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Kosten der Milcherzeugung: Herausforderungen für europäische Landwirte

Die europäischen Milchproduzenten stehen vor wachsenden finanziellen Herausforderungen, da die Kosten für die Haltung von Milchkühen stetig steigen. Laut den jüngsten Daten des Clubs Europäischer Milcherzeuger (European Dairy Farmer, EDF) betragen die durchschnittlichen jährlichen Ausgaben für eine Milchkuh in der EU derzeit etwa 5.600 Euro.

In Deutschland produzieren die Milchbetriebe im Durchschnitt 10.800 Kilogramm Milch pro Kuh und Jahr, was Gesamtkosten von rund 5.400 Euro verursacht. Im Vergleich dazu gibt ein typischer irischer Landwirt lediglich 2.900 Euro aus, erzielt dabei jedoch nur eine Jahresmilchmenge von etwa 6.000 Kilogramm pro Kuh.

Obwohl die Produktionskosten pro Kilogramm energiekorrigierter Milch (ECM) in Deutschland bei etwa 0,50 Euro und in Irland bei rund 0,48 Euro liegen, sind sie relativ ähnlich. Südschwedische Betriebe hingegen erreichen ein Leistungsniveau von über 12.000 Kilogramm pro Kuh und Jahr, wobei die Vollkosten bei 0,57 Euro pro Kilogramm ECM liegen, wie Steffi Wille-Sonk vom EDF auf der Tagung „Zukunft Milch“ in Alsfeld erläuterte.

Irland ist bekannt für seine Weidemilchbetriebe mit saisonaler Abkalbung. Die Kühe weiden fast das ganze Jahr über draußen und werden nur im Winter zugefüttert; der Einsatz von Kraftfutter ist mit 227 g/kg ECM sehr gering. Der Viehbesatz beträgt durchschnittlich 2,57 Großvieheinheiten (GV) je Hektar, was ausreichend Dauergrünland erfordert. Die Verfügbarkeit von Flächen wird durch steigende Umweltauflagen zu einer immer größeren Herausforderung für irische Landwirte.

In Schweden existiert eine gesetzliche Weidepflicht für Milchkühe, auch bekannt als „Greenwalking“. Obwohl dies in den meisten Betrieben eher als Auslauf betrachtet wird, konzentriert sich die Milchproduktion auf intensive Stallfütterung mit Grassilage und Getreide. Der Kraftfuttereinsatz liegt bei etwa 333 g/kg ECM. Der Maisanbau ist aufgrund klimatischer Bedingungen begrenzt und das Dauergrünland wird überwiegend für Jungvieh oder Fleischrinder genutzt.

Portugiesische Milchproduzenten arbeiten unter gänzlich anderen Bedingungen. Dank des milden Klimas und dem Einsatz von Bewässerungstechnik können sie neben Mais auch Feldgras als Zweitfrucht anbauen. Diese Betriebe halten durchschnittlich 7,5 GV/ha und sind auf Zukauffutter angewiesen, da das eigene Grundfutter nicht ausreicht. Trotz hoher Viehdichte scheint die Gülleverwertung kein Problem darzustellen; laut Steffi Wille-Sonk profitieren sie von einer liberalen Agrarpolitik.

Portugiesische EDF-Betriebe erzeugen ihre Milch zu Kosten von etwa 0,54 Euro/kg ECM bei einem Leistungsniveau von gut 10.000 kg ECM je Kuh und Jahr. Zwei Drittel dieser Kosten entfallen auf Futter (13,5 Cent/kg ECM für Eigenfutter und 23 Cent/kg ECM für Zukauffutter). Einnahmen aus Tierverkäufen und Prämienzahlungen helfen den Landwirten bisher dabei, wirtschaftlich zu arbeiten.

Dennoch stellen sinkende Milcherlöse eine Bedrohung dar – nicht nur für Portugal, sondern auch für andere europäische Regionen. Die stark gestiegenen Produktionskosten der letzten Jahre sind nur bei hohen Milchpreisen tragbar.