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Putenhaltung in Deutschland: Rückgang bei Produktion und Verbrauch

Die Putenhaltung in Deutschland steht vor einer Phase des Umbruchs. Während der Gesamtmarkt für Geflügelfleisch leicht wächst, verzeichnet Putenfleisch einen Rückgang. So sank der Pro-Kopf-Verbrauch von 5,5 kg im Jahr 2020 auf 4,2 kg im Jahr 2025, was einem Rückgang der Produktion um bis zu 20 % entspricht. Dennoch bleibt die Branche ein wichtiger Bestandteil der deutschen Geflügelindustrie und ist fest im Markt verankert.

Struktur und Herausforderungen der Putenhaltung

Die Putenhaltung in Deutschland ist stark spezialisiert und arbeitsteilig organisiert. Von den Zuchtbetrieben über die Mast bis hin zu den Schlacht- und Verarbeitungsunternehmen erfolgt alles in einer eng verzahnten Wertschöpfungskette. Etwa 9 Millionen Truthühner wurden laut BMEL-Statistik 2023 in Deutschland gehalten, wobei rund 89 % in großen Beständen mit mehr als 10.000 Tieren lebten.

Ein Großteil der Putenmast konzentriert sich auf Niedersachsen, wo etwa 37 % der Mastputen gehalten werden. Die Produktionskette wird oft durch wenige große Unternehmen kontrolliert, die Küken und Futter bereitstellen sowie tierärztliche Betreuung organisieren.

Zucht und genetische Vielfalt

In den Ställen werden vor allem Hochleistungs-Hybriden wie „BUT Big 6“ von Aviagen Turkeys oder „Hybrid Turkeys“ von Hendrix Genetics gezüchtet. Diese Zuchtlinien sind das Ergebnis einer pyramidenförmigen Struktur, bei der Eigenschaften wie schnelles Wachstum und effiziente Futterverwertung selektiert werden.

Kleinere Betriebe setzen hingegen auf traditionellere Rassen wie die Ronquières oder Cröllwitzer Pute, die eher für extensivere Haltungen geeignet sind.

Anforderungen an Haltung und Management

Putenhaltung erfordert hohe Standards in Stalltechnik und Management, da Truthühner länger gemästet werden als Masthühner und sensibler auf Haltungsbedingungen reagieren. Die Initiative Tierwohl (ITW) spielt eine immer bedeutendere Rolle: Über 80 % der deutschen Puten werden unter verbesserten Bedingungen gehalten.

Ställe sind meist mit Frischluftzufuhr und Tageslicht ausgestattet; computergesteuerte Systeme regulieren Klima- und Lichtverhältnisse, um arteigenes Verhalten zu fördern. Die Fütterung erfolgt angepasst an das Wachstum der Tiere in mehreren Phasen.

Tiergesundheit: Ein zentrales Anliegen

Besondere Herausforderungen ergeben sich aus Gesundheitsproblemen wie Entzündungen an den Fußballen oder Brustblasen bei schweren Tieren. Diese Probleme resultieren häufig aus hoher Besatzdichte oder feuchter Einstreu. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat daher eine Überarbeitung der EU-Tierschutzvorgaben empfohlen.

Zudem forderte ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts eine strengere Kontrolle der Haltungsbedingungen gemäß dem Tierschutzgesetz, da freiwillige Branchenleitlinien allein nicht ausreichend seien.

Forschung und Innovation treiben Wandel voran

Forschungsprojekte zur Weiterentwicklung der Putenhaltung fokussieren sich auf effizientere Fütterungsmethoden sowie alternative Eiweißquellen. Im Rahmen des Bundesprogramms Nutztierhaltung wurden neue Stallkonzepte erprobt, die das Verhalten von Truthühnern durch gezielte Lichtsteuerung beeinflussen können.

Während die ökologische Putenhaltung noch einen geringen Anteil hat, könnten innovative Ansätze dazu beitragen, sowohl die Produktivität zu steigern als auch die Tierwohlstandards zu verbessern.