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AEF fordert Notfallprogramm zur Rettung der Schweinehaltung in Deutschland

Die Schweinehaltung in Deutschland steht vor existenziellen Herausforderungen, da der Kostendruck auf die Landwirte zunehmend steigt. Das Agrar- und Ernährungsforum Nord-West (AEF) hat deshalb einen dringenden Appell an die Bundesregierung und die Länder gerichtet, mit einem sofortigen Maßnahmenpaket die Liquidität der Betriebe sicherzustellen. Diese Forderung zielt darauf ab, den weiteren Rückgang einer für den ländlichen Raum entscheidenden Branche zu verhindern.

Schweinehalter kämpfen mit wirtschaftlichen Hürden

Der Preisdruck in der Schweinehaltung hat in den letzten Jahren zugenommen, was durch niedrige Marktpreise für Schweine und Ferkel sowie steigende Produktionskosten verursacht wird. Hinzu kommen hohe Investitionen, die für gesetzlich vorgeschriebene Umstrukturierungen in der Tierhaltung notwendig sind. Diese Faktoren haben bereits dazu geführt, dass seit 2016 ein Drittel der Schweinehalter in Deutschland aufgegeben hat. Besonders dramatisch ist die Situation in Niedersachsen, wo fast 45 Prozent der Betriebe ihre Türen schließen mussten.

Laut AEF sind viele Betriebe nicht mehr in der Lage, unter diesen Rahmenbedingungen wirtschaftlich tragfähige Perspektiven zu entwickeln. Sven Guericke, Vorstandsvorsitzender des AEF, betont die Bedeutung dieser Entwicklung als Alarmsignal für die gesamte Wertschöpfungskette – von Futtermittelproduzenten bis zur Verarbeitungsindustrie. Die Insolvenz eines bedeutenden Ferkelerzeugers wie Geestferkel GmbH verdeutlicht die kritische Lage.

Vorgeschlagenes Sofortprogramm zur Stabilisierung

Um dem entgegenzuwirken, fordert das AEF ein umfassendes 4-Punkte-Sofortprogramm. Dieses soll durch zinsvergünstigte Liquiditätskredite und Ausfallbürgschaften über die Landwirtschaftliche Rentenbank unterstützt werden. Ein weiteres Element ist ein Moratorium für Bestandsdarlehen, das Tilgungsleistungen bei Investitionskrediten vorübergehend aussetzt.

  • Rentenbank-Liquiditätsprogramm: Zinsverbilligte Kredite mit Ausfallbürgschaften und Tilgungsfreijahre.
  • Moratorium für Bestandsdarlehen: Befristetes Aussetzen von Tilgungen bei Investitionskrediten.
  • Steuerliche Sofortentlastung: Zinslose Stundung fälliger Steuern und schnelle Herabsetzung von Vorauszahlungen.
  • Vorzeitige Auszahlung der Direktzahlungen: Frühzeitiger Liquiditätszufluss durch EU-Direktzahlungen vor Jahresende.

Anpassungsdruck auf politischer Ebene

Sven Guericke unterstreicht, dass es jetzt nicht um langfristige Strukturdebatten gehe, sondern darum, unmittelbar wirtschaftlich gesunde Betriebe zu unterstützen. Jedes geschlossene Unternehmen bedeute nicht nur den Verlust von Arbeitsplätzen, sondern auch eine Abnahme der regionalen Wertschöpfung im ländlichen Raum. Ohne sofortiges Handeln sei auch die heimische Lebensmittelversorgung gefährdet.

Das Agrar- und Ernährungsforum Nord-West mahnt daher zur Eile in der Umsetzung dieser Maßnahmen und sieht Bund und Länder in der Verantwortung, schnell zu handeln, um die Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität des Sektors zu sichern.