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Tönnies-Schlachthof: Heimliche Videos enthüllen Tierschutzverstöße

Mutmaßliche Verstöße gegen den Tierschutz im Tönnies-Schlachthof in Schleswig-Holstein sorgen aktuell für erhebliche Diskussionen. Die Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch (ARIWA) veröffentlichte Videomaterial, das angeblich zeigt, wie Schweine misshandelt und unzureichend betäubt werden, bevor ihnen die Hinterfüße abgetrennt werden. Diese Aufnahmen stammen aus der Schlachterei R. Thomsen in Kellinghusen und wurden im März und April aufgenommen.

Tönnies räumt individuelles Fehlverhalten ein

Laut ARIWA haben Mitarbeiter des Schlachthofs regelmäßig gegen Tierschutzbestimmungen verstoßen. Die Organisation hat aufgrund der Vorfälle Strafanzeige erstattet. Der Fleischkonzern Tönnies, der diesen Schlachthof betreibt und inzwischen als Premium Food Group firmiert, räumt ein Fehlverhalten einzelner Angestellter ein. Eine interne Untersuchung habe jedoch keine systematischen Mängel aufgedeckt.

Besonders schwerwiegend erscheint der Vorwurf, dass Schweinen die Hinterfüße entfernt wurden, bevor sie entblutet waren. Tönnies bestätigt diesen Vorfall als Folge eines technischen Defekts und sieht hierin einen klaren Verstoß gegen die vorgeschriebenen Abläufe.

Kontroversen um Betäubungsmethoden

Ein weiterer Kritikpunkt von ARIWA betrifft die CO₂-Betäubung der Schweine. Es wird behauptet, dass einige Tiere möglicherweise nicht ausreichend betäubt worden seien, um die nachfolgenden Prozeduren bewusstlos zu erleben. Tönnies erklärt hingegen, dass die Anlage in Kellinghusen mit über den gesetzlichen Anforderungen liegenden CO₂-Konzentrationen arbeite, um eine lang anhaltende Betäubung sicherzustellen.

Das Unternehmen gibt zu, dass in einigen Fällen das Zeitfenster zwischen Betäubung und Entblutung überschritten wurde. Dies bedeute jedoch nicht zwangsläufig, dass eine Nachbetäubung erforderlich sei; entscheidend sei der Zustand des Tieres.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hat nun die Ermittlungen aufgenommen, nachdem ARIWA Strafanzeige eingereicht hat. Ursprünglich war die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Dortmund eingegangen, wurde jedoch aufgrund des Tatorts nach Schleswig-Holstein abgegeben.

Tönnies betont in einer Stellungnahme, dass Tierschutz ein zentraler Bestandteil ihrer Unternehmensphilosophie sei und sowohl gesetzliche als auch zusätzliche betriebliche Kontrollen durchgeführt würden. Der Konzern sieht die dokumentierten Vorfälle als individuelle Fehler und nicht als symptomatische Probleme der gesamten Anlage.