Für viele Getreidebetriebe ist der Herbst 2026 die letzte Saison, in der Flufenacet noch gegen Ackerfuchsschwanz eingesetzt werden kann. Die EU hat die Genehmigung des Wirkstoffs nicht erneuert. In Deutschland gelten für zahlreiche flufenacethaltige Pflanzenschutzmittel Aufbrauchfristen bis spätestens 10. Dezember 2026. Danach dürfen entsprechende Restbestände nicht mehr eingesetzt werden.
Besonders auf Standorten mit starkem Ackerfuchsschwanzdruck verliert der Getreideanbau damit einen wichtigen Baustein der bisherigen Herbstbehandlung. Bereits bei der Herbstaussaat 2026 sollten Betriebe deshalb stärker darauf achten, wie Fruchtfolge, Saattermin und Bodenbearbeitung zusammenspielen. Ab 2027 gewinnen diese pflanzenbaulichen Maßnahmen nochmals an Bedeutung.
Flufenacet darf nur noch bis Ende der Aufbrauchfrist eingesetzt werden
Die EU-Kommission beschloss 2025, die Genehmigung von Flufenacet nicht zu erneuern. Die Mitgliedstaaten mussten die Zulassungen flufenacethaltiger Pflanzenschutzmittel spätestens zum 10. Dezember 2025 aufheben.
Für die Anwendung bestehen jedoch Übergangsregelungen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nennt je nach Mittel unterschiedliche Aufbrauchfristen. Bei zahlreichen Produkten reichen diese bis zum 10. Dezember 2026, bei einigen Präparaten enden sie wenige Tage früher.
Landwirte sollten deshalb nicht allein auf den Wirkstoff achten, sondern die Frist des konkret vorhandenen Pflanzenschutzmittels prüfen. Nach Ablauf der jeweiligen Aufbrauchfrist ist eine Anwendung nicht mehr zulässig. Für noch vorhandene Mittel kann anschließend eine Entsorgungspflicht bestehen.
Ackerfuchsschwanz wird ohne Flufenacet schwieriger zu kontrollieren
Flufenacet war über Jahre ein wichtiger Bestandteil der Gräserbekämpfung im Wintergetreide. Besonders gegen Ackerfuchsschwanz wurde der Bodenwirkstoff häufig bereits im Herbst eingesetzt.
Der Wegfall trifft vor allem Betriebe, auf deren Flächen bereits ein hoher Besatz vorhanden ist oder bei denen Resistenzen gegenüber blattaktiven Wirkstoffen auftreten. Der amtliche Pflanzenschutzdienst weist darauf hin, dass der Anteil empfindlicher Ackerfuchsschwanz-Populationen gegenüber bestimmten Wirkstoffgruppen seit Jahren zurückgeht.
Damit lässt sich die Bekämpfung künftig noch weniger allein über Herbizide absichern. Maßnahmen, die den Auflauf des Ackerfuchsschwanzes vor oder während der Etablierung des Getreides reduzieren, werden wichtiger.
Spätere Aussaat kann den Ackerfuchsschwanzdruck senken
Eine Möglichkeit besteht darin, Wintergetreide auf belasteten Flächen später zu säen. Ein Teil der Ackerfuchsschwanz-Samen kann dann bereits vor der eigentlichen Aussaat keimen und mechanisch beseitigt werden.
Dazu kann ein Scheinsaatbett angelegt werden. Nach der Bodenbearbeitung bleibt die Fläche zunächst ohne Kultur. Auflaufender Ackerfuchsschwanz wird vor der Getreideaussaat beseitigt. Erst anschließend erfolgt die Saat.
Wie weit sich der Termin verschieben lässt, hängt allerdings von Standort, Bodenverhältnissen, Kultur und Witterung ab. Eine spätere Aussaat darf deshalb nicht isoliert betrachtet werden. Werden die Bedingungen zu nass oder verschlechtert sich das Saatbett, können die Vorteile bei der Ungrasbekämpfung durch Nachteile bei der Bestandesentwicklung wieder verloren gehen.
Fruchtfolge durchbricht den Anpassungszyklus
Auf Flächen mit starkem Ackerfuchsschwanzbesatz wird auch die Fruchtfolge wichtiger. Hohe Wintergetreideanteile schaffen günstige Bedingungen für Ungräser, die ihren Lebenszyklus an die entsprechenden Saat- und Bearbeitungstermine angepasst haben.
Sommerkulturen können diesen Rhythmus unterbrechen. Durch den späteren Saattermin bleibt mehr Zeit, um Ackerfuchsschwanz vor der Aussaat zum Auflaufen zu bringen und zu beseitigen. Gleichzeitig stehen je nach Kultur andere Möglichkeiten der mechanischen und chemischen Regulierung zur Verfügung.
Eine breitere Fruchtfolge hat darüber hinaus Bedeutung für die Krankheitskontrolle. Enge Getreidefolgen begünstigen beispielsweise die Schwarzbeinigkeit. Der Erreger beeinträchtigt das Wurzelsystem und kann dadurch Wasser- und Nährstoffaufnahme sowie den Ertrag begrenzen.
Die Fruchtfolge wird damit zu einem Teil der gesamten Pflanzenschutzstrategie und nicht lediglich zu einer Frage der Kulturverteilung.
Nach der Ernte nicht automatisch sofort bearbeiten
Auch die Stoppelbearbeitung kann die weitere Entwicklung des Ackerfuchsschwanzes beeinflussen. Der Pflanzenschutzdienst Baden-Württemberg weist für stark belastete Flächen darauf hin, dass eine sofortige und zu tiefe Bearbeitung nach der Ernte nicht immer sinnvoll ist.
Werden frisch ausgefallene Ackerfuchsschwanz-Samen tief eingearbeitet, können sie in eine sekundäre Keimruhe gelangen. Sie bleiben dann im Boden und können zu einem späteren Zeitpunkt wieder auflaufen.
Je nach Ausgangssituation kann deshalb eine sehr flache Bearbeitung oder zunächst sogar der Verzicht auf eine Bodenbearbeitung eine Alternative sein. Samen, die an der Oberfläche verbleiben, können keimen, verrotten oder von Tieren aufgenommen werden. Welche Vorgehensweise sinnvoll ist, hängt von Standort, Boden, Witterung und dem vorhandenen Samenpotenzial ab.
Befallene Flächen jetzt genau erfassen
Noch vor der Herbstaussaat lohnt es sich, die Verteilung des Ackerfuchsschwanzes auf den eigenen Flächen möglichst genau zu dokumentieren. Besonders Bereiche mit starkem Besatz sollten bei der weiteren Anbauplanung berücksichtigt werden.
Auf diesen Schlägen können Maßnahmen wie ein späterer Saattermin, ein Scheinsaatbett, die Aufnahme einer Sommerung oder eine angepasste Bodenbearbeitung gezielt kombiniert werden.
Entscheidend ist dabei, das Samenpotenzial nicht weiter anwachsen zu lassen. Produziert Ackerfuchsschwanz über mehrere Jahre große Mengen keimfähiger Samen, steigt der Bekämpfungsaufwand unabhängig davon, welche Herbizide noch zur Verfügung stehen.
Saatbett und Bestandesentwicklung bleiben entscheidend
Bei allen Maßnahmen gegen Ungräser darf die Entwicklung der Kultur nicht aus dem Blick geraten. Saattiefe, Sorte, Saattermin und Bodenstruktur müssen aufeinander abgestimmt werden.
Ein gleichmäßiger und konkurrenzfähiger Getreidebestand kann dazu beitragen, spät auflaufende Ungräser zu unterdrücken. Lückige Bestände verschaffen Ackerfuchsschwanz dagegen zusätzlichen Raum.
Wie stark einzelne Maßnahmen genutzt werden können, wird außerdem von der Witterung bestimmt. Gerade bei späteren Saatterminen kann eine längere Niederschlagsperiode die Befahrbarkeit der Flächen einschränken. Betriebe benötigen deshalb mehrere Handlungsoptionen statt eines starren Schemas.
Ab 2027 gewinnt integrierte Ungrasbekämpfung weiter an Bedeutung
Für den Herbst 2026 stehen vielen Betrieben noch flufenacethaltige Mittel innerhalb ihrer jeweiligen Aufbrauchfrist zur Verfügung. Danach fällt dieser Wirkstoff als Instrument gegen Ackerfuchsschwanz weg.
Der amtliche Pflanzenschutzdienst empfiehlt deshalb bereits jetzt, chemische und anbautechnische Maßnahmen stärker miteinander zu verbinden. Fruchtfolge, Saatzeit, Scheinsaatbett und Bodenbearbeitung können den Herbizideinsatz nicht in jedem Fall ersetzen. Sie können jedoch dazu beitragen, den Ungrasdruck bereits vor einer chemischen Behandlung zu reduzieren.
Welche Pflanzenschutzstrategien ab Herbst 2027 zur Verfügung stehen, hängt auch von der Zulassung neuer Wirkstoffe und Mittel ab. Für Betriebe mit starkem Ackerfuchsschwanzbesatz beginnt die Anpassung daher bereits mit der Anbauplanung für die kommende Saison.
Quellen
- Europäische Kommission: Durchführungsverordnung (EU) 2025/910 vom 20. Mai 2025 zur Nichterneuerung der Genehmigung für Flufenacet. Die Verordnung sieht die Aufhebung der Zulassungen und Aufbrauchfristen bis spätestens 10. Dezember 2026 vor. (Eur-Lex)
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Übersicht widerrufener Zulassungen mit produktbezogenen Abverkaufs- und Aufbrauchfristen für flufenacethaltige Pflanzenschutzmittel. (Bundesamt für Verkehr)
- Informationssystem Integrierte Pflanzenproduktion (ISIP), Baden-Württemberg: Hinweise zur Ackerfuchsschwanzbekämpfung nach dem Wegfall von Flufenacet sowie zu Fruchtfolge, Saatzeitpunkt und Scheinsaatbett. (ISIP)
- ISIP, Landwirtschaftsamt Neckar-Odenwald-Kreis: Empfehlungen zur Stoppelbearbeitung und zum Umgang mit ausgefallenen Ackerfuchsschwanz-Samen vor der Aussaat. (ISIP)
- ISIP: Aktuelle Hinweise für Herbst 2026 zur letztmaligen Anwendung flufenacethaltiger Mittel innerhalb der geltenden Aufbrauchfristen. (ISIP)
