Forscher der Universität Bonn haben in einer aktuellen Studie die Wirkung von Ammoniumchlorid auf den Harn-pH-Wert bei Zuchtsauen untersucht. Diese Forschung könnte eine mögliche Lösung für Gesundheitsprobleme rund um die Geburt bieten, die durch Harnwegsinfektionen ausgelöst werden.
Hintergrund: Probleme bei Sauenherden
Das Postpartale Dysgalaktie-Syndrom (PPDS), ehemals als MMA-Komplex bekannt, stellt nach wie vor eine Herausforderung in Sauenherden dar. Zu den typischen Symptomen gehören Fieber und eine verminderte Nahrungsaufnahme. Ein wesentlicher Auslöser für dieses Syndrom sind Harnwegsinfektionen, die häufig durch unzureichende Wasseraufnahme begünstigt werden.
Einfluss der Kationen-Anionen-Bilanz
Die Kationen-Anionen-Bilanz (KAB) spielt eine entscheidende Rolle bei der Bestimmung des Harn-pH-Werts von Sauen. Bei einer zu hohen KAB steigt der pH-Wert in den alkalischen Bereich, was das Wachstum von Keimen wie Escherichia coli fördert. Der Zielbereich für den Harn-pH liegt bei etwa 6,0.
Studienaufbau und Methodik
In Zusammenarbeit mit Bewital agri führte die Universität Bonn ein Experiment durch, bei dem zehn tragende Sauen untersucht wurden. Alle Tiere erhielten normales Laktationsfutter, wobei fünf von ihnen zusätzlich 25 g Ammoniumchlorid pro Tag verabreicht bekamen. Diese Zusatzgabe begann drei Tage vor dem Abferkeltermin und wurde bis drei Tage nach der Geburt fortgeführt.
Die Forscher sammelten an drei Tagen zwischen 6:00 und 17:30 Uhr frisch abgesetzten Harn und bestimmten den pH-Wert mithilfe eines elektrochemischen pH-Meters.
Ergebnisse der Untersuchung
Anfangs befand sich der Harn-pH beider Gruppen im neutral-alkalischen Bereich zwischen 7,0 und 7,5. Bereits nach zwei Tagen zeigte sich bei der Gruppe mit Ammoniumchlorid eine deutliche Senkung des mittleren Harn-pH-Werts auf 6,5; am siebten Tag erreichte dieser sogar einen Wert von 5,5. Im Gegensatz dazu blieb der pH-Wert in der Kontrollgruppe konstant zwischen 7,0 und 7,2.
Zudem trat PPDS bei keinem der Versuchstiere auf, und es wurden keine negativen Auswirkungen auf das Fressverhalten oder den Allgemeinzustand beobachtet.
Bedeutung der ausreichenden Wasserversorgung
Während Ammoniumchlorid effektiv zur Senkung des pH-Werts beiträgt, ist es entscheidend, dass die Sauen ausreichend Wasser aufnehmen. Nur so können potenzielle gesundheitliche Risiken minimiert werden.
Nähere Details zur Studie sind als PDF auf SUSonline.de verfügbar.
