Ägypten hat mit der offiziellen Eröffnung des Projekts „Neues Delta“ durch Präsident Abdel Fattah al-Sisi einen bedeutenden Schritt zur Stärkung seiner Ernährungssicherheit unternommen. Das ambitionierte Vorhaben zielt darauf ab, in der Wüste Weizen anzubauen und so die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten zu verringern. Mit einer geplanten Fläche von etwa 924.000 Hektar ist es das größte Landgewinnungsprojekt des Landes.
Milliarden für Infrastruktur und Anbau
Bislang wurden rund 800 Milliarden Ägyptische Pfund (ca. 13 Milliarden Euro) in das Projekt investiert. Dieses Kapital wurde nicht nur in die Urbarmachung des Wüstenbodens gesteckt, sondern auch in den Bau von Getreidesilos, Industriegebieten und einem neuen Straßennetz, das die neuen Agrarflächen mit Häfen verbindet. Ziel ist eine Vergrößerung der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche Ägyptens um etwa 15 Prozent, wobei der Fokus auf Kulturen wie Weizen und Mais liegt.
Diese Initiative ist eine direkte Reaktion auf die durch den Ukraine-Krieg und die Corona-Pandemie offengelegten Risiken in der globalen Versorgungskette. Angesichts seiner wachsenden Bevölkerung sieht sich Ägypten vermehrt gezwungen, auf Importe zurückzugreifen, weshalb das Projekt als strategisch wichtig erachtet wird.
Künstliche Bewässerung als Herzstück
Ein zentrales Element des Projekts ist ein über 170 Kilometer langer künstlicher Kanal, der Wasser in die Wüstenregion transportiert. Da die neuen Flächen höher liegen als das Nil-Becken, muss das Wasser mittels 13 Hebestationen gepumpt werden. Besonders innovativ ist die Nutzung von behandeltem landwirtschaftlichem Abwasser aus der El-Hammam-Anlage, der weltweit größten Wasseraufbereitungsanlage ihrer Art mit einer Kapazität von 7,5 Millionen Kubikmetern pro Tag.
Kritische Stimmen und langfristige Risiken
Trotz der positiven Aussichten äußern Experten Bedenken hinsichtlich der Energieintensität des Systems. Die Notwendigkeit, große Wassermengen über weite Strecken zu pumpen, könnte langfristig zu Risiken wie Grundwasserabsenkung und Bodenversalzung führen. Außerdem gibt es Kritik an der begrenzten Transparenz bei Finanzströmen und Landvergabe, da zentrale Teile des Projekts von militärnahen Institutionen gesteuert werden.
Dennoch betrachtet die ägyptische Regierung das „Neue Delta“ als unverzichtbar angesichts des Bevölkerungswachstums und der Abhängigkeit vom Nil. Das Projekt wird als Schlüsselmaßnahme gesehen, um bei Grundnahrungsmitteln unabhängiger zu werden und das Land widerstandsfähiger gegen globale Schocks zu machen.
