinbußen.
Regionale Unterschiede im Futtermangel
Während die Futterreserven in Teilen von Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen noch ausreichen, berichten süd- und westdeutsche Regionen von erheblichen Engpässen. Im äußersten Südwesten von Rheinland-Pfalz ist die Lage besonders angespannt. Hier hat es seit Monaten kaum geregnet, und selbst vereinzelte Gewitter konnten keine Linderung bringen.
In Regionen wie Hessen und Südbaden beginnen Betriebe bereits mit der Winterfütterung – viel früher als üblich. Dies bedeutet, dass Futtervorräte, die für den Winter gedacht sind, schon jetzt verbraucht werden müssen. Viele Landwirte sehen sich gezwungen, zusätzliches Futter zuzukaufen, was mit unvorhergesehenen Kosten verbunden ist.
Tierbestände werden reduziert
Die schwierige Futterlage zwingt einige Landwirte dazu, ihre Tierbestände zu reduzieren. Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) vermerkt eine Zunahme der Schlachtzahlen bei Rindern. In Bayern meldet der Bauernverband einen deutlichen Anstieg der Schlachtungen um 1.000 Kühe innerhalb weniger Wochen. Diese Entwicklung wird auf den Futtermangel und wirtschaftliche Notwendigkeiten zurückgeführt.
Laut Vogelsang überlegen viele Betriebe genau, ob es sich lohnt, Kühe zu halten, wenn teures Futter zugekauft werden muss. Die Reduzierung der Bestände erfolgt dabei je nach Hof unterschiedlich stark; Schätzungen gehen von 10 bis 20 Prozent aus.
Langfristige Folgen für Milchproduktion
Der Verkauf von Tieren bringt zwar kurzfristig Entlastung bei den Futterkosten und Einnahmen durch den Verkaufserlös. Langfristig fehlen jedoch die Tiere zur Milchproduktion im Winter, was zu geringeren Einnahmen führen könnte. Vogelsang warnt vor einem Rückgang der Milchproduktion aufgrund reduzierter Bestände und schlechterer Futterqualität.
Da auch andere europäische Länder von der Dürre betroffen sind, besteht die Sorge, dass weniger Milchprodukte verfügbar sein könnten. Dies könnte im Winter höhere Preise nach sich ziehen – allerdings profitieren davon nicht unbedingt die Erzeuger.
Energie- und Betriebskosten belasten zusätzlich
Neben der Trockenheit setzen auch steigende Energiepreise den landwirtschaftlichen Betrieben zu. Am Beispiel seines eigenen Betriebs zeigt Vogelsang auf, dass allein die Dieselkosten innerhalb weniger Monate um fast 20.000 Euro gestiegen sind. Diese zusätzlichen Aufwendungen belasten die ohnehin knappe Kalkulation vieler Höfe weiter.
Hoffnung auf Regen bleibt bestehen
Die Aussicht auf Besserung hängt maßgeblich vom Wetter ab. Landwirte hoffen auf sanfte Niederschläge statt heftiger Gewitterregen, damit das Wasser effektiv in den Boden eindringen kann. Bis dahin bleibt ihre Hauptaufgabe, das Nötigste für ihre Tiere sicherzustellen und ausreichende Vorräte für den Winter anzulegen.
