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Ostdeutsche Milchkuhbetriebe: Zahl könnte sich bis 2033 halbieren

In den kommenden zehn Jahren könnten die Milchkuhbetriebe in Ostdeutschland erheblich zurückgehen. Laut Prognosen des Interessenverbands Milcherzeuger (IVM) wird ein Rückgang um bis zu 50 % erwartet, was insbesondere auf die Standortnachteile in der Region zurückzuführen ist.

Strukturwandel in der ostdeutschen Milchwirtschaft

Dr. Klaus Siegmund vom IVM betont, dass die Zahl der Betriebe, die derzeit an der Milchleistungsprüfung teilnehmen, von 1.356 auf möglicherweise nur noch 500 bis 700 schrumpfen könnte. Zum Vergleich: Im Jahr 1995 existierten in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zusammen noch 4.764 solcher Betriebe.

Der Trend zeigt, dass vor allem Großbetriebe mit mehr als 1.000 Kühen stabil bleiben oder sogar wachsen werden. Dagegen wird bei mittelgroßen Betrieben mit 200 bis 500 Kühen sowie bei kleinen Familienbetrieben unter 200 Kühen ein deutlicher Rückgang erwartet.

Herausforderungen durch ungünstige Produktionsbedingungen

Laut Siegmund ist Ostdeutschland abgesehen von einigen Regionen in Sachsen kein bevorzugter Standort für die Milchproduktion. Seit 2015 haben die fünf ostdeutschen Bundesländer deshalb eine Million Tonnen an Milchproduktion verloren. Vor einem Vierteljahrhundert lag der Anteil an der bundesweiten Erzeugung noch bei 22,2 %, heute sind es nur noch 18,4 %.

Ein weiteres Problem ist die Verteilung der Kühe: Während aktuell etwa 30 % der rund 540.000 ostdeutschen Milchkühe in Beständen von mehr als 1.000 Tieren stehen, sind es in kleineren Beständen unter 200 Tieren lediglich noch etwa 8,9 %. Vor 25 Jahren war dieses Verhältnis nahezu umgekehrt.

Moderne Herausforderungen und internationale Beteiligung

Siegmund weist darauf hin, dass viele Milchkuhhalter immer noch in Anlagen aus DDR-Zeiten produzieren. Die Modernisierungsgrade variieren dabei stark, was zu unterschiedlichen Zukunftsperspektiven führt.

Auffällig ist zudem der hohe Anteil niederländischer Landwirte in der ostdeutschen Milchwirtschaft und die vergleichsweise geringe Besatzdichte mit nur zehn Kühen pro 100 Hektar Land. Der Verkaufserlös aus der Milchwirtschaft liegt trotzdem bei etwa 25 %, ähnlich wie im Westen Deutschlands.

Transparenz und Zusammenarbeit im Fokus des IVM

Anlässlich des 35-jährigen Bestehens des IVM wurde auf dessen Jahrestagung auch über die Notwendigkeit von Transparenz gesprochen. Der Vorsitzende Stefan Rothe betonte die Offenheit der Mitglieder bezüglich ihrer wirtschaftlichen Kennzahlen und hob hervor, dass diese Transparenz auch für neue Mitglieder erwartet wird.

Karsten Schmal vom Deutschen Bauernverband würdigte den IVM als bedeutende Stimme aus der Praxis und wies auf den zunehmenden Bedarf an digitaler und datenbasierter Landwirtschaft hin. Die Erfahrung des Verbandes sei besonders wertvoll für Diskussionen zur Zukunft der Tierhaltung.

Kritische Begleitung durch den Milchindustrieverband

Dr. Björn Börgermann vom Milchindustrieverband lobte die konstruktive Zusammenarbeit mit dem IVM und dessen kritische Hinterfragung staatlicher Zahlenwerke zur Steigerung der Transparenz in der Branche.

Trotz geringer politischer Aktivität bezüglich der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sicherte Börgermann zu, dass beim Thema Kappung und Degression dieselben Interessen wie jene großer ostdeutscher Milcherzeuger vertreten werden.