Der Einsatz von Biomethan als Kraftstoff könnte eine vielversprechende Zukunftsperspektive für Betreiber von Biogasanlagen darstellen, deren EEG-Vergütung bald ausläuft. Das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) hat gemeinsam mit weiteren Experten einen Leitfaden entwickelt, der die technischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekte dieser Option beleuchtet. Ein besonderer Fokus liegt auf der Möglichkeit, eigene Tankstellen zu betreiben.
Biomethan als zukunftsfähige Alternative
Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) und Partnerorganisationen haben das Konzept „Biomethan als Kraftstoff“ in einem Online-Seminar vorgestellt. Ziel war es, einen umfassenden Überblick über den deutschen Biomethan-Kraftstoffmarkt zu geben und sowohl Forschungsergebnisse als auch Praxisbeispiele zu präsentieren. Der Leitfaden soll helfen, die wirtschaftlichen Potenziale der Kraftstoffvermarktung besser zu verstehen.
Ursula Roth vom KTBL, die seit mehr als zwei Jahrzehnten im Bereich Energie und Klimaschutz tätig ist, präsentierte die Projektergebnisse des Vorhabens Biokraft. Dieses wurde in Zusammenarbeit mit dem Fachverband Biogas und dem Institut für Biogas, Kreislaufwirtschaft und Energie erarbeitet und erhielt Unterstützung vom Bundesministerium über die FNR.
Rahmenbedingungen und Leitfadeninhalte
Laut Roth sei es entscheidend zu klären, ob Biomethan ein tragfähiges Geschäftsfeld für landwirtschaftliche Biogasanlagen darstellen kann. Die derzeitigen Rahmenbedingungen seien im Wandel: Die Entwicklung der Treibhausgas-Quote (THG), Fragen zum Gasnetzzugang sowie Änderungen bei der Doppelanrechnung von Biokraftstoffen auf die THG-Quote stellen Herausforderungen dar. Der neue Leitfaden soll Betreiber bei diesen komplexen Entscheidungen unterstützen.
Der umfangreiche Leitfaden richtet sich vor allem an landwirtschaftliche Betriebe, politische Entscheidungsträger und Beratungsunternehmen. Er bietet detaillierte Informationen zu politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie technischen Grundlagen für den Betrieb einer Bio-CNG-Tankstelle. Ein weiteres Kapitel widmet sich Vermarktung, Management und Investitionen. Praxisbeispiele verdeutlichen durch bestehende CNG- und LNG-Anlagen mögliche Wege für interessierte Betreiber.
Konzepte zur Umsetzung
Drei verschiedene Konzepte wurden im Projekt untersucht: Eine Hoftankstelle ohne Gasnetzanschluss, eine externe Tankstelle mit Gasnetzanschluss sowie eine externe Tankstelle ohne Netzanschluss, die über mobile Lkw-Brücken versorgt wird. Für landwirtschaftliche Anlagen sind vor allem kleinskalige Lösungen relevant, die jedoch hohe spezifische Investitionen erfordern. Daher könnten Clusterlösungen sinnvoll sein, indem mehrere Anlagen ihre Rohgase gemeinsam aufbereiten.
Anlagengrößen von 200 bis 1000 kW wurden analysiert. Die Berechnungen beruhten auf einem hohen Anteil an Wirtschaftsdüngern ohne zusätzliche Transportkosten sowie einer vollständigen bilanztechnischen Herkunft des Kraftstoffs aus Reststoffen. Als Technologie zur Aufbereitung kam Membrantechnik zum Einsatz.
Wirtschaftliche Aspekte kleinerer Anlagen
Kleinere Anlagen wie die 200-kW-Variante zeigten eine starke Abhängigkeit der Wirtschaftlichkeit von der Absatzmenge. Geringe Mengen führten oft zu Verlusten oder nur knappem Break-even an Hoftankstellen; erst mittlere Mengen erzielten Gewinne. Der reine Kraftstoffpreis reiche nicht aus: Zusätzliche Einnahmen aus THG-Quoten sowie Strom- und Wärmeerträge seien entscheidend.
Spezifische Bereitstellungskosten variieren stark: Bei minimalen Absätzen liegen sie bei 16,45 ct/kWh, während mittlere Absätze Kosten von 3,3 ct/kWh verursachen können. Der Vergleich mit externen Tankstellen ergab ähnliche Ergebnisse.
Größere Anlagen profitieren von Skaleneffekten
Eindeutige Skaleneffekte zeigten sich bei größeren Anlagen ab 500 kW: Sinkende spezifische Kosten gingen mit steigenden Absatzmengen einher – so waren sehr hohe THG-Erlöse möglich. Diese Effekte führten teils zu negativen Bereitstellungskosten durch doppelte Erlöse aus dem Kraftstoffverkauf an Tankstellen sowie Treibhausgasminderungen.
Zwar basieren diese Ergebnisse auf optimistischen Annahmen hinsichtlich technischer Standards und niedriger Modernisierungskosten; dennoch bleibt die Zukunft unsicher – insbesondere in Bezug auf rechtliche Entwicklungen wie die Doppelanrechnung oder Gasnetzzugangsverordnungen.
Weitere Informationen zum Leitfaden finden Interessierte online unter www.zukunftbiogas.de; dort stehen auch Studien zur wirtschaftlichen Weiterführung von Biogasanlagen bereit.
