Mit 5,4 Metern Arbeitsbreite bringt Kelly Tillage eine neue Kettenscheibenegge auf den europäischen Markt. Die Kelly 1605 soll bereits mit Traktoren ab 100 PS auskommen und bei der flachen Bodenbearbeitung mit vergleichsweise wenig Diesel arbeiten. Das ursprünglich aus Australien stammende Maschinenkonzept wird für den europäischen Markt in Deutschland gefertigt.
Die neue Baugröße ist vor allem für Betriebe gedacht, denen die bisher verfügbaren größeren Kelly-Maschinen zu breit waren. Gleichzeitig bleibt das ungewöhnliche Arbeitsprinzip erhalten: Statt einzeln am Rahmen aufgehängter Scheiben laufen miteinander verbundene Scheibenketten über den Boden.
Kelly 1605 arbeitet mit 5,4 Metern Arbeitsbreite
Die 1605 erreicht nach Herstellerangaben eine Arbeitsbreite von 5,4 Metern. Damit liegt sie deutlich unter den großen Kettenscheibeneggen, mit denen das australische System ursprünglich bekannt wurde.
Für den Transport lässt sich die Maschine auf 2,43 Meter Breite zusammenklappen. Das erleichtert den Wechsel zwischen kleineren Schlägen und entspricht stärker den Bedingungen in vielen Regionen Westeuropas.
Auch beim Leistungsbedarf zielt Kelly auf eine andere Betriebsklasse als bei seinen Großmaschinen. Der Hersteller gibt als Mindestleistung 75 kW beziehungsweise rund 100 PS an. Die Arbeitsgeschwindigkeit liegt bei 10 bis 12 km/h.
Bei 10 km/h nennt Kelly eine mögliche Flächenleistung von bis zu 4,6 Hektar pro Stunde. Das Maschinengewicht gibt der Hersteller mit 2.450 kg an. Die tatsächlichen Anforderungen hängen allerdings von Boden, Arbeitsgeschwindigkeit und gewählter Scheibenkonfiguration ab.
Scheiben laufen als Ketten über den Boden
Technisch unterscheidet sich das System deutlich von einer klassischen Kurzscheibenegge. Die einzelnen Scheiben sind nicht jeweils über Lager und Arme am Hauptrahmen befestigt. Stattdessen werden sie zu langen Ketten miteinander verbunden.
Diese Scheibenketten sind rautenförmig unter dem Rahmen angeordnet. Während der Fahrt rollen die einzelnen Elemente über die Bodenoberfläche. Durch die Kettenaufhängung können sie Unebenheiten folgen, ohne dass jedes Werkzeug eine eigene Aufhängung benötigt.
Das Prinzip ist bereits von den größeren Kelly-Maschinen bekannt. Je nach eingesetzten Scheibenelementen sollen Ernterückstände bearbeitet, aufgelaufene Pflanzen erfasst und die oberste Bodenschicht bewegt werden.
Die Konstruktion ist vor allem für eine flache Bearbeitung ausgelegt. Ein tiefer Lockerungsgang, wie ihn beispielsweise ein Grubber übernimmt, gehört nicht zu den Aufgaben der Kettenscheibenegge.
Flache Stoppelbearbeitung mit hoher Geschwindigkeit
Ein wichtiger Einsatzbereich liegt unmittelbar nach der Ernte. Die Scheiben sollen Ernterückstände verteilen und bearbeiten sowie Ausfallgetreide und Unkrautsamen zum Keimen anregen.
Gerade bei der ersten Stoppelbearbeitung ist eine möglichst geringe Arbeitstiefe interessant. Samen von Ausfallgetreide, Raps oder Ungräsern sollen dabei nicht unnötig tief in den Boden eingemischt werden.
Die Kettenscheibenegge bewegt deshalb hauptsächlich die oberste Bodenschicht. Frühere Praxiserfahrungen mit größeren Kelly-Modellen zeigen, dass sich das System besonders für eine schnelle und sehr flache Bearbeitung eignet.
Daneben nennt der Hersteller die Saatbettbereitung, das Management von Zwischenfrüchten und die mechanische Unkrautregulierung als weitere Einsatzmöglichkeiten.
Dieselverbrauch kann unter 3 Liter je Hektar liegen
Interessant ist vor allem der geringe Zugkraftbedarf. agrarheute nennt für das Kelly-System einen Dieselverbrauch von weniger als 3 Litern je Hektar. Auch Kelly verweist auf Erfahrungen eines deutschen Betriebes, der bei der Bearbeitung von Wintergerstenstoppeln einen Verbrauch von etwa 2 bis 3 Litern Diesel je Hektar angibt.
Dieser Wert ist allerdings nicht als garantierter Verbrauch der neuen 1605 zu verstehen. Bodenart, Feuchtigkeit, Gelände, Geschwindigkeit, Arbeitstiefe, Scheibenausstattung und Traktor beeinflussen den tatsächlichen Kraftstoffbedarf.
Das Arbeitsprinzip bietet dennoch Voraussetzungen für einen niedrigen Verbrauch. Da die Werkzeuge nur flach in den Boden eingreifen und die Maschine mit vergleichsweise hoher Geschwindigkeit gefahren wird, muss weniger Boden bewegt werden als bei einer tieferen Bearbeitung.
Gerade bei mehreren Stoppelbearbeitungsgängen können wenige Liter Unterschied je Hektar bei größeren Flächen wirtschaftlich relevant werden.
Weniger Bodenbewegung soll Wasserverluste begrenzen
Die geringe Bearbeitungstiefe hat neben dem Kraftstoffbedarf noch einen weiteren Effekt. Wird nur die oberste Bodenschicht bewegt, bleibt der Eingriff in den Boden begrenzt.
Das kann vor allem unter trockenen Bedingungen interessant sein. Je intensiver und tiefer Boden bearbeitet wird, desto stärker können feuchte Bodenschichten geöffnet werden. Flache Verfahren sollen dagegen möglichst wenig Wasser aus tieferen Bereichen verlieren lassen.
Kelly positioniert die Kettenscheibenegge deshalb auch für Betriebe, die Bodenbearbeitungsintensität und Zahl der Überfahrten reduzieren wollen.
Wie gut dies funktioniert, hängt allerdings stark von den jeweiligen Bedingungen ab. Verdichtungen oder notwendige tiefere Lockerungsmaßnahmen kann eine extrem flach arbeitende Kettenscheibenegge nicht beseitigen.
Mechanische Unkrautbekämpfung wird wichtiger
Ein weiterer Einsatzbereich gewinnt durch eingeschränkte Möglichkeiten im chemischen Pflanzenschutz an Bedeutung. Flache Bodenbearbeitung kann genutzt werden, um bereits aufgelaufene Unkräuter mechanisch zu beseitigen oder einen möglichst gleichmäßigen Auflauf vor der nächsten Bearbeitung anzuregen.
Kelly sieht darin eines der Hauptanwendungsgebiete seiner Technik. Die Scheibenketten sollen vorhandene Pflanzen entwurzeln und an der Bodenoberfläche ablegen.
Gerade bei der Bekämpfung problematischer Ungräser bleibt jedoch das gesamte Anbausystem entscheidend. Eine einzelne Bodenbearbeitung kann Fruchtfolge, Saatzeitgestaltung und weitere mechanische oder chemische Maßnahmen nicht ersetzen.
Auch die Witterung spielt eine Rolle: Mechanisch herausgerissene Pflanzen vertrocknen unter warmen und trockenen Bedingungen leichter als bei anschließend feuchtem Wetter.
Australisches Prinzip wird in Sachsen produziert
Obwohl Kelly ein australischer Hersteller ist, kommen die für Europa bestimmten Kettenscheibeneggen seit mehreren Jahren aus Deutschland. Gefertigt werden die Maschinen bei der Maschinenfabrik Stolpen in Sachsen.
Bereits die größeren europäischen Modelle mit 6, 9 und 12 Metern Arbeitsbreite wurden dort gebaut. Die Produktion in Deutschland ermöglicht unter anderem eine Anpassung der Maschinen an europäische Anforderungen bei Transportmaßen und Straßenzulassung.
Mit der 1605 geht Kelly nun einen weiteren Schritt in diese Richtung. Die geringere Arbeitsbreite und der Leistungsbedarf ab etwa 100 PS sollen die Technik auch für Betriebe zugänglich machen, für die die bisherigen Großmaschinen nicht infrage kamen.
Kettenscheibenegge ersetzt nicht jedes Bodenbearbeitungsgerät
Die Stärke des Systems liegt vor allem bei hoher Flächenleistung und geringer Bearbeitungstiefe. Damit unterscheidet sich die Kelly deutlich von Maschinen, die den Boden intensiv mischen oder tiefer lockern.
Für Betriebe bedeutet das, den Einsatzbereich genau zu definieren. Bei Stoppelbearbeitung, Rückstandsmanagement, flacher Saatbettbereitung und bestimmten Maßnahmen zur mechanischen Unkrautkontrolle kann die Kettenscheibenegge mehrere Aufgaben übernehmen.
Wo dagegen starke Verdichtungen gelöst oder größere Mengen Boden intensiv eingemischt werden müssen, sind andere Werkzeuge erforderlich.
Mit der 1605 versucht Kelly deshalb weniger, die klassische Scheibenegge oder den Grubber vollständig zu ersetzen. Der Hersteller erweitert vielmehr sein Konzept der sehr flachen Bodenbearbeitung um eine Maschine, deren Abmessungen und Leistungsbedarf stärker auf mitteleuropäische Betriebe zugeschnitten sind.
Quellen
- Kelly Tillage: Technische Daten der Kelly 1605. Herstellerangaben: 5,4 m Arbeitsbreite, 2,43 m Transportbreite, Leistungsbedarf ab 75 kW/100 PS, 10 bis 12 km/h Arbeitsgeschwindigkeit, bis zu 4,6 ha/h Flächenleistung und 2.450 kg Maschinengewicht. (KELLY Tillage AUS)
- Kelly Tillage: Informationen zur Entwicklung der 1605 speziell für europäische Feldgrößen, Transportbedingungen und Traktorleistungen sowie zu den Einsatzgebieten Stoppelbearbeitung, Saatbettbereitung und mechanische Unkrautregulierung. (KELLY Tillage AUS)
- Kelly Tillage: Praxiserfahrung aus Deutschland mit einem Dieselverbrauch von etwa 2 bis 3 l/ha bei der Stoppelbearbeitung mit dem Kelly-System. (KELLY Tillage AUS)
- profi: Praxiserfahrungen mit Kelly-Kettenscheibeneggen sowie Beschreibung des Kettenprinzips, der flachen Bodenanpassung und der Fertigung europäischer Modelle bei der Maschinenfabrik Stolpen. (profi)
- eilbote: Hintergrund zur europäischen Fertigung der australisch entwickelten Kettenscheibeneggen in Stolpen, Sachsen. (eilbote-online.com)
