Die Sicherheit des zivilen Schiffsverkehrs im Schwarzen Meer hat sich im Sommer 2026 weiter verschärft. Nach Angaben des ukrainischen Infrastrukturministeriums wurden allein im Juli und in der ersten Augusthälfte 52 zivile Schiffe durch russische Angriffe getroffen. Ein Teil der Frachter transportierte Lebensmittel und andere Güter zu ukrainischen Häfen oder von dort in internationale Märkte.
Der ukrainische Minister für Wiederaufbau, Infrastruktur und Verkehr, Mykola Kalaschnik, wandte sich deshalb an den Generalsekretär der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO, Arsenio Antonio Dominguez Velasco. Die Angriffe hätten Tote und Verletzte unter den Besatzungen gefordert, Schiffe beschädigt und die Risiken für den ukrainischen Seekorridor deutlich erhöht.
Getreideexporte über den Seekorridor bleiben besonders wichtig
Die Auswirkungen reichen nach Einschätzung der ukrainischen Regierung über die unmittelbaren Schäden an Schiffen und Hafenanlagen hinaus. Kalaschnik erklärte, die wiederholten Angriffe gefährdeten den zivilen Schiffsverkehr, internationale Lieferketten und damit auch die Versorgung mit Agrarrohstoffen.
Mehr als die Hälfte der über den ukrainischen Seekorridor transportierten Ladungen besteht dem Minister zufolge aus Getreide. Die Lieferungen gehen in mehr als 55 Länder. Störungen des Seeverkehrs können deshalb insbesondere für den ukrainischen Getreideexport und für Importländer mit hoher Abhängigkeit vom Weltmarkt Folgen haben.
Angriff auf Maisfrachter fordert mehrere Todesopfer
Zu den schwersten Vorfällen im Juli gehörte der Angriff auf die GOLDEN LEO am 19. Juli. Das Schiff hatte mehr als 6.000 Tonnen Mais geladen und den Hafen Tschornomorsk verlassen. Neun der insgesamt 17 Besatzungsmitglieder sowie ein Lotse kamen ums Leben, zwei weitere Seeleute wurden verletzt.
Das beschädigte Schiff sank nach Angaben des Ministeriums am 26. Juli. Bereits am 13. und 14. Juli waren außerdem die Schiffe AIDA, ATLAS BEY und AROSA in den Häfen Piwdenny, Odessa und Tschornomorsk angegriffen worden. Auch dabei gab es Tote und Verletzte.
Angriffe auf Frachter setzen sich im August fort
Anfang August blieb die Lage angespannt. Am 5. August wurde die EMIL erneut mit unbemannten Systemen angegriffen. Das Schiff transportierte 173.000 Tonnen Eisenerz und war aus dem Hafen Piwdenny ausgelaufen. Nach einem Brand war der Frachter nach ukrainischen Angaben nicht mehr seetüchtig.
Am selben Tag wurde auch die MERA QUEEN getroffen. Das Schiff hatte Odessa mit einer Ladung Weizen verlassen. Bei dem Angriff kam ein ukrainisches Besatzungsmitglied ums Leben.
Hafeninfrastruktur und Handelsschiffe stark beschädigt
Seit Beginn der russischen Invasion wurden nach Angaben des ukrainischen Ministeriums insgesamt 1.090 Anlagen der Hafeninfrastruktur beschädigt oder teilweise zerstört. Hinzu kommen 262 betroffene Handelsschiffe.
Die Angriffe forderten demnach bislang 329 tote oder verletzte Zivilisten. Für die Ukraine bleibt die Funktionsfähigkeit ihrer Schwarzmeerhäfen dennoch von zentraler Bedeutung: Über sie laufen große Teile der Getreideexporte und damit ein wesentlicher Teil der landwirtschaftlichen Deviseneinnahmen des Landes.
Quelle: Ministerium für Wiederaufbau, Infrastruktur und Verkehr der Ukraine
