Die deutsche Molkereibranche steht aktuell vor großen Herausforderungen, da mehrere Produktionsstätten ihre Pforten schließen müssen. Dies betrifft eine Vielzahl an Standorten, unter anderem das Landliebe-Werk in Heilbronn, das bis Dezember stillgelegt werden soll. Wie Achim Steinbach, Betriebsratsvorsitzender, dem SWR mitteilte, sind von dieser Schließung etwa 180 Arbeitsplätze betroffen.
Schließungen und Konsolidierungen in der Molkereibranche
Auch die Molkerei Hochwald hat angekündigt, ihren Standort in Kaiserslautern zu schließen, was den Verlust von ca. 80 Arbeitsplätzen bedeutet. Die Almil AG in Polling-Weiding kämpft ebenfalls ums Überleben und befindet sich im Insolvenzverfahren. Diese Entwicklungen sind Beispiele für den zunehmenden Druck auf die Molkereibranche.
Die Unternehmensgruppe Theo Müller ist ebenfalls von diesen Entwicklungen betroffen und plant die Schließung zweier Werke in Sachsen-Anhalt und Sachsen. Konkret betroffen sind die Homann-Soßenfabrik in Rogätz sowie das Sachsenmilch-Schnittkäsewerk in Leppersdorf, jeweils mit etwa 160 Mitarbeitern.
Längerfristige Trends: Weniger Molkereien
Ein Blick auf die langfristigen Branchendaten zeigt einen deutlichen Rückgang der Anzahl an Molkereien seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Laut dem Milchindustrie-Verband existierten 1950 noch rund 3.400 Betriebe, während es im Jahr 2025 nur noch 158 Unternehmen mit über 50 Beschäftigten geben wird.
Obwohl diese Zahl zuletzt stabil geblieben ist, setzt sich der Trend zur Konsolidierung fort. So kam es 2022 zu mehreren Übernahmen und Fusionen innerhalb der Branche, darunter die Übernahme der Frischewelt der Bayerischen Milchwerke durch Lactalis und der Erwerb mehrerer Werke durch die Unternehmensgruppe Theo Müller.
Saisonale Schwankungen bei der Milchproduktion
Derzeit ist auch ein leichter Rückgang der Milchmenge zu verzeichnen. Ende September sank sie innerhalb einer Woche um 0,5 %, wie aus Daten der ZMB hervorgeht. Trotz dieses Rückgangs liegt die Gesamtproduktion für das Jahr immer noch um 4,9 % über dem Vorjahreswert.
Preisentwicklung bei Magermilchpulver
Auf dem Markt für Magermilchpulver zeigt sich hingegen eine positive Entwicklung: Die Preise steigen sowohl für Futtermittel- als auch für Lebensmittelqualität an. Dies liegt an einer hohen Nachfrage aus verschiedenen Weltregionen, wobei EU-Produkte weiterhin wettbewerbsfähig bleiben.
Laut Monika Wohlfahrt von der ZMB ist das Interesse am Kauf besonders stark ausgeprägt im Vergleich zu Angeboten aus den USA. Auch die Preise für Markenbutter bleiben stabil, während lose Markenbutter aktuell günstiger angeboten wird als in der Vorwoche.
