Im deutschen Einzelhandel zeichnet sich ein besorgniserregender Trend ab: Monatlich verschwinden etwa 4.000 Arbeitsplätze in der Branche. Der Handelsverband Deutschland macht hierfür vor allem steigende Arbeitskosten verantwortlich, die durch höhere Sozialversicherungsbeiträge und den wachsenden Mindestlohn bedingt sind.
Rückläufige Beschäftigungszahlen im Einzelhandel
Die aktuelle Analyse der Bundesagentur für Arbeit zeigt einen kontinuierlichen Rückgang der Beschäftigung im Einzelhandel. Zwar liegt die Gesamtzahl der Beschäftigten immer noch über 3 Millionen, doch eine abnehmende Tendenz ist unverkennbar. Diese Entwicklung basiert auf den Quartalszahlen mit dem Stichtag 31. März 2026.
Faktoren für den Arbeitsplatzverlust
Ein wesentlicher Grund für den Stellenabbau sind die steigenden Lohnkosten, wie Steven Haarke vom Verband für Arbeit und Soziales erläuterte. Der Verband hebt hervor, dass allein in den letzten zwölf Monaten monatlich etwa 4.000 Stellen verloren gingen, was vor allem auf die Erhöhung des Mindestlohns zurückzuführen sei.
Zum Jahreswechsel soll der Mindestlohn auf 14,60 € pro Stunde steigen. Seit seiner Einführung im Jahr 2015 bedeutet dies eine Zunahme um mehr als 70 %. Zusätzlich belasten höhere Bürokratie- und Regulierungskosten sowie gestiegene Kosten für Minijobs die Unternehmen.
Forderungen an die Politik
Der Handelsverband Deutschland richtet seinen Appell an die Politik, insbesondere an den Koalitionsausschuss, um die Beitragslast in der Sozialversicherung zu stabilisieren oder sogar zu senken. Die von der Alterssicherungskommission vorgeschlagene gesetzliche Kapitalrente könnte laut Verband zu einer Erhöhung der Rentenversicherungsbeiträge auf bis zu 20,6 % bis zum Jahr 2031 führen.
Diese Beitragserhöhungen sollten nach Ansicht des Verbands auf bestehende tarifliche oder betriebliche Altersvorsorgemodelle angerechnet werden können.
Bedeutung von Minijobs und Altersteilzeit
Der Verband spricht sich klar gegen eine Abschaffung oder Einschränkung von Minijobs aus. Diese seien unerlässlich zur Abdeckung von Stoß- und Randzeiten im Dienstleistungssektor und erfreuten sich großer Beliebtheit bei der Bevölkerung.
Zudem plädiert der Verband dafür, das Blockmodell bei der Altersteilzeit beizubehalten, da es bei Restrukturierungen eine zentrale Rolle spiele. Schließlich wirke sich die steigende Beitragslast auch negativ auf das Konsumverhalten aus, was den Einzelhandel zusätzlich unter Druck setze.
