Licht beeinflusst das Verhalten, den Hormonhaushalt und den biologischen Tagesrhythmus landwirtschaftlicher Nutztiere. Doch wie hell muss es im Kuh-, Schweine- oder Geflügelstall tatsächlich sein? Neben der Beleuchtungsstärke spielen auch Lichtfarbe, Beleuchtungsdauer und mögliche Flimmereffekte eine Rolle. Welche Kriterien für eine tiergerechte Beleuchtung wichtig sind und wie sich diese richtig messen lassen, wird auch auf der EuroTier 2026 in Hannover behandelt.

Warum Licht im Stall mehr als Helligkeit bedeutet
Für Rinder, Schweine und Geflügel erfüllt Licht mehrere Funktionen. Es ermöglicht den Tieren, sich zu orientieren, Artgenossen zu erkennen und ihre Umgebung wahrzunehmen. Gleichzeitig beeinflusst der natürliche Wechsel zwischen Hell und Dunkel zahlreiche physiologische Prozesse.
Dabei reagieren die Tierarten unterschiedlich auf Licht. Rinder besitzen beispielsweise ein anderes Farbsehvermögen als Menschen und passen sich langsamer an wechselnde Helligkeiten an. Geflügel kann zusätzlich bestimmte ultraviolette Lichtanteile wahrnehmen, die für das menschliche Auge unsichtbar sind.
Eine hohe Beleuchtungsstärke allein macht noch keine gute Stallbeleuchtung für Rinder aus. Entscheidend ist, ob die Liege- und Fressbereiche ausreichend ausgeleuchtet sind und die Lichtdauer zur jeweiligen Tiergruppe passt. Für laktierende Milchkühe werden längere Lichtphasen empfohlen, während Trockensteher von kürzeren Beleuchtungszeiten profitieren. Im Melkbereich muss das Licht außerdem gute Sichtverhältnisse für das Personal gewährleisten. Auch bei Kälbern sind die Lichtverhältnisse an Alter und Haltungsbedingungen anzupassen.
Noch stärker kommt es im Geflügelstall auf die Eigenschaften des Lichts an. Hühner nehmen bestimmte Bereiche des Lichtspektrums wahr, die für das menschliche Auge unsichtbar bleiben. Bei der Stallbeleuchtung für Hühner reicht es deshalb nicht, lediglich die vorgeschriebenen Luxwerte einzuhalten. Legehennen und Masthühner benötigen auf ihre Entwicklung und Haltung abgestimmte Lichtprogramme mit ausreichend langen Dunkelphasen. Ebenso wichtig ist eine möglichst gleichmäßige Ausleuchtung, damit keine extremen Helligkeitsunterschiede zwischen einzelnen Stallbereichen entstehen.
Eine Beleuchtung, die Menschen als angenehm und ausreichend hell empfinden, muss deshalb nicht zwangsläufig den Bedürfnissen der Tiere entsprechen.
Für die Bewertung einer Stallbeleuchtung sind insbesondere vier Eigenschaften wichtig: die Beleuchtungsstärke in Lux, die spektrale Zusammensetzung des Lichts, die tägliche Beleuchtungsdauer und das mögliche Flimmern der Lichtquelle.
Wie viel Lux brauchen Rinder, Schweine und Geflügel?
Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Tierart und Nutzungsrichtung. Neben gesetzlichen Mindestwerten gibt es fachliche Empfehlungen, die darüber hinausgehen.
Rinder: Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) empfiehlt für wichtige Aufenthaltsbereiche von Milchkühen eine Beleuchtungsstärke von etwa 150 Lux. Im Melkstand und bei der Tierbehandlung ist für die Beschäftigten eine stärkere Beleuchtung erforderlich. Für trockenstehende Kühe wird dagegen eine kürzere tägliche Lichtphase empfohlen.
Kälber: Nach der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung müssen im Aufenthaltsbereich mindestens zehn Stunden täglich 80 Lux erreicht werden. Fachliche Empfehlungen gehen darüber hinaus. Für die ersten drei Lebenswochen nennt die DLG etwa 150 Lux über 16 Stunden täglich, anschließend kann die Beleuchtungsdauer auf 14 Stunden reduziert werden.
Schweine: Reicht das Tageslicht für Pflege und Versorgung nicht aus, schreibt die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung mindestens acht Stunden künstliche Beleuchtung mit 80 Lux im Aufenthaltsbereich vor. In klar abgegrenzten Liegebereichen genügen mindestens 40 Lux.
Masthühner: Während der Lichtphase müssen mindestens 20 Lux in Kopfhöhe der Tiere erreicht werden. Mindestens 80 Prozent der Masthühnernutzfläche müssen entsprechend ausgeleuchtet sein. Vom siebten Tag nach der Einstallung bis drei Tage vor dem geplanten Schlachttermin ist eine ununterbrochene Dunkelperiode von mindestens sechs Stunden vorgeschrieben.
Für Legehennen gelten andere Vorgaben. Bei künstlicher Beleuchtung muss eine ununterbrochene nächtliche Ruhephase von mindestens acht Stunden vorgesehen werden.
Diese Unterschiede zeigen, weshalb sich Beleuchtungskonzepte nicht unverändert von einer Tierart auf eine andere übertragen lassen.
Lichtdauer und Dunkelphase beeinflussen den Tagesrhythmus
Eine ausreichend helle Beleuchtung allein genügt nicht. Für die Tiere ist auch entscheidend, wie lange sie dem Licht ausgesetzt sind.
Bei Milchkühen kann die gezielte Steuerung der Tageslänge den Hormonhaushalt und die Milchproduktion beeinflussen. Das DLG-Merkblatt zur Rinderstallbeleuchtung empfiehlt, den jahreszeitlichen Rhythmus zu berücksichtigen, und bezeichnet eine Beleuchtungsdauer von 12 bis 14 Stunden für die Praxis als ausreichend.
Für trockenstehende Milchkühe wird dagegen eine Kurztagbeleuchtung mit etwa acht Stunden Licht empfohlen. Der Wechsel zwischen unterschiedlichen Tageslängen kann die physiologischen Abläufe rund um die nächste Laktation beeinflussen.
Auch in der Geflügelhaltung haben geregelte Licht- und Dunkelphasen eine wichtige Funktion. Sie unterstützen den biologischen Tagesrhythmus und ermöglichen den Tieren Ruhezeiten.
Dauerhafte Beleuchtung ist deshalb keine geeignete Standardlösung. Selbst wenn einzelne Arbeitsbereiche nachts Licht benötigen, sollten die Ruhephasen der Tiere möglichst wenig gestört werden.
Lux richtig messen: Ein Messpunkt reicht nicht
Die Beleuchtungsstärke wird mit einem Luxmeter gemessen. Das Gerät erfasst, wie viel Licht auf eine bestimmte Fläche trifft. Ein Lux entspricht einem Lumen pro Quadratmeter.
Für eine aussagekräftige Bewertung reicht es allerdings nicht aus, unmittelbar unter einer Leuchte zu messen. Dort können die Werte deutlich höher liegen als am Rand des Stalles oder in Bereichen, die durch Stalleinrichtungen abgeschattet werden.
Die DLG beschreibt beispielsweise eine Beleuchtungssimulation für einen Geflügelstall, bei der trotz einer durchschnittlichen Auslegung auf 20 Lux Werte zwischen 3 Lux am Stallrand und 75 Lux direkt unter einer Leuchte auftraten.
Für die praktische Messung sollten deshalb mehrere Punkte berücksichtigt werden:
- Beleuchtungsstärke in den Aufenthaltsbereichen der Tiere erfassen, bei entsprechenden Vorgaben auf Tierkopfhöhe.
- Auch dunklere Bereiche zwischen den Leuchten und an den Stallrändern prüfen.
- Tageslichteinfall und künstliche Beleuchtung möglichst getrennt beurteilen.
- Messwerte zu unterschiedlichen Tageszeiten vergleichen, wenn Tageslicht die Helligkeit beeinflusst.
Die Messergebnisse hängen außerdem von der Ausrichtung des Sensors ab. Für vergleichbare Werte müssen Messhöhe, Sensorposition und Messbedingungen dokumentiert werden.
Bei Geflügel kommt eine weitere Besonderheit hinzu: Herkömmliche Luxmeter bewerten Licht nach dem Helligkeitsempfinden des Menschen. Sie erfassen daher nicht vollständig, wie Vögel die vorhandene Beleuchtung wahrnehmen.
Lichtfarbe und Flimmern bei LED-Beleuchtung
Mit dem Einsatz von LED-Leuchten lassen sich Beleuchtungsstärke und Lichtdauer vergleichsweise präzise steuern. Allerdings unterscheiden sich LED-Systeme erheblich in ihren lichttechnischen Eigenschaften.
Die Lichtfarbe wird üblicherweise über die Farbtemperatur in Kelvin beschrieben. Warmweißes Licht liegt unter 3.300 Kelvin, neutralweißes Licht zwischen 3.300 und 5.300 Kelvin und tageslichtweißes Licht darüber.
Die Farbtemperatur sagt jedoch nicht vollständig aus, welche Wellenlängen eine Leuchte tatsächlich abstrahlt. Für die biologische Wirkung ist das gesamte Lichtspektrum relevant.
Eine weitere Eigenschaft ist das Flimmerverhalten. Je nach Vorschaltelektronik und Dimmverfahren können LED-Leuchten zeitliche Helligkeitsschwankungen aufweisen.
Solche Schwankungen sind für Menschen nicht immer unmittelbar wahrnehmbar. Tiere können jedoch anders darauf reagieren. Besonders bei Geflügel ist die zeitliche Lichtmodulation deshalb ein wichtiges Bewertungskriterium.
Mit einem gewöhnlichen Luxmeter lässt sich Flimmern nicht zuverlässig beurteilen. Dafür sind geeignete Messgeräte erforderlich, die zeitliche Veränderungen der Lichtintensität erfassen.
Stallbeleuchtung muss auch wirtschaftlich sein
Neben den biologischen Anforderungen spielen Energieverbrauch, Wartung und Lebensdauer der Leuchten eine Rolle.
LED-Systeme können gegenüber älteren Beleuchtungstechniken deutlich weniger Strom benötigen. Wie hoch die tatsächliche Einsparung ausfällt, hängt von der bisherigen Anlage, der erforderlichen Beleuchtungsstärke und der täglichen Betriebsdauer ab.
Zusätzliche Einsparmöglichkeiten bieten Steuerungen mit Zeitschaltuhren und Tageslichtsensoren. Sie können das künstliche Licht automatisch reduzieren, wenn ausreichend Tageslicht vorhanden ist.
Auch die Umgebungsbedingungen müssen berücksichtigt werden. Staub, Feuchtigkeit, Ammoniak und regelmäßige Reinigungsarbeiten beanspruchen die Leuchten. Im Melkbereich empfiehlt die DLG deshalb besonders geschützte Leuchten mit mindestens der Schutzart IP65.
Verschmutzte Abdeckungen und eine ungünstige Anordnung der Lichtquellen können die Beleuchtungsstärke im Stall deutlich verringern. Deshalb gehören Reinigung und regelmäßige Überprüfung der Anlage zum Beleuchtungsmanagement.
Stallbeleuchtung als Thema der EuroTier 2026
Die richtige Bewertung von Licht in der Tierhaltung steht auch auf dem Fachprogramm der EuroTier 2026, die vom 10. bis 13. November in Hannover stattfindet.
Am 11. November 2026 von 12:30 bis 13:00 Uhr ist auf der DLG Expert Stage Geflügel in Halle 17 die Präsentation „Licht und Beleuchtung in der Nutztierhaltung: Verstehen, messen und bewerten“ vorgesehen.
Als Referentinnen sind Ida Marie Krüwel und Kathrin Toppel von der Hochschule Osnabrück angekündigt.
Das Thema ist für Betriebe relevant, die ihre vorhandene Stallbeleuchtung überprüfen oder eine Umrüstung auf LED-Technik planen. Denn die Entscheidung für eine Beleuchtungsanlage sollte sich nicht allein nach Wattzahl, Anschaffungspreis oder der vom Hersteller angegebenen Lichtleistung richten.
Entscheidend ist, welche Lichtverhältnisse tatsächlich bei den Tieren ankommen und ob Beleuchtungsstärke, Lichtverteilung, Spektrum und Tagesrhythmus zu den Anforderungen der jeweiligen Tierart passen.
Quellen
- EuroTier 2026: Licht und Beleuchtung in der Nutztierhaltung – Fachprogramm
- DLG-Merkblatt 415: Beleuchtung und Beleuchtungstechnik im Rinderstall
- DLG-Merkblatt 420: Beleuchtungstechnik für Schweineställe
- DLG-Merkblatt 438: Beleuchtung und Beleuchtungstechnik im Geflügelstall
- Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung – geltende Anforderungen
