Fliegen können das Melken im Sommer erheblich erschweren. Kühe schlagen mit dem Schwanz, treten nach den Insekten und werden im Melkstand unruhig. Im ungünstigen Fall werden Melkzeuge abgeschlagen oder der Melkvorgang wird gestört. Wer den Fliegendruck wirksam senken will, sollte deshalb nicht erst gegen die sichtbaren Insekten vorgehen. Entscheidend ist eine Kombination aus Stallhygiene, Luftbewegung, Bekämpfung der Entwicklungsstadien und gezielten Maßnahmen im Melkbereich.
Besonders wirksam sind Lösungen, die verhindern, dass große Fliegenpopulationen überhaupt entstehen. Aber auch bei akutem Befall gibt es Möglichkeiten, Kühen und Melkpersonal schnell mehr Ruhe zu verschaffen.
Ventilatoren machen den Melkstand für Fliegen unattraktiver
Eine der einfachsten Maßnahmen ist eine kräftige Luftbewegung. Fliegen bevorzugen weitgehend windgeschützte Bereiche. Genau diese Bedingungen herrschen häufig im Melkstand und im Vorwartebereich.
Ventilatoren können das verändern. Die Bayerischen Staatsgüter empfehlen eine gute Durchlüftung ausdrücklich als mechanische Maßnahme gegen Fliegen beim Melken. Luftbewegung erschwert den Insekten das gezielte Anfliegen und Landen auf den Kühen.
Davon profitieren gleichzeitig die Tiere. Gerade an heißen Tagen kann eine geeignete Lüftung im Vorwartebereich und Melkstand dazu beitragen, Wärmebelastung zu reduzieren.
Wie stark der Luftstrom sein muss und wo die Ventilatoren am sinnvollsten installiert werden, hängt von Bauform und Größe des Melkbereichs ab. Entscheidend ist, dass die Luft tatsächlich dort bewegt wird, wo sich die Kühe während des Melkens aufhalten.
Wassernebel am Eingang kann Fliegen abstreifen
Auch Wasser wird auf einzelnen Betrieben gegen Fliegen eingesetzt. Praktiker berichten beispielsweise von Vernebelungsdüsen am Eingang zum Melkstand. Die Kühe durchlaufen dabei vor dem Melken einen feinen Wassernebel.
Ein Teil der auf den Tieren sitzenden Fliegen wird dadurch abgeschüttelt oder daran gehindert, gemeinsam mit den Kühen in den Melkstand zu gelangen.
Bei solchen Systemen muss allerdings auf die Feuchtigkeit geachtet werden. Eine zusätzliche Wasserzufuhr ist nur sinnvoll, wenn die Feuchtigkeit anschließend ausreichend abgeführt wird. Sonst können nasse Flächen und eine steigende Luftfeuchtigkeit neue Probleme verursachen.
Eine Kombination mit ausreichend dimensionierten Ventilatoren kann deshalb sinnvoll sein.
Sauberkeit nimmt Fliegen die Brutplätze
Die wichtigste langfristige Maßnahme beginnt außerhalb des eigentlichen Melkplatzes. Fliegen benötigen feuchtes organisches Material für ihre Entwicklung. Mist, Futterreste und verschmutzte feuchte Bereiche bieten dafür günstige Bedingungen.
Besonders kritisch sind schwer zugängliche Stellen, die bei der täglichen Reinigung leicht übersehen werden. Dazu zählen beispielsweise Bereiche entlang von Wänden, unter Einrichtungen, rund um Tränken sowie Stellen mit liegen gebliebenen Futter- oder Kotresten.
Auch Melkstand, Vorwartebereich und Rücklaufgänge sollten möglichst sauber gehalten werden. Bei stärkerer Verschmutzung kann es sinnvoll sein, den Boden bereits zwischen einzelnen Melkgruppen zu reinigen.
Hinzu kommen Abfälle aus dem Melkbereich. Gebrauchte Papierhandtücher, Einweghandschuhe und andere organisch verschmutzte Materialien sollten nicht offen liegen bleiben.
Nicht nur erwachsene Fliegen bekämpfen
Wer erst reagiert, wenn bereits große Mengen erwachsener Fliegen im Stall unterwegs sind, greift zu spät in den Entwicklungszyklus ein.
Der weitaus größere Teil einer Fliegenpopulation befindet sich zeitweise als Ei, Larve oder Puppe in den Brutstätten. Selbst wenn viele erwachsene Tiere beseitigt werden, können deshalb ständig neue Fliegen nachkommen.
Larvenbekämpfung setzt früher an. Entsprechende Mittel werden gezielt dort eingesetzt, wo sich die Entwicklungsstadien befinden. Je nach Haltungssystem können dies Einstreu, Mistbereiche oder andere feuchte organische Zonen sein.
Dabei dürfen nur für den jeweiligen Einsatz zugelassene Produkte entsprechend den Anwendungsbestimmungen verwendet werden.
Noch wichtiger ist, Brutstätten so weit wie möglich zu vermeiden. Regelmäßiges Entmisten, trockene Liegeflächen, entfernte Futterreste und saubere Tränkebereiche reduzieren die Voraussetzungen für eine starke Vermehrung.
Schlupfwespen können Fliegenentwicklung unterbrechen
Eine Alternative beziehungsweise Ergänzung zur chemischen Bekämpfung sind Nützlinge. In Ställen werden dafür unter anderem Schlupfwespen eingesetzt.
Die kleinen Nützlinge parasitieren Fliegenpuppen. Aus einer befallenen Puppe entwickelt sich anschließend keine neue Fliege. Das Verfahren setzt damit ebenfalls an einem Entwicklungsstadium an, bevor die erwachsenen Insekten auftreten.
Entscheidend ist ein frühzeitiger und wiederholter Einsatz. Wird mit Nützlingen erst begonnen, wenn bereits eine massive Fliegenpopulation vorhanden ist, lässt sich der Befall nicht kurzfristig beseitigen.
Welche Nützlinge geeignet sind, hängt außerdem vom Haltungssystem ab. Bei Festmist beziehungsweise Einstreu kommen andere Bedingungen vor als in Bereichen mit Gülle.
Klebefallen helfen vor allem bei überschaubarem Befall
Im Melkstand selbst können mechanische Fallen eine zusätzliche Maßnahme sein. Klebebänder oder größere Fliegenrollen fangen erwachsene Fliegen ohne Spritzanwendung.
Bei kleineren Populationen können solche Systeme den Fliegendruck merklich reduzieren. Bei sehr starkem Befall reichen einzelne Klebefallen jedoch nicht aus, weil ständig neue Tiere aus den vorhandenen Brutstätten nachkommen.
Entscheidend ist außerdem die Platzierung. Fallen sollten dort angebracht werden, wo sich Fliegen bevorzugt sammeln, gleichzeitig aber den Arbeitsablauf nicht behindern.
Auch UV-Fallen werden in Melkbereichen eingesetzt. Wie bei Klebefallen gilt jedoch: Sie bekämpfen die erwachsenen Tiere und ersetzen nicht die Beseitigung der Brutplätze.
Fliegengitter begrenzen den Eintrag von außen
Nicht jede Fliege im Melkstand stammt aus dem Stall. Durch Fenster, Türen und andere Öffnungen können ständig weitere Insekten eindringen.
Fliegengitter können diesen Eintrag reduzieren. Besonders in abgetrennten Melk- und Milchräumen kann das sinnvoll sein.
An häufig geöffneten Durchgängen ist eine vollständige Abschottung dagegen kaum möglich. Dort können Luftbewegung oder bauliche Lösungen wichtiger werden.
Auch natürliche Gegenspieler tragen zur Reduzierung der Population bei. Schwalben werden auf landwirtschaftlichen Betrieben häufig als Fliegenjäger beobachtet. Für eine planbare Bekämpfungsstrategie reicht ihre Wirkung allein allerdings nicht aus.
Chemische Mittel gezielt statt pauschal einsetzen
Bei starkem Befall kann zusätzlich eine chemische Bekämpfung erforderlich werden. Je nach Produkt stehen Mittel gegen Larven oder erwachsene Fliegen sowie Präparate zur Anwendung am Tier zur Verfügung.
Im Melkbereich gelten dabei besondere Anforderungen. Produkte müssen für den vorgesehenen Anwendungsbereich zugelassen sein. Bei Mitteln, die direkt am Tier eingesetzt werden, sind Anwendungsvorgaben und gegebenenfalls Wartezeiten zu beachten.
Auch Resistenzbildung spielt eine Rolle. Ein dauerhaftes Fliegenmanagement sollte sich deshalb nicht ausschließlich auf Insektizide stützen.
Die wirksamere Strategie besteht darin, verschiedene Maßnahmen miteinander zu verbinden und chemische Präparate dort einzusetzen, wo sie tatsächlich erforderlich sind.
Unruhige Kühe können den Melkablauf deutlich stören
Fliegen sind im Melkstand nicht nur lästig. Starker Befall verändert das Verhalten der Tiere. Typisch sind Schwanzschlagen, Hautzucken, Kopfschütteln und Tritte.
Werden Melkzeuge dadurch wiederholt abgeschlagen, kann der Melkvorgang beeinträchtigt werden. Die Bayerischen Staatsgüter weisen darauf hin, dass ein schlechter Ausmelkgrad wiederum die Eutergesundheit belasten kann.
Zusätzlich können Fliegen Krankheitserreger mechanisch übertragen und Futter oder Oberflächen verunreinigen.
Ein möglichst fliegenarmer Melkstand hat deshalb nicht nur mit Arbeitskomfort zu tun. Ruhigere Kühe erleichtern einen störungsarmen Melkablauf und reduzieren unnötigen Stress für Tiere und Melkpersonal.
Früh anfangen statt im Hochsommer reagieren
Die größten Erfolgsaussichten bestehen, wenn die Bekämpfung bereits beginnt, bevor sich eine hohe Fliegenpopulation entwickelt hat.
Für Milchviehbetriebe bietet sich deshalb ein mehrstufiges Vorgehen an: Brutplätze reduzieren, Entwicklungsstadien früh bekämpfen und gleichzeitig den unmittelbaren Melkbereich durch Luftbewegung, Sauberkeit und bei Bedarf Fallen schützen.
Treten trotzdem größere Fliegenmengen auf, können zusätzliche biologische oder zugelassene chemische Verfahren eingesetzt werden.
Ein einzelnes Mittel wird das Problem dagegen selten dauerhaft lösen. Entscheidend ist, die Vermehrung der Fliegen auf dem gesamten Betrieb zu begrenzen und gleichzeitig den Bereich rund um das Melken gezielt unattraktiv für die Insekten zu machen.
