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MARS senkt EU-Ertragsprognosen für Mais und Soja deutlich

Hitze und anhaltender Wassermangel haben die Ertragsaussichten für Sommerkulturen in der Europäischen Union deutlich verschlechtert. Das Monitoring-System MARS der EU-Kommission hat seine Prognosen für Körnermais, Sojabohnen und weitere Kulturen im August erneut nach unten korrigiert. Am stärksten trifft es Soja: Der durchschnittliche EU-Ertrag wird nur noch auf 2,31 Tonnen je Hektar geschätzt und läge damit 14 Prozent unter dem Mittel der vergangenen fünf Jahre.

Auch beim Körnermais haben sich die Erwartungen weiter eingetrübt. Besonders betroffen sind Teile West- und Mitteleuropas. Zu den Regionen mit starken Auswirkungen zählt MARS auch Süddeutschland.

Soja-Prognose fällt binnen eines Monats um 12 Prozent

Noch im Juli hatte MARS für Sojabohnen in der EU einen durchschnittlichen Ertrag von 2,62 Tonnen je Hektar erwartet. Einen Monat später sind davon nur noch 2,31 Tonnen übrig. Das entspricht einer Korrektur um rund 12 Prozent gegenüber der Juli-Prognose.

Im Vergleich zum fünfjährigen Mittel liegt die aktuelle Schätzung 14 Prozent niedriger. Gegenüber dem Ertrag von 2025 beträgt das Minus sogar etwa 17 Prozent.

Damit hat sich die Lage innerhalb weniger Wochen erheblich verändert. Wiederholte Hitzeperioden und fehlender Niederschlag trafen die Sojabestände in mehreren wichtigen Anbaugebieten während empfindlicher Entwicklungsphasen.

Bereits im Juli hatte MARS auf zunehmenden Stress in Frankreich, Ungarn, der Slowakei und Tschechien hingewiesen. Die trockene und heiße Witterung setzte sich anschließend fort und verschlechterte die Ertragsperspektiven weiter.

Körnermais nur noch bei 6,61 Tonnen je Hektar

Auch die Prognose für Körnermais wurde erneut gesenkt. MARS erwartet für die EU derzeit einen durchschnittlichen Ertrag von 6,61 Tonnen je Hektar.

Das sind rund 7 Prozent weniger als im Mittel der vergangenen fünf Jahre und ebenfalls etwa 7 Prozent weniger als 2025. Gegenüber der Juli-Prognose nahm MARS die Ertragserwartung um weitere 5 Prozent zurück.

Beim Mais trafen hohe Temperaturen und Wassermangel vielerorts genau die Phasen, in denen Kolbenbildung, Befruchtung und Kornfüllung über das spätere Ertragsniveau entscheiden.

Unter starkem Trockenstress bilden Pflanzen weniger Biomasse. Zusätzlich kann die Befruchtung beeinträchtigt werden. Später fehlendes Wasser verkürzt die Kornfüllung und führt zu einer vorzeitigen Abreife.

MARS hält in den am stärksten betroffenen Gebieten inzwischen auch lokale Totalausfälle für möglich.

Süddeutschland zählt zu den stark betroffenen Regionen

Die Probleme verteilen sich innerhalb Europas sehr unterschiedlich. Besonders starke Auswirkungen von Hitze und Wassermangel meldet das Joint Research Centre der EU-Kommission für Frankreich, Süddeutschland, Nord- und Mittelitalien, Österreich, Tschechien, die Slowakei, Ungarn und den Westen Rumäniens.

In Südwestdeutschland hatte MARS bereits im Juli deutliche Schäden festgestellt. Seitdem habe sich die Situation weiter verschärft.

Damit deckt sich die europäische Einschätzung mit Beobachtungen aus Deutschland. Auch der Deutsche Bauernverband berichtete Mitte August von erheblichen Problemen bei Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben. Besonders in südlichen Regionen reichen die Schäden auf einzelnen Flächen bis zu sehr starken Ertragseinbußen.

Anders ist die Lage in Teilen Nord- und Osteuropas. Dort haben sich die Sommerkulturen regional deutlich besser entwickelt. Die günstigen Bestände reichen allerdings nicht aus, um die Verluste in West- und Mitteleuropa auf EU-Ebene auszugleichen.

Silomais-Erträge sinken ebenfalls deutlich

Für Rinderhalter ist nicht nur die Entwicklung beim Körnermais relevant. Auch die Aussichten für Grün- beziehungsweise Silomais haben sich verschlechtert.

EU-weit prognostiziert MARS derzeit einen durchschnittlichen Ertrag von rund 37,8 Tonnen je Hektar. Das entspricht einem Minus von etwa 12 Prozent gegenüber dem fünfjährigen Mittel und 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Hinzu kommt, dass auch Grünland und Weiden unter den trockenen Bedingungen leiden. MARS berichtet von deutlich geringerer Grünlandproduktivität und eingeschränkter Futterverfügbarkeit in mehreren Regionen.

Damit betrifft die Trockenheit Milchvieh- und Rinderbetriebe gleich doppelt. Neben geringeren Silomaiserträgen fällt vielerorts auch weniger Gras für Frischfutter, Silage und Heu an.

Wie stark sich dies auf die Futterversorgung einzelner Betriebe auswirkt, hängt allerdings von Region, Niederschlägen, vorhandenen Vorräten und der betrieblichen Flächenausstattung ab.

Kartoffeln und Zuckerrüben ebenfalls unter Durchschnitt

Die schlechten Aussichten beschränken sich nicht auf Mais und Soja. Nach den aktuellen MARS-Daten liegen inzwischen sämtliche wichtigen Sommerkulturen auf EU-Ebene unter ihrem jeweiligen fünfjährigen Durchschnitt.

Bei Kartoffeln beträgt der Rückstand etwa 6 Prozent. Für Zuckerrüben liegt die Prognose rund 5 Prozent unter dem fünfjährigen Mittel. Auch Sonnenblumen bleiben mit etwa 3 Prozent darunter.

Damit hat sich die Situation seit dem Frühsommer deutlich verändert. Im Mai waren für mehrere Sommerkulturen noch Erträge in der Nähe oder teilweise oberhalb des langjährigen Durchschnitts erwartet worden.

Die wiederholten Hitzeperioden im Juni, Juli und August sowie geringe Bodenwasservorräte haben diese Erwartungen schrittweise nach unten gedrückt.

Sommerhitze traf Kulturen in entscheidenden Wachstumsphasen

Nach Einschätzung der MARS-Experten waren nicht allein die hohen Temperaturen problematisch. Entscheidend war die Kombination mit außergewöhnlich niedrigen Bodenwasserreserven.

Unter diesen Bedingungen verringerte sich der Biomasseaufbau. Bei Mais, Sonnenblumen und Sojabohnen wurden zudem Blüte, Befruchtung und Korn- beziehungsweise Hülsenfüllung beeinträchtigt.

Auf besonders stark betroffenen Flächen setzte die Abreife früher ein. Den Pflanzen blieb dadurch weniger Zeit, Ertrag aufzubauen.

In einigen Regionen verschärfte eingeschränkt verfügbares Bewässerungswasser die Situation zusätzlich. Wo Wasser grundsätzlich verfügbar war, konnten Bewässerungsverbote oder begrenzte Entnahmemöglichkeiten die Beregnung einschränken.

Rumänien zeigt große regionale Unterschiede

Wie unterschiedlich die Bedingungen selbst innerhalb eines Landes sein können, zeigt Rumänien. Während der Westen stark unter Trockenheit und Temperaturen von teilweise bis zu 41 °C litt, entwickelten sich die Kulturen in östlichen und zentralen Regionen wesentlich besser.

Dadurch liegt die nationale Prognose für Körnermais trotz schwerer Schäden im Westen bei 4,46 Tonnen je Hektar. Das wären 11 Prozent mehr als im fünfjährigen Durchschnitt.

Bei Sonnenblumen erwartet MARS für Rumänien rund 2,01 Tonnen je Hektar und damit etwa 10 Prozent mehr als im langjährigen Mittel.

Solche Unterschiede zeigen, warum EU-Durchschnittswerte die Situation einzelner Regionen nur eingeschränkt abbilden. Während manche Gebiete vergleichsweise gute Ernten erreichen können, stehen Betriebe wenige hundert Kilometer entfernt vor erheblichen Ausfällen.

Wintergetreide kam vergleichsweise glimpflich davon

Deutlich stabiler sieht die EU-Bilanz bei den Winterkulturen aus. Weizen, Gerste und andere Wintergetreidearten waren bei den besonders ausgeprägten Hitze- und Trockenperioden bereits weiter entwickelt oder teilweise geerntet.

MARS bestätigt die Ertragsaussichten der meisten Wintergetreidearten deshalb auf EU-Ebene ungefähr im Bereich des fünfjährigen Durchschnitts.

Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Regionen gute Getreideernten eingefahren haben. Auch bei Winterweizen und Raps gab es regional erhebliche Verluste. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass sich diese Einbußen auf EU-Ebene stärker durch bessere Ergebnisse anderer Regionen ausgleichen.

Bei den später abreifenden Sommerkulturen war das nicht möglich.

Regen kommt für viele Bestände zu spät

Für Teile West- und Mitteleuropas erwartet MARS inzwischen kühlere Temperaturen und mehr Niederschlag. Damit könnte sich die Wasserversorgung noch nicht vollständig abgereifter Kulturen verbessern.

Für bereits geschädigte Bestände kommt der Wetterwechsel jedoch zu spät. Eine schlechte Befruchtung oder vorzeitig abgeschlossene Kornfüllung lässt sich durch späteren Niederschlag nicht mehr ausgleichen.

Die August-Prognose macht damit deutlich, wie stark sich die Ertragserwartungen innerhalb weniger Wochen verändern können. Besonders bei Sojabohnen und Mais hat die Trockenheit einen erheblichen Teil des noch im Frühsommer erwarteten Ertragspotenzials gekostet.

Für die endgültige EU-Erntemenge bleibt neben dem Hektarertrag die tatsächlich abgeerntete Fläche entscheidend. Erst mit fortschreitender Ernte wird sich zeigen, wie stark die niedrigeren Flächenerträge die Gesamtproduktion von Mais, Soja und Sonnenblumen in der EU 2026 reduzieren.

Quellen

  • Joint Research Centre der Europäischen Kommission: MARS-Auswertung vom 24. August 2026. Die Behörde meldet stark verschlechterte Aussichten für sämtliche Sommerkulturen und nennt Frankreich, Süddeutschland, Italien, Österreich, Tschechien, die Slowakei, Ungarn und West-Rumänien als besonders stark betroffene Gebiete. (Joint Research Centre)
  • JRC MARS Bulletin, August 2026, Vol. 34 No. 7: „Long-lasting dry and hot weather slashes summer crop yields“. Offizielle Veröffentlichung mit den EU-Ertragsprognosen und einem Rückstand der Sommerkulturen von bis zu 14 Prozent zum fünfjährigen Mittel. (JRC Publikationen)
  • Donau Soja: Marktbericht vom August 2026 mit der vorherigen MARS-Prognose vom Juli von 2,62 t/ha für EU-Sojabohnen. Dadurch lässt sich die starke weitere Korrektur auf 2,31 t/ha im August einordnen. (Donau Soja)
  • Aktuelle Auswertung der MARS-Daten: EU-Prognosen von 6,61 t/ha für Körnermais, 2,31 t/ha für Sojabohnen und 37,8 t/ha für Grünmais sowie die Abweichungen bei Kartoffeln, Zuckerrüben und Sonnenblumen. (2eu.brussels)