Die britische Regierung plant, die Subventionen für Biogasanlagen, die unter anderem Geflügelmist verarbeiten, abzuschaffen. Diese Entscheidung könnte erhebliche Auswirkungen auf die Abfallentsorgung in der Geflügelindustrie haben, insbesondere bei der Beseitigung von jährlich bis zu 2,4 Millionen Tonnen Hühnermist. Dieser Abfall stellt eine Herausforderung für Umwelt und Landwirtschaft dar.
Geflügelproduktion in Großbritannien
Mit einer jährlichen Schlachtung von rund einer Milliarde Hühnern hat sich Großbritannien zu einem der führenden Produzenten von Geflügelfleisch entwickelt. Die Nachfrage nach Produkten wie Chicken Wings und Hähnchenschenkel wächst stetig. Die Entsorgung des dabei entstehenden Hühnermists wird zunehmend problematisch, da er Boden und Gewässer belasten kann.
Bisher wurden große Mengen des Mists in Biogasanlagen verbrannt oder zu Energie verarbeitet. Diese Anlagen sind jedoch stark von staatlichen Subventionen abhängig. Mit dem geplanten Auslaufen dieser Finanzhilfen bis Anfang 2027 könnten viele dieser Betriebe ihren Betrieb einstellen müssen.
Kritik an der Abschaffung der Subventionen
Laut Recherchen von „The Bureau of Investigative Journalism“ und „Grilled“ haben Branchenvertreter bereits die Regierung vor den möglichen Konsequenzen gewarnt. Energieminister Michael Shanks hat jedoch mitgeteilt, dass das Subventionsprogramm für kleine Biomasseanlagen nicht verlängert wird. Umweltschützer sind besorgt über die Pläne zur Erweiterung der Geflügelindustrie und zweifeln an der Notwendigkeit öffentlicher Gelder zur Lösung des Abfallproblems.
Folgen für Unternehmen und Umwelt
Melton Renewable Energy ist eines der Unternehmen, das besonders stark betroffen ist. Es betreibt drei Anlagen, die jährlich 600.000 Tonnen Geflügelmist verarbeiten. Mehr als die Hälfte ihrer Einnahmen stammen aus staatlichen Zuschüssen. Ohne diese Unterstützung könnte das Unternehmen gezwungen sein, den Betrieb einzustellen.
Ohne geeignete Alternativen würde voraussichtlich ein Großteil des Mistes als Dünger auf Feldern ausgebracht werden, was zu erheblichen Umweltproblemen führen könnte. Die Stickstoffbelastung durch Abflüsse in Gewässer ist bereits ein bekanntes Problem in verschiedenen Regionen des Landes.
Zukunftsperspektiven und Lösungen
Trotz potenzieller Umweltbelastungen gibt es Bestrebungen seitens landwirtschaftlicher Betriebe, neue Geflügelställe zu errichten, deren Abfälle über Anlagen wie die von Melton entsorgt werden sollen. Jonathan Scurlock von Renewable Energy in Agriculture äußerte Bedenken über die nachhaltige Bewirtschaftung des Mistes bei Schließung der Werke.
Der British Poultry Council und Unternehmen wie Moy Park haben sich vergeblich für den Erhalt der Subventionen eingesetzt. Richard Griffiths vom BPC betont hingegen die Suche nach alternativen Lösungen zur Nutzung von Geflügelabfällen in erneuerbarer Energieerzeugung.
Letztendlich arbeitet das Umweltministerium Defra daran, klare Regelungen für die Nutzung von Geflügelmist als Dünger aufzustellen, während Kritiker wie Amy Fairman von River Action darauf hinweisen, dass diese Praxis teilweise zum ökologischen Zusammenbruch einiger bedeutender Gewässer beiträgt.
