Die europäische Landwirtschaft sieht sich im Jahr 2026 mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert, da die Hitzewelle in weiten Teilen der EU drastische Auswirkungen auf die Ernteerträge hat. Der Agrarhandelsverband Coceral hat kürzlich seine Prognosen für die Getreideproduktion in der EU-27 deutlich gesenkt. Erwartet werden nun insgesamt nur noch 265,9 Millionen Tonnen – ein Rückgang um etwa 9 Millionen Tonnen im Vergleich zur Juni-Schätzung und ein deutlicher Abfall gegenüber den 290,6 Millionen Tonnen des Vorjahres.
Weichweizen leidet unter Hitze
Besonders betroffen ist der Weichweizen, dessen Ertragsaussichten stark nach unten korrigiert wurden. Coceral prognostiziert eine Produktion von 127,3 Millionen Tonnen, was einen Rückgang um 2,8 Millionen Tonnen seit Juni darstellt und sogar 10,6 Millionen Tonnen weniger als im Vorjahr bedeutet. Die anhaltend hohen Temperaturen während der Kornfüllung haben insbesondere in Ländern wie Frankreich, Süddeutschland, Österreich, Polen und Ungarn zu erheblichen Einbußen geführt. Auch in Spanien wurde die Ertragserwartung angepasst, da Ende Mai unerwartet starke Schäden durch Hitze auftraten.
Gerste: Sommergerste besonders betroffen
Die Gerstenproduktion zeigt ebenfalls einen abwärtsgerichteten Trend. Die neue Schätzung liegt bei 51,6 Millionen Tonnen, verglichen mit 52,8 Millionen Tonnen im Juni und 57,5 Millionen Tonnen im Vorjahr. Vor allem die Sommergerste litt unter den extremen Wetterbedingungen, da sie sich noch in empfindlichen Entwicklungsphasen befand. Im Gegensatz dazu hatte die Wintergerste ihre Entwicklung schon weitgehend abgeschlossen und war weniger betroffen.
Niedrigster Mais-Ertrag seit zwei Jahrzehnten in Frankreich
Einen kräftigen Einbruch verzeichnet der Maisanbau. Coceral reduziert die Prognose auf 52,7 Millionen Tonnen, was nicht nur niedriger ist als die Juni-Schätzung von 57,2 Millionen Tonnen, sondern auch unter dem ohnehin schwachen Vorjahresniveau von 57,4 Millionen Tonnen liegt. Besonders alarmierend sind die Zahlen aus Frankreich: Hier könnte die Produktion auf lediglich 9,4 Millionen Tonnen sinken – ein Tiefststand seit über zwanzig Jahren. Ursächlich dafür sind neben den extremen Wetterverhältnissen auch reduzierte Anbauflächen.
Insgesamt stehen Europas Landwirte vor einer herausfordernden Saison und müssen sich auf weitere Anpassungen einstellen. Die anhaltende Hitzewelle zeigt erneut die Verletzlichkeit der Landwirtschaft gegenüber klimatischen Veränderungen und betont die Notwendigkeit langfristiger Anpassungsstrategien.
