Anzeige
 

DVT fordert Bürokratieabbau für sichere Lieferketten in Europa

Die Versorgungssicherheit steht im Fokus der Diskussionen auf der 26. Jahrestagung des Deutschen Verbands Tiernahrung (DVT) in Berlin. Cord Schiplage, Präsident des DVT, hebt die Bedeutung politischer Entscheidungen hervor, die weniger Bürokratie und mehr bilaterale Abkommen ermöglichen könnten. Diese Maßnahmen seien essentiell, um Europas Wettbewerbsfähigkeit und Krisenfestigkeit zu sichern.

Offene Lieferketten als Schlüssel zur Sicherheit

Die Futtermittelindustrie spielt eine zentrale Rolle in der Lebensmittelkette und trägt entscheidend zur Schnittstelle zwischen pflanzlicher und tierischer Produktion bei. Laut Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) stammen etwa 88 % des Rohproteins für die deutsche Tierernährung aus heimischen Quellen. Dennoch bleibt die Branche bei bestimmten Rohstoffen wie Vitaminen und Aminosäuren auf internationale Lieferketten angewiesen, insbesondere aus China. Schiplage betont, dass die europäische Produktion gestärkt werden müsse, um Versorgungsengpässe abzufedern.

Strategien zur Erhöhung der Selbstversorgung

Die EU-Proteinstrategie sieht vor, den Anteil der Selbstversorgung bei Futterproteinpflanzen bis 2035 auf 35 % zu steigern. Der DVT mahnt jedoch zur Vorsicht gegenüber überzogenen Erwartungen an diese Zielsetzung, da geopolitische und klimatische Unsicherheiten berücksichtigt werden müssen. Schiplage verweist auf Berechnungen des europäischen Mischfutterverbandes FEFAC, die für dieses Jahr einen zusätzlichen Maisimportbedarf von rund 7 Millionen Tonnen prognostizieren. Bilaterale Abkommen, beispielsweise mit der Ukraine, könnten hier gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen.

Bürokratische Hindernisse gefährden Resilienz

Kritisch betrachtet der DVT die geplante EU-Entwaldungsverordnung, die ab Ende 2026 in Kraft treten soll. Trotz Fortschritten bei der nachhaltigen Sojabeschaffung sei bereits 90 % des eingesetzten Sojaschrots entwaldungsfrei. Die neuen Regelungen verursachen laut Schätzungen direkte Mehrkosten von etwa 1,05 Milliarden Euro. Schiplage kritisiert diese Regulierung als unnötige Belastung angesichts einer ohnehin instabilen Zeit.

Energie und Logistik als Grundpfeiler der Vorsorge

Neben Rohstoffen sind stabile Energie- und Logistiksysteme entscheidend für die Versorgungssicherheit. Die jüngsten Niedrigwasserstände auf deutschen Wasserstraßen haben verdeutlicht, wie wichtig ein reibungsloses Zusammenspiel von Wasserweg-, Schienen- und Straßenverkehr ist. Daher fordert der DVT gemeinsam mit anderen Verbänden Maßnahmen zur Stärkung der Infrastruktur durch die Bundesregierung.

Zudem rückt das Thema Krisenvorsorge stärker in den Fokus, da Risiken für kritische Infrastrukturen zunehmen. Der DVT begrüßt das Engagement des Bundeslandwirtschaftsministeriums in diesem Bereich und betont seine Bereitschaft, Expertise in Krisenpläne einzubringen, um Unternehmen handlungsfähig zu halten.