Die Herausforderungen der deutschen Milchbranche standen im Mittelpunkt des Milchpolitischen Frühschoppens in Berlin, einer Veranstaltung des Milchindustrie-Verbands, die sich mit den Themen Markt und Nachhaltigkeit beschäftigte. Die Branche sieht sich derzeit mit steigenden Produktionskosten, sinkenden Erlösen und einem hohen Maß an Bürokratie konfrontiert.
Steigende Kosten und bürokratische Hürden
Laut Silvio Reimann von der Milch-Land GmbH aus Thüringen belasten insbesondere die gestiegenen Löhne seiner Mitarbeiter die Wirtschaftlichkeit der Produktion erheblich. Im letzten Jahrzehnt haben sich die Personalkosten nahezu verdoppelt. Gleichzeitig werden von Gesellschaft und Handel höhere Standards in puncto Nachhaltigkeit gefordert, was zusätzliche finanzielle Belastungen mit sich bringt. Reimann betonte, dass eine nachhaltige Produktion aus ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten besteht. Fehlt jedoch die ökonomische Grundlage, seien die anderen Bereiche nicht realisierbar.
Effizientere Bürokratie als Lösung?
Eike Ulken von der Molkerei Ammerland unterstrich die Notwendigkeit, bestehende bürokratische Systeme effizienter zu gestalten, um Landwirte zu entlasten. Obwohl er nicht an einen schnellen Bürokratieabbau glaubt, sieht er Potenzial in der Vereinfachung existierender Strukturen. Silvia Breher vom Bundesministerium für Landwirtschaft zeigte sich optimistisch und verwies auf bereits erzielte Fortschritte wie die Abschaffung der Stoffstrombilanzverordnung. Ein konkretes Ziel für den Bürokratieabbau nannte sie jedoch nicht.
Marktregulierungen unter Kritik
Ein weiterer Diskussionspunkt war der Artikel 148 der Gemeinsamen Marktorganisation, der verbindliche Lieferverträge zwischen Landwirten und Molkereien vorschreibt. Breher betonte die Wichtigkeit einer Ausnahmeregelung für die Milchwirtschaft und berichtete von laufenden Bemühungen der Bundesregierung, andere EU-Staaten von dieser Position zu überzeugen. Ulken wies darauf hin, dass eine strikte Mengenregulierung insbesondere bei hoher Produktionsmenge nachteilig sei.
Export als Schlüssel zum Erfolg
Professor Martin Banse vom Thünen Institut analysierte die aktuelle Marktsituation und hob die Bedeutung des Exports hervor. Da Deutschland einen Selbstversorgungsgrad von über 100 % hat, sei das Geschäft auf Drittlandmärkten entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg. Während er in Asien ein Wachstumspotenzial sieht, erwartet er für Europa eher eine Stagnation. Zudem erhöhen umweltbezogene Auflagen wie CO2-Reduktionen hierzulande die Produktionskosten im Vergleich zu anderen Ländern.
Zukunftsperspektiven für die Landwirtschaft
Konzepte zur Sicherung einer zukunftsfähigen Landwirtschaft wurden bereits von verschiedenen Kommissionen erarbeitet. Banse äußerte den Wunsch nach einer langfristigen Politikentwicklung basierend auf diesen Konzepten sowie auf Vorstellungen aus Wissenschaft und Branche. Breher erklärte abschließend, dass das Ministerium gemeinsam mit den Akteuren der Branche an Lösungen arbeiten wolle, ohne jedoch konkrete Maßnahmen zu benennen.
