Die LFD Holding GmbH, einst Deutschlands größter Ferkelerzeuger, ist insolvent. Das Amtsgericht Leipzig hat am 15. Oktober 2026 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens waren bereits im Jahresabschluss 2025 erkennbar.
Das Amtsgericht Leipzig hat über das Vermögen der LFD Holding GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet. Nach der gerichtlichen Bekanntmachung vom 16. Oktober darf das Unternehmen seine Geschäfte zunächst selbst weiterführen. Zum Sachwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Rainer M. Bähr bestellt. Geschäftsführer Ralf-Uwe Stolarski bleibt im Amt und verantwortet weiterhin die Unternehmensführung.
Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung behält die Geschäftsführung die Kontrolle über das Unternehmen, während der gerichtlich bestellte Sachwalter die Einhaltung der insolvenzrechtlichen Vorgaben überwacht. Ob und in welcher Form die LFD Holding langfristig fortgeführt werden kann, ist noch offen.
LFD Holding: Millionenverlust und negatives Eigenkapital
Die finanziellen Schwierigkeiten zeichnen sich in der Bilanz für das Geschäftsjahr 2025 ab. Dem veröffentlichten Jahresabschluss zufolge verbuchte die LFD Holding einen Verlust von rund 2,6 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten beliefen sich zum 31. Dezember 2025 auf knapp 3,9 Millionen Euro.
Besonders auffällig ist die Eigenkapitalsituation. Die Gesellschaft wies zum Bilanzstichtag einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von rund 2,4 Millionen Euro aus. Bezogen auf die Bilanzsumme von 7,84 Millionen Euro entspricht dies einer negativen Eigenkapitalquote von etwa 30,5 Prozent.
Die Verbindlichkeiten waren gegenüber dem Vorjahr zwar deutlich zurückgegangen. Dennoch reichten die vorhandenen Vermögenswerte bilanziell nicht mehr aus, um sämtliche Verpflichtungen und Rückstellungen zu decken.
Vom Straathof-Konzern zum größten Ferkelerzeuger Deutschlands
Die Geschichte der LFD-Gruppe reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Der niederländische Unternehmer Adrianus Straathof baute in Deutschland einen der größten Schweinezuchtkonzerne auf. Nach der Umbenennung im Jahr 2014 firmierte das Unternehmen unter dem Namen Landwirtschaftliche Ferkelzucht Deutschland (LFD).
Straathof geriet wegen wiederholter Tierschutzverstöße in seinen Schweinehaltungsanlagen in die Kritik. Wegen erheblicher Verstöße gegen tierschutzrechtliche Vorschriften wurde gegen ihn ein bundesweites Tierhaltungsverbot verhängt. Die deutschen Standorte wurden anschließend unter der LFD Holding weitergeführt.
Im März 2020 übernahm die Schweizer Investmentgesellschaft Terra Grundwerte AG die Unternehmensgruppe. Damals gehörten zur LFD Holding 14 Tochtergesellschaften mit rund 55.000 Sauenplätzen. Nach Angaben der am Verkauf beteiligten Unternehmensberatung Centuros produzierte die Gruppe jährlich etwa 1,5 Millionen Ferkel.
Zum damaligen Unternehmensbestand zählten außerdem zehn Biogasanlagen. Rund 400 Beschäftigte arbeiteten an Standorten in mehreren Bundesländern.
Großbrand in Alt Tellin traf die Ferkelproduktion schwer
Einen schweren Einschnitt erlebte die Unternehmensgruppe im März 2021. In der Schweinezuchtanlage Alt Tellin in Mecklenburg-Vorpommern brach ein Großbrand aus, der nahezu sämtliche Stallgebäude zerstörte.
Nach den später korrigierten Angaben des Betreibers und des Schweriner Agrarministeriums verendeten bei dem Feuer 49.771 Sauen und Ferkel. Die Anlage gehörte zu den größten Ferkelerzeugungsbetrieben Deutschlands.
Der Brand vernichtete einen erheblichen Teil der damaligen Produktionskapazitäten. In den folgenden Jahren veränderten sich die Beteiligungs- und Betriebsstrukturen der LFD-Gruppe mehrfach.
Zweite große Insolvenz in der Ferkelbranche innerhalb weniger Monate
Die Insolvenz der LFD Holding fällt in eine wirtschaftlich schwierige Phase für die deutsche Schweinehaltung. Bereits Ende Juli 2026 hatte die Geestferkel GmbH aus Wildeshausen Insolvenz angemeldet. Auch dieses Unternehmen zählte mit mehr als 20.000 Sauen und über 23 Betriebsstandorten zu den großen deutschen Ferkelerzeugern.
Bei Geestferkel wurden insbesondere die stark gesunkenen Erzeugerpreise als Ursache der wirtschaftlichen Probleme genannt. Die VEZG-Notierung für 25 Kilogramm schwere Ferkel war im Juli innerhalb weniger Wochen von 40 auf 30 Euro je Tier gefallen.
Welche Rolle die aktuelle Marktentwicklung bei der Insolvenz der LFD Holding gespielt hat, geht aus der gerichtlichen Bekanntmachung nicht hervor.
Gläubigerversammlung am 17. November entscheidet über weiteren Kurs
Für die Gläubiger der LFD Holding gelten nun konkrete Fristen. Ihre Forderungen müssen sie bis zum 9. November 2026 beim bestellten Sachwalter anmelden.
Am 17. November 2026 um 11 Uhr findet beim Amtsgericht Leipzig die Gläubigerversammlung statt. Dabei stehen unter anderem der weitere Verlauf des Insolvenzverfahrens, die Fortsetzung der Eigenverwaltung und mögliche Schritte zur Sanierung auf der Tagesordnung.
Das Verfahren betrifft zunächst die LFD Holding GmbH. Welche Konsequenzen sich daraus für einzelne Beteiligungen und die verbliebenen Schweinehaltungsbetriebe ergeben, ist bislang nicht bekannt.
Quellen:
- Insolvenzbekanntmachung des Amtsgerichts Leipzig vom 15. Oktober 2026
- LFD Holding GmbH – Jahresabschluss 2025
