Ab dem 3. September könnten die Türen der Europäischen Union für brasilianisches Rindfleisch vorerst geschlossen bleiben. Die Regierung in Brasilia hat bislang nicht nachweisen können, dass das für den Export vorgesehenes Fleisch frei von antimikrobiellen Wachstumsförderern ist. Eine Sprecherin der EU-Kommission teilte mit, dass bisher keine ausreichenden Belege dafür vorhanden sind.
EU-Anforderungen bleiben unerfüllt
Die Wahrscheinlichkeit, dass Brasilien die Anforderungen der EU bis zur gesetzten Frist erfüllt, wird in Brüssel als gering eingeschätzt. Ein Grund hierfür ist der übliche Schlachtzeitpunkt der Tiere im Alter von zwei Jahren. Ohne lückenlose Nachweise über diesen Zeitraum hinweg, dass die Rinder nicht mit in der EU verbotenen Substanzen behandelt wurden, ist ein Export in die EU nicht möglich.
Die Auslistung Brasiliens basiert auf den neuen Vorschriften zur Antibiotikanutzung innerhalb der EU-Veredelung. Diese sind Teil der überarbeiteten Tierarzneimittelverordnung, die seit dem 28. Januar 2022 in Kraft ist und auch Importe aus Nicht-EU-Ländern betrifft.
Brasilianische Bemühungen um Marktzugang
Laut Aussagen der brasilianischen Regierung wurden die Verhandlungen mit der EU intensiviert, um den Zugang zu den europäischen Märkten für tierische Produkte wiederherzustellen. Landwirtschaftsminister André de Paula betonte gegenüber dem brasilianischen Agrarnachrichtendienst „Canal Rural“, dass es oberste Priorität habe, Brasilien wieder auf die Liste der zugelassenen Lieferländer für Rindfleisch zu setzen.
Trotz dieser Bemühungen räumte de Paula ein, dass die Anpassung an die europäischen Vorgaben Zeit erfordern könnte, insbesondere wegen des langen Produktionszyklus bei Rindfleisch. Bei Geflügel sieht er jedoch größere Chancen auf einen schnelleren Erfolg aufgrund kürzerer Durchlaufzeiten.
Diplomatie als Lösungsweg
Die brasilianische Regierung verfolgt einen interdisziplinären Ansatz und bezieht dabei sowohl das Außenministerium als auch das Büro von Präsident Lula da Silva ein. Man sei entschlossen, gegenüber der EU alle Protokolle nachzuweisen und habe kürzlich die Nutzung bestimmter leistungsfördernder Zusatzstoffe verboten, erklärte de Paula. Zu diesen gehören Avoparcin und Virginiamycin, während Flavomycin weiterhin erlaubt bleibt.
Mögliche Auswirkungen auf den EU-Markt
Die brasilianischen Rindfleischexporte summierten sich in den ersten sieben Monaten dieses Jahres auf insgesamt 1,97 Millionen Tonnen – eine Steigerung von knapp 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Hauptabnehmer sind neben China und den USA auch die Europäische Union, deren Mitgliedsstaaten im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 63.700 Tonnen importierten.
Für europäische Rindfleischerzeuger stellt sich nun die Frage, ob das Handelsabkommen mit dem Mercosur-Block vom Mai dieses Jahres bereits unter Druck gerät und wie sich mögliche Angebotslücken auf dem Markt auswirken werden. Andere Mercosur-Mitglieder wie Argentinien und Uruguay könnten bereitstehen, um etwaige Lücken zu füllen.
