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Kälbernuckel: Warum langsames Trinken für Kälber besser ist

Weich oder hart, Silikon oder Naturkautschuk: Bei Kälbernuckeln ist die Auswahl groß. Für die Kälberaufzucht ist jedoch weniger entscheidend, aus welchem Material ein Sauger besteht. Wichtiger ist, wie viel Milch er durchlässt. Ein zu hoher Milchfluss verkürzt die Trinkzeit deutlich und kann dazu führen, dass der natürliche Saugtrieb nach der Mahlzeit noch nicht ausreichend befriedigt ist. Genau darauf weist auch ein aktueller Beitrag von agrarheute hin.

Für Milchviehbetriebe bedeutet das: Der vermeintlich komfortabelste Nuckel muss nicht automatisch die beste Wahl für das Kalb sein. Besonders leichtgängige Sauger erleichtern zwar häufig das Anlernen und verkürzen die Tränkezeit. Aus Sicht des Tierverhaltens kann ein begrenzter Milchdurchfluss jedoch Vorteile haben.

Langsamer Milchfluss verlängert die Saugzeit

Kälber besitzen einen ausgeprägten Saugtrieb. Wird die Milch sehr schnell aufgenommen, ist die Mahlzeit bereits beendet, während das Bedürfnis zu saugen noch besteht. Die Tiere können dieses Verhalten anschließend auf Buchteneinrichtungen oder andere Kälber verlagern.

Dass der Milchfluss dabei eine Rolle spielt, zeigen mehrere Untersuchungen. In einem Versuch mit paarweise gehaltenen Kälbern trat unerwünschtes gegenseitiges Besaugen am seltensten auf, wenn die Tiere über einen Sauger mit langsamem Milchfluss getränkt wurden. Sowohl das Saugen selbst als auch eine längere Dauer der Milchaufnahme wirkten sich auf das Verhalten der Tiere aus.

Neuere Untersuchungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen. In einer Studie mit paarweise gehaltenen Holstein-Kälbern dauerte die Milchaufnahme über langsam fließende Nuckeleimer vor dem Absetzen durchschnittlich rund sieben Minuten. Beim Trinken aus offenen Eimern waren es lediglich etwa 1,6 Minuten. Gleichzeitig verbrachten die über Nuckeleimer getränkten Tiere weniger Zeit mit gegenseitigem Besaugen.

Nicht möglichst weich, sondern passend zum Tränkesystem

Damit wird die Härte eines Kälbernuckels zu einem betrieblichen Auswahlkriterium. Sehr weiche und leichtgängige Sauger können für neugeborene oder noch trinkschwache Kälber hilfreich sein. Bei kräftig saugenden Tieren kann dagegen ein höherer Saugwiderstand sinnvoll sein, wenn dadurch der Milchfluss begrenzt wird.

Eine pauschale Regel nach dem Schema „Silikon ist besser“ oder „Naturkautschuk ist besser“ greift deshalb zu kurz. Material, Härte, Öffnung und Bauform wirken zusammen. Auch ein harter Nuckel kann ungünstig sein, wenn durch eine große Öffnung zu viel Milch fließt.

Für den Betrieb ist daher vor allem die tatsächliche Trinkgeschwindigkeit interessant. Wird ein Eimer innerhalb kürzester Zeit geleert, sollte geprüft werden, ob der Durchfluss zum Alter und zur Saugkraft der Kälber passt.

Nuckelöffnung nicht einfach vergrößern

In der Praxis werden Sauger teilweise aufgeschnitten oder vorhandene Öffnungen erweitert, damit junge Tiere leichter trinken können. Damit verändert sich jedoch der Milchfluss dauerhaft. Aus einer Arbeitserleichterung beim Anlernen kann später ein sehr leichtgängiger Sauger werden.

Versuche mit unterschiedlichen Milchflussraten zeigen, dass Kälber auf Veränderungen beim Durchfluss deutlich reagieren. Ein langsamerer beziehungsweise unterbrochener Milchfluss verändert das Saugverhalten und verlängert die Beschäftigung mit dem Sauger.

Sinnvoller kann es deshalb sein, für sehr junge oder schwache Tiere zunächst einen geeigneten Starternuckel einzusetzen und später auf einen Sauger mit höherem Widerstand zu wechseln.

Auch Milchmenge und Management spielen eine Rolle

Der Kälbernuckel allein verhindert allerdings kein gegenseitiges Besaugen. Untersuchungen zeigen, dass auch die verfütterte Milchmenge entscheidend ist. In einem Versuch reduzierte eine größere Milchmenge das gegenseitige und nicht der Nahrungsaufnahme dienende Saugen deutlich. Zudem nahm das gegenseitige Besaugen zu, wenn der Nuckeleimer unmittelbar nach der Milchaufnahme entfernt wurde.

Für die Praxis sollte der Sauger deshalb immer als Teil des gesamten Tränkemanagements betrachtet werden. Milchmenge, Anzahl der Mahlzeiten, Milchfluss und die Möglichkeit, den Saugtrieb auszuleben, beeinflussen sich gegenseitig.

Verschlissene Kälbernuckel verändern den Milchfluss

Auch ein ursprünglich passender Nuckel bleibt nicht dauerhaft gleich. Durch intensives Saugen, Kauen, Reinigung und Materialalterung können sich Öffnung und Elastizität verändern. Damit kann der Milchfluss im Laufe der Nutzung steigen.

Betriebe sollten die Sauger deshalb regelmäßig auf Risse, ausgeleierte Öffnungen und andere Verschleißspuren kontrollieren. Entscheidend ist nicht allein, ob ein Nuckel noch verwendbar aussieht. Verändert sich die Trinkgeschwindigkeit deutlich, kann ein Austausch bereits sinnvoll sein.

Bei der Auswahl eines Kälbernuckels sollten Landwirte deshalb weniger nach Farbe oder Material entscheiden. Ausschlaggebend ist, wie das Kalb tatsächlich damit trinkt. Ein Sauger, der eine kontrollierte Milchaufnahme ermöglicht und das Tier länger mit dem Saugen beschäftigt, kann das natürliche Trinkverhalten besser unterstützen und das Risiko unerwünschten Besaugens verringern.