Die wirtschaftliche Lage der Schweinehalter in Bayern hat sich dramatisch verschärft, was den Bayerischen Bauernverband (BBV) dazu veranlasst hat, nach einem Krisengespräch mit Vertretern aus Erzeugung, Vermarktung und Schlachtung dringende politische Maßnahmen einzufordern. Der Verband weist darauf hin, dass die aktuellen Erzeugerpreise nicht einmal die variablen Kosten abdecken, was sowohl für konventionelle als auch für Bio-Betriebe gilt. Besonders hart trifft es jene Landwirte, die in Tierwohlinitiativen investiert haben.
Dringende Finanzhilfen gefordert
Um die missliche Lage der Schweinehalter zu entschärfen, fordert der BBV unter anderem zinsgünstige Darlehen von der Rentenbank sowie steuerliche Entlastungen und Vorschüsse auf Direktzahlungen. Günther Felßner, Präsident des BBV, hebt hervor, dass ohne zügige Maßnahmen die Existenz vieler Betriebe gefährdet sei.
Bereits im Juli hatte der Verband einen umfassenden Acht-Punkte-Plan zur Sicherung der nationalen Schweinefleischversorgung vorgestellt. Dieser Katalog umfasst verschiedene Forderungen zur Unterstützung der Branche.
Überprüfung nationaler Vorgaben angeregt
Neben kurzfristigen Finanzhilfen erachten die Teilnehmer des Krisengesprächs auch langfristige politische Signale als notwendig. Insbesondere wird vorgeschlagen, nationale Regelungen zur Zuchtsauenhaltung auszusetzen und an die EU-Nutztierstrategie anzupassen. Die aktuellen Vorgaben könnten viele Züchter zum Ausstieg zwingen.
Bundesministerium gegen Ausstiegsprogramm
Trotz der angespannten Lage lehnt das Bundeslandwirtschaftsministerium ein spezielles Ausstiegsprogramm für Schweinehalter ab. Ein Sprecher erläuterte gegenüber AGRA Europe, dass solche Maßnahmen derzeit nicht als geeignet angesehen werden, um auf den Markt zu reagieren.
Stattdessen plant das Ministerium, durch Investitionsförderungen und Bürokratieabbau die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Auch sollen betroffene Landwirte bei der Rentenbank finanzielle Hilfen beantragen können, vorausgesetzt sie sind direkt von Herausforderungen wie der Afrikanischen Schweinepest oder durch den Konflikt im Nahen Osten betroffen.
